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Investoren für B2B-Software in DACH und Benelux finden: Wer wohin passt — und wen du gar nicht erst anschreiben solltest

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Bei Nemetschek habe ich 1999 den Börsengang aus der Nähe erlebt — damals war die Börse für ein deutsches Softwarehaus der einzige ernsthafte Kapitalzugang. Heute ist es umgekehrt: Kaum ein DACH-B2B-Softwareunternehmen geht noch an die Börse, dafür klopfen Private-Equity-Fonds von sich aus an, oft Jahre bevor der Gründer überhaupt verkaufen will. Das Problem hat sich verschoben — vom Kapital finden zum richtigen Kapital erkennen. Wer die falsche Investorengattung anspricht, verliert Monate; wer vom falschen Fonds gekauft wird, merkt es spätestens beim zweiten Budget-Cut.

Erste Frage: In welcher Phase steckst du wirklich?

Die Investorenlandschaft sortiert sich brutal einfach nach Umsatz und Profitabilität, und die Grenzen sind härter, als Pitch-Ratgeber suggerieren:

Unter 1 Mio. € ARR — Early-Stage VC. In Benelux ist henQ (Amsterdam, früher Mendix-Investor) die erste Adresse für B2B-Software, dazu imec.istart in Leuven für Deep-Tech-nahe Gründungen und Rockstart als Accelerator. In DACH decken u. a. Cusp Capital und Seedcamp (paneuropäisch) die Phase ab. VCs kaufen Wachstumsgeschwindigkeit, keine Profitabilität — wer mit 30 % Wachstum und schwarzer Null pitcht, ist hier falsch.

1–10 Mio. € ARR, wachsend — Growth Equity. Prime Ventures (Amsterdam, seit 1999), Strada Partners (Antwerpen) oder paneuropäische Häuser wie Balderton. Hier zählt die Frage, ob das Produkt einen zweiten Markt trägt — Growth-Investoren finanzieren Expansion, keine Produktsuche.

Ab ~5 Mio. € Umsatz, profitabel — Software-PE. Das ist die dichteste Zone in DACH/Benelux: Main Capital Partners (Den Haag, mit Düsseldorfer Büro, investiert ausschließlich in B2B-Software), Bregal Unternehmerkapital, Maguar (München, Software-only), Castik, Volpi Capital (Nordwesteuropa). Darüber die Schwergewichte Hg (u. a. Visma), EQT, KKR, Carlyle.

Jede Größe, Branchensoftware, kein Exit-Wunsch — die Dauerhalter. Total Specific Solutions und der Constellation-Software-Verbund sowie Volaris kaufen Vertical-Market-Software für immer: kein Fonds-Laufzeitdruck, kein Weiterverkauf, dafür niedrigere Einstiegsbewertungen. Für Gründer, denen Kontinuität wichtiger ist als der letzte Bewertungs-Euro, oft die ehrlichste Option.

Zweite Frage: Passt dein Modell zur Buy-Thesis des Fonds?

Software-PE in DACH/Benelux läuft überwiegend als Buy-and-Build: Der Fonds kauft eine Plattform und docken Add-ons an. Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit — die meisten Mittelständler werden als Add-on gekauft, nicht als Plattform. Ein Add-on-Verkauf bringt typischerweise ein niedrigeres Multiple und den Verlust der Eigenständigkeit; dafür ist er auch für Firmen mit 3 Mio. € Umsatz und mäßigem Wachstum realistisch. Wer wissen will, welcher Fonds in seiner Kategorie gerade eine Plattform bestückt, schaut in die Portfolio-Zuordnung des Investoren-Verzeichnisses — dort ist pro Fonds dokumentiert, was er hält, und in den Wochennews steht, was er zuletzt gekauft hat. Ein Fonds, der gerade eine HR-Software-Plattform in DACH aufbaut, liest ein HR-Add-on-Teaser anders als einer, der im Segment nichts hält.

Dritte Frage: Welchen Eigentümer willst du in fünf Jahren haben?

Fonds haben Laufzeiten, meist zehn Jahre. Ein 2020er-Vintage-Fonds muss seine Beteiligungen um 2028–2030 wieder verkaufen — als Gründer, der 2026 an einen solchen Fonds verkauft, kennt man seinen übernächsten Eigentümer noch nicht, weiß aber sicher, dass es ihn geben wird. Die Alternativen: Dauerhalter (TSS, Volaris), Evergreen-Strukturen wie MaasInvest, oder familiengeführte strategische Käufer. AFAS in den Niederlanden zeigt seit Jahrzehnten, dass auch der Verzicht auf externes Kapital eine Strategie ist — nur eben eine, die langsames, selbstfinanziertes Wachstum voraussetzt.

Das Handwerk: Longlist in einem Nachmittag

Der Rechercheweg, den ich Gründern empfehle, kommt ohne Datenbank-Abo aus: Erst im Investoren-Verzeichnis die Fonds markieren, die bereits in der eigenen Kategorie investiert sind (Portfolio-Überschneidung schlägt jede Regionspräferenz). Dann pro Fonds prüfen, ob das eigene Unternehmen Plattform- oder Add-on-Profil hat. Zuletzt die Wochennews der vergangenen zwölf Monate nach der eigenen Kategorie durchsuchen — wer dort zweimal gekauft hat, hat eine aktive These und antwortet auf kalte Mails erstaunlich schnell. Zehn passende Namen mit Begründung schlagen zweihundert Adressen aus einer gekauften Liste in jeder Hinsicht.

Ein Fazit, das wehtun darf: Wenn nach dieser Übung keine zehn Namen übrig bleiben, liegt das selten an der Liste. Dann fehlt dem Unternehmen entweder die Größe, das Wachstum oder die Kategorie-Klarheit — und daran arbeitet man besser ein Jahr, statt einen Sommer lang Absagen zu sammeln.