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B2B Software Deals KW16/2026: Nemetscheks $2,4-Milliarden-Gambit — Construction Tech als SaaSpocalypse-Gewinner, Thoma Bravo auf beiden Seiten

Von Jochen Maurer

B2B Software Deals KW16/2026: Nemetscheks $2,4-Milliarden-Gambit

KW16 gehört Nemetschek. Der Münchner Construction-Tech-Konzern setzt $2,4 Milliarden auf den Tisch — die größte Akquisition der Firmengeschichte — und kauft HCSS von Thoma Bravo. In einem Markt, in dem Steve Eisman (“Big Short”) gerade öffentlich erklärt, jeder PE-Software-Deal sei unter Wasser, ist das ein Statement: Construction Tech ist kein Opfer der SaaSpocalypse. Construction Tech ist der Gewinner.

Das Besondere: Thoma Bravo steht diese Woche auf beiden Seiten des Tisches. Am Sonntag verkauft der PE-Riese HCSS an Nemetschek. Am Dienstag schließt er eine strategische Partnerschaft mit Google Cloud, um sein $300-Milliarden-Portfolio mit Gemini-AI auszustatten. Verkäufer und AI-Investor in derselben Woche — das ist die Realität von PE im Post-SaaSpocalypse-Markt.

Parallel konsolidiert sich die DACH-CX-Landschaft leise: BSI Software (Schweiz, backed by Bregal Unternehmerkapital) übernimmt den Heidelberger Contact-Center-Spezialisten Sikom. Und Constellation Software greift über Vela nach Derbysoft — der unsichtbaren Infrastruktur hinter jeder Hotelbuchung weltweit.

Insight der Woche: Agent statt Anwender — Warum Software-Interfaces sich fundamental verändern. Was passiert, wenn nicht mehr Menschen, sondern AI-Agents die primären Nutzer von Enterprise-Software werden?


Deal 1: Nemetschek SE acquires HCSS from Thoma Bravo — $2,4 Mrd. für den Infrastruktur-Boom

DetailWert
Ankündigung13. April 2026
Deal-TypStrategische Akquisition (Segment-Beteiligung)
KäuferNemetschek SE (MDAX, München) — ~72% am Build & Construct Segment
VerkäuferThoma Bravo (behält ~28% Minderheit am Segment)
ZielHCSS (Heavy Construction Systems Specialists) — Infrastruktur- und Tiefbau-Software
HauptsitzSugar Land, Texas (bei Houston)
Mitarbeiter550+
Kunden4.000+ Unternehmen
Umsatz~$215 Mio. (2025)
ARR-Wachstum~21%
EBITDA-Marge~40%
Kunden-Churn<2%
Enterprise Value>€2 Mrd. (~$2,4 Mrd.), >20x EBITDA
Netto-Verschuldung+€450 Mio. für Nemetschek
ClosingErwartet H2 2026
Berater (Nemetschek)J.P. Morgan, Latham & Watkins
Berater (Thoma Bravo)Deutsche Bank, Citi, Centerview Partners, Kirkland & Ellis
QuellenNemetschek PR, ENR

Hintergrund

HCSS wurde 1986 in Sugar Land gegründet und ist der De-facto-Standard für Kalkulations- und Betriebssoftware im US-Infrastruktur- und Tiefbau. Das Flaggschiff HeavyBid ist die Kalkulationssoftware, mit der Straßenbauer, Brückenbauer und Pipeline-Unternehmen ihre Angebote erstellen — HCSS-Kunden gewinnen 75% der Ausschreibungen in 50 US-Verkehrsministeriums-Märkten. Dazu kommen HeavyJob (Echtzeit-Job-Costing), Equipment360 (Schwermaschinenverwaltung), HCSS Telematics (GPS-Tracking und Maschinengesundheit) und HCSS Dispatcher (digitale Disposition).

Thoma Bravo kaufte HCSS im September 2021 und hat das Unternehmen in 4,5 Jahren vom On-Premise-Modell zum Cloud/SaaS-Anbieter transformiert: 21% ARR-Wachstum bei 40% EBITDA-Marge und unter 2% Churn. Die Deal-Struktur ist ungewöhnlich: Thoma Bravo bringt HCSS in Nemetscheks Build & Construct Segment ein und erhält dafür eine ~28% Minderheitsbeteiligung am gesamten Segment — inklusive Bluebeam, GoCanvas und Nevaris. Das ist kein Clean Exit, sondern ein Signal, dass Thoma Bravo an weiteres Upside glaubt.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Nemetschek war bisher stark im Hochbau (Building Information Modeling, Architektur, Konstruktion), aber schwach im Infrastruktur-/Tiefbau. HCSS schließt diese Lücke und erweitert den TAM des Build & Construct Segments auf geschätzt $12 Mrd. bis 2028. Das Segment vereint jetzt:

MarkeFokus
BluebeamPDF-Markup und Kollaboration für Bauprojekte
GoCanvasDigitalisierung papierbasierter Feldprozesse
NevarisBau-ERP, Kalkulation, AVA (DACH-Fokus)
dTwinDigital-Twin-basierte Lifecycle-Insights
HCSS (neu)Infrastruktur/Tiefbau: Kalkulation, Betrieb, Flotte

Der strategische Wert: Ein integriertes Angebot von der Architektur (Graphisoft, Vectorworks) über die Konstruktion (Bluebeam) bis zum Tiefbau (HCSS) — das hat kein Wettbewerber in dieser Tiefe. Procore, Oracle und Trimble decken Teile ab, aber keiner bietet die vertikale Tiefe im Heavy-Civil-Segment, die HCSS mitbringt.

Tech-Stack & Integration:

Application & Architecture

  • HCSS wurde unter Thoma Bravo zum Cloud/SaaS-Modell transformiert, aber der Kern (HeavyBid, HeavyJob) hat On-Prem-Wurzeln. Die Frage: Wie schnell lässt sich das mit Nemetscheks Cloud-Strategie harmonisieren?
  • Die Produktpalette ist breit: Kalkulation, Job-Costing, Fuhrpark, Telematics, Disposition, Zeiterfassung — das sind mindestens 8 eigenständige Produkte, die integriert werden müssen
  • Bluebeam (PDF/Collaboration) und HCSS (Kalkulation/Betrieb) sind komplementär, nicht überlappend — die Integrations-Komplexität ist geringer als bei einem Merger mit Produktüberschneidung

Data & Integration

  • HCSS-Kunden generieren massive Betriebsdaten: Maschinentelemetrie, Kraftstoffverbrauch, GPS-Positionen, Produktionsdaten. Kombiniert mit Nemetscheks BIM-Daten entsteht ein einzigartiger Datensatz für Predictive Analytics
  • API-Integrationen mit Buchhaltungssystemen, ERP und Payroll sind bereits vorhanden — die Frage ist, ob Nemetschek ein einheitliches API-Layer über alle Segment-Produkte bauen kann

AI-Strategie & Exit-Impact:

AI-Reife: Tier 2-3 — HCSS hat Analytics (HCSS Insights auf Power BI) und Telematics-Daten, aber keine öffentlich sichtbare proprietäre ML-Pipeline. Das Potenzial liegt in Predictive Estimating (Kalkulationsvorhersagen basierend auf historischen Projektdaten), Equipment-Predictive-Maintenance (Telematics-Daten für Ausfallvorhersagen) und AI-gestützter Disposition.

SaaSpocalypse-Test: Extrem resilient. Kein AI-Agent kalkuliert eine Autobahnbrücke. HCSS-Software ist physisch verankert — an Maschinen, Baustellen, Betonmischern. Die “Atom-Schutzschicht” aus Death by Clawd greift hier perfekt. <2% Kunden-Churn bestätigt: Das ist Software, die man nicht kündigt, weil sie den operativen Kern des Bauunternehmens steuert.

Meine Perspektive 🎯

“Home Turf” — Construction Tech, Enterprise Software, und ganz persönlich: Nemetschek.

Ich war von 1993 bis 2000 bei Nemetschek. In dieser Zeit ging das Unternehmen an die Börse, und ich durfte direkt an Prof. Georg Nemetschek reporten — einen der großen deutschen Software-Unternehmer, der aus einem Münchner Ingenieurbüro einen börsennotierten Technologiekonzern gebaut hat. Was ich damals erlebt habe, prägt bis heute mein Verständnis von Unternehmertum in der Bausoftware.

  1. $2,4 Mrd. sind ein Statement. Nemetschek hat sich historisch durch kleinere, gezielte Akquisitionen (Bluebeam, Graphisoft, Vectorworks) in Nischen positioniert. HCSS ist eine andere Größenordnung: mehr als die letzten 10 Akquisitionen zusammen. CEO Yves Padrines setzt alles auf eine Karte — und die Karte heißt US-Infrastruktur. Mit dem Infrastructure Investment and Jobs Act ($1,2 Billionen) und dem alternden Straßen- und Brückennetz ist die Thesis klar.

  2. Die Deal-Struktur ist clever — und ungewöhnlich. Thoma Bravo behält 28% am gesamten Build & Construct Segment, nicht nur an HCSS. Das heißt: TB wettet auch auf Bluebeam, GoCanvas und Nevaris. In einer Zeit, in der Eisman sagt “every PE software deal is underwater”, ist das ein Gegen-Signal. TB glaubt an Construction Tech als Kategorie.

  3. Die Integrations-Challenge wird unterschätzt. Nemetschek hat jetzt 5 eigenständige Marken im Build-Segment, jede mit eigenem Tech-Stack, eigenen Kunden, eigenem Go-to-Market. Die History bei Nemetschek zeigt: Die Multi-Brand-Strategie ist Stärke und Schwäche zugleich. Die Brands operieren unabhängig — gut für Kundennähe, schlecht für Plattform-Synergien. Bei meinen Tech Due Diligences sehe ich genau dieses Pattern bei Buy-and-Build-Portfolios: Ab 4-5 Produkten wird die Plattform-Frage existenziell.

  4. Der Markt ist skeptisch. Die Nemetschek-Aktie fiel am Tag nach der Ankündigung um 3,6%. Jefferies nennt den Deal strategisch sinnvoll, aber bewertungsbelastend. Berenberg ist positiver. Die Wahrheit liegt dazwischen: Kurzfristig belastet die €450 Mio. Netto-Verschuldung, langfristig ist die TAM-Erweiterung auf $12 Mrd. das richtige Spiel — wenn die Integration gelingt.


Deal 2: BSI Software acquires Sikom Software — DACH-CX-Champion baut Contact Center ein

DetailWert
Ankündigung16. April 2026
Deal-TypStrategische Akquisition
KäuferBSI Business Systems Integration AG (Baden, Schweiz), backed by Bregal Unternehmerkapital
ZielSikom Software GmbH — Omnichannel Contact Center für regulierte Branchen
HauptsitzHeidelberg + Entwicklungscampus Zwickau
GegründetSikom 1998 (Familienunternehmen, 2. Generation)
MitarbeiterBSI: 600+ / Sikom: ~50-60
BSI-Umsatz~100 Mio. CHF (2023, zweistelliges Wachstum)
BSI-KundenADAC, Hornbach, Techem, PostFinance, Raiffeisen, Signal Iduna
Sikom-KundenNRW.BANK, AOK, BGV, KKH, Volkswagen, Deutsches Auswärtiges Amt
QuellenReporterBox

Hintergrund

BSI wurde 1996 in Baden (Schweiz) gegründet und hat sich zum DACH-Marktführer für KI-gestütztes CRM in regulierten Branchen entwickelt: Versicherungen, Banken, Retail, Energie. Die BSI Customer Suite ist eine modulare CX-Plattform für Marketing-Automation, Vertrieb und Service — inklusive BSI Companion, einem KI-Assistenten mit Agentic-AI-Fähigkeiten. Seit Juli 2024 ist Bregal Unternehmerkapital Mehrheitseigner (zuvor Capvis seit 2020).

Sikom ist ein Familienunternehmen in zweiter Generation, gegründet 1998 in Heidelberg. Das Kernprodukt AgentOne ist eine Omnichannel-Contact-Center-Plattform mit ACD, IVR, Voice Bots und Conversational AI — spezialisiert auf regulierte Branchen. ISO 27001-zertifiziert, Microsoft-Teams-integriert, “Made in Germany” mit voller Datensouveränität. Die Kundenliste liest sich wie ein Who’s-Who der deutschen Behörden und Versicherungen.

BSI und Sikom hatten bereits am 24. Februar 2026 auf der CCW in Berlin eine strategische Partnerschaft angekündigt. Die Übernahme ist die logische Vertiefung — vom Partner zum Teil der Familie.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: BSI hatte bisher keine eigene Telefonie/Voice-Lösung in der Customer Suite. Sikom’s AgentOne schließt diese Lücke: Intelligentes Call-Routing, automatisierte Anfrageklassifizierung, Voice Bots — alles nativ integriert in BSIs CRM-Plattform. Das eliminiert Medienbrüche zwischen CRM und Contact Center, die in vielen Enterprise-Installationen die Kundenerfahrung torpedieren. Sikom bleibt als eigenständige Marke bestehen und offen für Integration in andere CRM-Landschaften — kein Lock-in, sondern Best-of-Breed-Erweiterung.

Tech-Stack & Integration:

Application & Architecture

  • AgentOne (Contact Center) + BSI Customer Suite (CRM) sind technisch komplementär — Voice/Telefonie trifft Kundendaten und Prozessautomation
  • Sikom’s Cloud-Variante (AgentOne Cloud, CCaaS seit 2022) passt zu BSIs Cloud-first-Strategie
  • Herausforderung: Zwei Produktlinien zusammenführen, ohne bestehende Sikom-Kunden zu verunsichern, die AgentOne standalone nutzen

Security & Compliance

  • Beide Unternehmen adressieren regulierte Branchen — die Compliance-DNA stimmt überein
  • ISO 27001 bei Sikom, DSGVO-Fokus bei BSI → keine Compliance-Lücke zu schließen
  • “Made in Germany/Switzerland” als gemeinsames Verkaufsargument für DACH-Unternehmen mit Datensouveränitäts-Anforderungen

AI-Strategie & Exit-Impact:

AI-Reife: Tier 2 — BSI hat mit BSI Companion einen Production-AI-Assistenten mit Agentic-AI-Fähigkeiten. Sikom bringt Voice Bots und Conversational AI. Die Kombination ermöglicht: intelligentes Routing basierend auf CRM-Kundendaten, automatisierte Gesprächszusammenfassungen, Sentiment-Analyse in Echtzeit, und KI-gestützte Next-Best-Action während des Kundengesprächs.

SaaSpocalypse-Test: Resilient. Contact Center in regulierten Branchen (Krankenkassen, Behörden, Banken) sind regulatorisch verankert. Die NRW.BANK kündigt nicht ihr Contact-Center-System, weil ein AI-Agent Anrufe bearbeiten könnte. Im Gegenteil: Die Regulierung erfordert menschliche Ansprechbarkeit.

Meine Perspektive 🎯

“Home Turf” — Enterprise CRM, CX-Plattformen, Post-Merger-Integration.

  1. Bregal Unternehmerkapital macht das Richtige. Seit Juli 2024 Mehrheitseigner, und die erste sichtbare Maßnahme ist eine saubere Add-on-Akquisition, die eine echte Produktlücke schließt. Kein Vanity-Deal, kein Revenue-Multiple-Spiel — ein Contact Center für ein CRM, das bisher keines hatte. So sieht gutes PE-Handwerk aus.

  2. Das “Familienunternehmen in zweiter Generation”-Element. Sikom ist 26 Jahre alt, familiengeführt, 50-60 Mitarbeiter. Das ist genau die Art von Hidden Champion, die im DACH-Mittelstand massenhaft existiert — und die jetzt konsolidiert wird. Die Gründer-Generation gibt ab, die nächste sucht einen strategischen Hafen. BSI bietet das: größere Plattform, PE-Kapital, aber eigenständige Marke.

  3. BSI gegen Salesforce, SAP CX, HubSpot — im DACH-Mittelstand hat BSI einen Vorteil, den die US-Platzhirsche nicht haben: Branchenspezifische Tiefe in Versicherung, Banking, Gesundheitswesen, kombiniert mit deutscher/Schweizer Datensouveränität. Sikom verstärkt genau dieses Differenzierungsmerkmal.


Deal 3: Thoma Bravo + Google Cloud — PE meets AI at Portfolio Scale

DetailWert
Ankündigung15. April 2026
Deal-TypStrategische Mehrjahres-Partnerschaft
PartnerThoma Bravo ($183 Mrd. AUM) + Google Cloud
Portfolio-Volumen580+ Software-Unternehmen, ~$305 Mrd. aggregierter Wert
Cybersecurity-Portfolio~$8 Mrd. Revenue (Proofpoint, SailPoint, Darktrace, Sophos, Ping Identity, Imprivata, Exabeam)
Google liefertGemini-Modelle, Forward Deployed Engineers, Cloud Marketplace Co-Sell
QuellenThoma Bravo PR

Hintergrund

Thoma Bravo — mit $183 Mrd. AUM die weltgrößte Software-fokussierte Investmentfirma — schließt eine Mehrjahres-Partnerschaft mit Google Cloud. Das Ergebnis: Alle Portfolio-Unternehmen bekommen vereinfachten Zugang zu Googles Gemini-Modellen und der Gemini Enterprise Platform für Agentic AI. Dazu kommen Forward Deployed Engineers — Google-Ingenieure, die direkt in den Portfolio-Unternehmen eingesetzt werden — und Co-Sell-Programme über den Google Cloud Marketplace.

Der Fokus liegt auf dem Cybersecurity-Portfolio: Proofpoint (E-Mail-Security), SailPoint (Identity Governance), Darktrace (KI-basierte Cyberabwehr), Sophos (Endpoint Security), Ping Identity (IAM), Imprivata (Digital Identity im Healthcare) und Exabeam (SIEM). Zusammen $8 Mrd. Revenue — und alle brauchen AI-Features, die über den LLM-Wrapper hinausgehen.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Das ist kein klassischer M&A-Deal, aber ein Signal-Deal für die gesamte PE-Branche. Statt dass jedes Portfolio-Unternehmen einzeln AI-Partnerschaften verhandelt, handelt der PE-Investor eine Portfolio-weite Vereinbarung aus — mit besseren Konditionen, schnellerem Zugang und Forward Deployed Engineers, die normalen Cloud-Kunden nicht zur Verfügung stehen.

Orlando Bravo formuliert es klar: “This partnership will allow our portfolio companies to rapidly implement leading AI technology.” Die Betonung liegt auf “rapidly” — Geschwindigkeit der AI-Implementierung wird zum Wettbewerbsvorteil, nicht nur die AI-Technologie selbst.

Was das für PE-backed Software bedeutet:

  1. Plattform-Ansatz schlägt Einzellösung. Wenn ein PE-Investor mit $183 Mrd. AUM eine Portfolio-weite AI-Partnerschaft schließt, haben seine 580+ Unternehmen einen strukturellen Vorteil gegenüber kleineren PE-Portfolios
  2. Agentic AI als Priorität. Die explizite Nennung der Gemini Enterprise Platform für Agentic AI zeigt: Thoma Bravo setzt auf autonome Agenten, nicht nur auf Copilot-Assistenten
  3. Cybersecurity + AI. $8 Mrd. Cybersecurity-Revenue trifft Google’s AI-Plattform — das Ziel: AI-spezifische Bedrohungen (Prompt Injection, Identity-Angriffe auf AI-Systeme) proaktiv adressieren

Meine Perspektive 🎯

“Home Turf” — AI-Strategie für PE-backed Software, Tech Due Diligence.

  1. Das ist die Industrialisierung von AI für PE-Portfolios. Bisher war AI-Transformation in PE-backed Unternehmen ein Einzelkampf: Jede Firma heuert eigene ML-Engineers, verhandelt eigene Cloud-Deals, macht eigene Fehler. Thoma Bravo zentralisiert das — und setzt damit den Standard, den andere PE-Firmen nachmachen müssen.

  2. Forward Deployed Engineers sind das Killer-Feature. Google-Ingenieure, die direkt in SailPoint oder Darktrace sitzen und AI-Features bauen? Das ist ein Beschleuniger, der den Unterschied zwischen Tier 2 und Tier 1 im AI-Reifegrad machen kann. In meinen Tech Due Diligences ist “haben sie ein AI-Team?” oft die entscheidende Frage — diese Partnerschaft macht ein dediziertes AI-Team für 580+ Unternehmen verfügbar.

  3. Die Frage, die Eisman aufwirft. Steve Eisman sagt “every PE software deal is underwater.” Thoma Bravo antwortet mit einer Milliarden-Partnerschaft, die AI-Wert in das gesamte Portfolio injiziert. Wenn die Bewertung unter Wasser ist, weil AI-Features fehlen — dann ist eine Portfolio-weite AI-Offensive die logische Antwort. Ob es reicht, wird sich zeigen.


Deal 4: Constellation Software/Vela acquires Derbysoft — Die unsichtbare Infrastruktur der Hotelbuchung

DetailWert
Ankündigung15. April 2026
Deal-TypAkquisition (Mehrheitsbeteiligung)
KäuferJuniper Group (Operating Group von Vela Software / Constellation Software, TSX: CSU)
ZielDerbysoft Holdings Limited — Hotel-Distribution & Connectivity
HauptsitzDallas, Texas + Shanghai, China
Gegründet2002
Mitarbeiter400+
Umsatz~$49 Mio. (geschätzt)
Partner750+ (200+ Distributionspartner, 60+ Supply-Side-Partner)
KundenAlle Top-10-Hotelketten weltweit (Marriott, Hilton, IHG u.a.)
Berater (Derbysoft)Cantor Fitzgerald (Financial), Ekberg, Fagre & Seem (Legal)
QuellenGlobeNewsWire

Hintergrund

Wenn Sie auf Booking.com nach einem Hilton-Zimmer suchen und live Preise sehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Derbysoft die Technologie dahinter betreibt. Das 2002 von Ted Zhang und Feng Ou gegründete Unternehmen ist der “Hotel Switch” — die unsichtbare Connectivity-Schicht, die Verfügbarkeit, Raten und Inventar (ARI) von Hotel-Reservierungssystemen zu 500+ Online-Buchungskanälen transportiert und Reservierungen zurückliefert. Alle Top-10-Hotelketten weltweit nutzen Derbysoft.

Das Unternehmen hat mit nur $15,5 Mio. Venture Capital (letzte Runde 2014) eine global dominierende Position aufgebaut — 400+ Mitarbeiter in 20 Ländern, Büros in Dallas, Shanghai, Peking, New York, London und Tokyo. Ein besonderer Vorteil: Derbysoft ist der Spezialist für die Anbindung westlicher Hotelketten an chinesische OTAs (Ctrip/Trip.com) — eine Capability, die kaum ein Wettbewerber bietet.

Juniper Group (innerhalb von Vela/Constellation) hat systematisch ein Travel-Tech-Portfolio aufgebaut: Peakwork AG (Dynamic Packaging, Nov 2024), Lleego (Flug-Management, Aug 2024), IST Cruise Technology, Alturos AG. Derbysoft ist das bisher größte und strategisch bedeutsamste Puzzlestück.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Constellation kauft Mission-Critical-Software mit extremen Switching Costs — und Derbysoft ist das Lehrbuch-Beispiel. Welche Hotelkette riskiert die Unterbrechung von Milliarden Dollar Buchungsvolumen, um ihren Connectivity-Provider zu wechseln? Die Management-Retention-Struktur (Key Executives behalten Minderheit) ist typisch für Constellation: Gründer bleiben, Autonomie bleibt, Constellation liefert Capital Allocation Discipline.

Tech-Stack & Integration:

Infrastructure & Platform

  • Derbysoft betreibt eine global verteilte, Cloud-basierte Architektur für Echtzeit-Datenübertragung zwischen Hotels und OTAs — Latenz und Uptime sind geschäftskritisch
  • Die Kombination mit Peakwork (Dynamic Packaging) und Lleego (Flüge) ermöglicht perspektivisch eine integrierte Travel-Tech-Plattform: Flüge + Hotels + Pauschalreisen über eine Connectivity-Schicht

AI-Strategie

  • AI-Reife: Tier 2-3 — Derbysoft hat AI-Powered Marketing (Metasearch-Optimierung, PPC-Auto-Recommendation) und einen AI-enabled Content-Plattform. Genuine ML für Pricing-Optimierung und Demand Forecasting ist das offensichtliche Potenzial mit dem Datenschatz aus Milliarden von ARI-Transaktionen

SaaSpocalypse-Test: Extrem resilient. Derbysoft ist Infrastruktur, nicht Anwendungssoftware. Kein AI-Agent ersetzt die technische Connectivity-Schicht zwischen Hotel-CRS und Booking.com. Das ist Plumbing — und Plumbing überlebt jede Disruption.

Meine Perspektive 🎯

“Neues Terrain” — Hotel-Distribution und Travel Tech sind für mich Neuland, aber die Parallelen zu meiner Welt sind klar.

  1. Das ist der Inbegriff einer Constellation-Akquisition. 24 Jahre alt, profitabel, $15 Mio. VC in der ganzen Geschichte, Mission-Critical für die weltgrößten Hotelketten, <2% Churn (geschätzt) — wenn Sie in einer Due Diligence eine Software-Firma finden, die mit so wenig Kapital eine so dominante Position aufgebaut hat, greifen Sie zu.

  2. Die China-Brücke ist ein strategischer Moat. In einer Welt zunehmender Decoupling ist ein Unternehmen, das nahtlos westliche Hotels mit chinesischen OTAs verbindet, einzigartig positioniert. Weder Oracle Hospitality noch Sabre haben diese Tiefe im chinesischen Markt.

  3. Constellation’s Vela-Offensive im Travel Tech. Peakwork (DE), Lleego, IST Cruise, Alturos, jetzt Derbysoft — das ist ein systematischer Aufbau einer Travel-Tech-Plattform. Das Muster kennen wir aus KW15 mit Volaris/zetVisions: Constellation kauft leise, ohne Schlagzeilen, ohne Exit-Druck. Aber die Summe der Teile wird immer sichtbarer.


Markt-Watch: Eisman’s Verdict, SaaSpocalypse-Rebound, und EQT sucht außerhalb Software

Steve Eisman: “Every PE Software Deal is Underwater”

Die wohl meistzitierte Aussage der Woche kommt von Steve Eisman — der Mann, dessen “Big Short” gegen den US-Häusermarkt 2008 Geschichte schrieb. Seine Einschätzung im April 2026: “Every private equity software deal is underwater, and probably by a lot.”

Das ist keine Randnotiz. Wenn der bekannteste Contrarian-Investor der Welt PE-Software pauschal für unter Wasser erklärt, hat das Signalwirkung. Und die Datenpunkte stützen ihn: Die SaaSpocalypse hat Software-Multiples von 39x auf 21x komprimiert, Ping An versucht $1 Mrd. in Software-PE-Fonds-Anteilen (Vista Equity, KKR) auf dem Sekundärmarkt loszuwerden, und selbst Hg Capital bekommt den Visma-IPO nicht an den Markt.

Aber: Thoma Bravos Antwort kam 48 Stunden später — die Google Cloud-Partnerschaft ist ein Versuch, AI-Wert in das gesamte Portfolio zu injizieren. Und der Software-ETF (IGV) legte ab dem 13. April um 6% in 48 Stunden zu, getrieben von Oracles $553 Mrd. RPO-Backlog und ServiceNows neuem “Agentic ACV”-Pricing. Der Rebound hat begonnen — die Frage ist, ob er hält.

EQT-Gebot für Intertek abgelehnt — £7,93 Milliarden

EQT hat ein Übernahmeangebot für die britische Intertek Group (Testing, Inspection, Certification) über £7,93 Mrd. vorgelegt — und wurde abgelehnt, als zu niedrig bewertet. Das ist bemerkenswert aus zwei Gründen: Erstens sucht EQT offensichtlich außerhalb des klassischen Software-Universums nach Deals. Zweitens: Während der thinkproject-Exit on hold ist und die SUSE-Sondierung in frühem Stadium steckt, ist EQT auf der Käuferseite aktiv — aber nicht in Software.

Rocket Lab / Mynaric — FDI-Prüfung bestanden

Rocket Lab hat die Übernahme von Mynaric AG (München, Laser-Kommunikation für Space/Defense) für $155 Mio. am 14. April abgeschlossen. Die deutsche FDI-Prüfung wurde am 30. März bestanden. Zum Vergleich: Die PSI Software-Übernahme durch Warburg Pincus (~€700 Mio.) steckt seit Januar in der Investitionsprüfung. Zwei ausländische Übernahmen deutscher Tech-Unternehmen, zwei sehr unterschiedliche Verläufe — bei Mynaric (Space/Defense) ging es schneller als bei PSI (Energienetze). Die Sensibilität für kritische Infrastruktur-Software bleibt hoch.


Laufende Prozesse

UnternehmenKäufer/VerkäuferStatusGeschätzte Bewertung
thinkprojectEQT (Verkäufer)On Hold~€1,5 Mrd.
SUSEEQT (Verkäufer)Frühe Sondierung~$6 Mrd.
PSI SoftwareWarburg Pincus (Käufer)83,24% gesichert, Delisting geplant~€700 Mio.
Clearwater AnalyticsPermira, Warburg Pincus, Francisco PartnersShareholder Vote 6. Mai$8,4 Mrd.
Blackline SafetyFrancisco PartnersPending, Closing Q2~CAD $850 Mio.

Fazit: Construction Tech ist der Anti-Eisman-Trade

DealSignal
Nemetschek/HCSS$2,4 Mrd. für physisch verankerte Bausoftware — Nemetscheks größte Wette ever
BSI/SikomDACH-CX-Konsolidierung: CRM trifft Contact Center, PE-backed by Bregal
Thoma Bravo/Google CloudPortfolio-weite AI-Offensive als Antwort auf komprimierte Multiples
Constellation/DerbysoftTravel-Tech-Infrastruktur: unsichtbar, mission-critical, un-disruptbar

Steve Eisman sagt, jeder PE-Software-Deal sei unter Wasser. Er hat wahrscheinlich recht — für einen Teil des Marktes. Aber KW16 zeigt die Gegenthese: Software, die an physische Infrastruktur gebunden ist, folgt anderen Regeln. Nemetschek zahlt $2,4 Mrd. für Bau-Software, die Autobahnbrücken kalkuliert. Derbysoft betreibt die Plumbing hinter jeder Hotelbuchung. Sikom steuert Contact Center in Krankenkassen.

Das sind keine AI-Disruptions-Kandidaten — das sind AI-Nutznießer. Und genau das ist die Logik hinter Thoma Bravos Google-Cloud-Deal: Nicht Software gegen AI verteidigen, sondern Software mit AI aufladen. Die Frage für 2026 ist nicht “wird AI Software ersetzen?”, sondern “welche Software bekommt AI-Features schnell genug, um den nächsten Exit-Zyklus zu überleben?”

Nächste Woche im Blick: Der Clearwater-Analytics-Shareholder-Vote am 6. Mai nähert sich — $8,4 Mrd. Take-Private durch Permira und Warburg Pincus. Und EQT sucht offensichtlich nach Deals — nur nicht in Software.


Quellen