The Playbook

B2B Software Deals KW15/2026: Die stillen Jäger — Permanent Capital kauft DACH-Software, HR unter Konsolidierungsdruck

Von Jochen Maurer

B2B Software Deals KW15/2026: Die stillen Jäger

KW15 gehört den stillen Jägern. Keine $6-Milliarden-Headlines wie letzte Woche bei Hg Capital — stattdessen das Muster, das langfristig mehr bewegt: Permanent-Capital-Vehikel wie Volaris Group (Constellation Software) kaufen deutsche Software-Firmen, ohne Exit-Druck, ohne Fundraising-Zyklus, ohne Zeitlimit.

Parallel konsolidiert sich die DACH HR-Software-Landschaft in zwei Deals gleichzeitig: aconso (Keensight-backed) kauft den SAP-HCM-Spezialisten Centric Germany, comvaHRo expandiert mit seiner ersten Akquisition nach Österreich. Beide Deals zeigen: Im HR-Software-Mittelstand wird es enger.

Und dann ist da noch Francisco Partners, die Blackline Safety für $850 Mio. von der Börse nehmen — Connected Safety IoT trifft PE-Kapital. Physische Infrastruktur-Software, die kein Claude Skill ersetzen kann.

Insight der Woche: Tech Due Diligence 2.0 — Warum PE-Investoren jetzt AI-Readiness prüfen müssen. Fünf neue DD-Dimensionen, von AI Debt bis Agent Security, mit Beispielen aus den Deals dieser Woche.


Deal 1: Volaris Group (Constellation Software) acquires zetVisions GmbH — Permanent Capital trifft SAP-Erbe

DetailWert
Ankündigung30. März 2026
Deal-TypAkquisition (Permanent Capital, kein Exit geplant)
KäuferVolaris Group (Tochter von Constellation Software, TSX: CSU)
VerkäuferAGUTH Holding / Euripides GmbH (Tschira-Familie, SAP-Mitgründer)
ZielzetVisions GmbH — Legal Entity Management & Master Data Management
HauptsitzHeidelberg
Mitarbeiter~75-85
Kunden200+ europäische Unternehmen (Volkswagen, Mercedes-Benz, Siemens, E.ON, Lufthansa)
Umsatz~€14-15 Mio. (geschätzt)
QuellenGlobeNewsWire

Hintergrund

zetVisions wurde 2001 in Heidelberg gegründet und hat sich auf zwei Nischen spezialisiert: Beteiligungsmanagement (Legal Entity Management) und Stammdatenmanagement (Master Data Management). Die Kunden lesen sich wie ein Who’s-Who der deutschen Industrie: Volkswagen managt über 4.000 Beteiligungen mit zetVisions CIM, Mercedes-Benz, Merck, Siemens und E.ON nutzen die Plattform.

Das Besondere an diesem Deal: zetVisions gehörte der Familie von Dr. Klaus Tschira, einem der fünf SAP-Mitgründer. Über die Holdinggesellschaften AGUTH und Euripides hielt die Tschira-Familie das Unternehmen seit über 15 Jahren als privates Investment. Jetzt geht es an Volaris — und damit in ein Modell, das dem Familienbesitz paradoxerweise ähnlicher ist als ein klassischer PE-Deal: Constellation kauft und hält. Für immer.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: zetVisions besetzt eine Nische, die auf den ersten Blick unsexy klingt, aber extrem sticky ist. Welcher DAX-Konzern wechselt seine Beteiligungsverwaltung? Die Plattform ist regulatorisch verankert (HGB, IFRS, Konzernabschluss), tief in SAP integriert (CIM läuft als SAP-Add-on auf S/4HANA und BTP) und hat über 1.000 vorkonfigurierte Rechtsformen für länderspezifische Compliance. Das ist die Art von Software, die man nicht kündigt.

Tech-Stack & Integration:

Application & Architecture

  • Drei-Produkt-Strategie: CIM (SAP-integriert, On-Prem/Private Cloud), AMI (standalone, SaaS), Insighter (Cloud-nativ auf Microsoft Azure). Die Frage für Volaris: Konsolidiert man auf eine Plattform oder lässt man alle drei Produkte leben?
  • CIM auf SAP NetWeaver/BTP mit UI5-Frontend — solide Enterprise-Architektur, aber an SAP gebunden
  • Insighter wurde in einem Jahr komplett neu auf Azure gebaut — das zeigt Modernisierungswillen, aber auch zwei parallele Tech-Stacks
  • SPoT (Stammdaten) auf SAP HANA — SAP-zertifiziert, aber ein komplett anderes Produkt als CIM

Data & Integration

  • Tiefe SAP-Integration ist gleichzeitig Stärke und Risiko: CIM-Kunden sind SAP-locked, Insighter-Kunden explizit SAP-frei. Zwei verschiedene Kundensegmente, zwei verschiedene Migrationspfade
  • KPMG und msg Systems als Implementierungspartner — typisch für Enterprise-Software in dieser Größe

AI-Strategie & Exit-Impact:

AI-Reife: Tier 4 (No visible AI) — zetVisions hat keine öffentlich bekannten AI-Features. Das Management signalisiert AI als Zukunftsthema: “Wir sehen großes Potenzial im Volaris-Ökosystem, unsere Lösungen in Richtung AI weiterzuentwickeln.” Das ist eine Absichtserklärung, kein Produkt.

SaaSpocalypse-Test: Sehr resilient. Beteiligungsmanagement für DAX-Konzerne ist der Inbegriff von regulatorisch verankerter Software. Kein AI-Agent wird Volkswagens 4.000-Beteiligungen-Struktur in einem Prompt konsolidieren. Die Complexity-Moat aus Death by Clawd greift hier perfekt.

Meine Perspektive 🎯

“Home Turf” — SAP-Ökosystem, Enterprise-Software, Master Data Management — das sind Themen, die mir aus Dutzenden Tech Due Diligences vertraut sind.

  1. Die Tschira-Story ist die eigentliche Headline. Ein SAP-Mitgründer-Erbe wird an ein Constellation-Vehikel verkauft. Das ist kein Notverkauf — die Tschira-Familie hätte ewig halten können. Dass sie an Volaris verkauft, ist ein Vertrauenssignal: Constellation’s “buy and hold forever”-Modell ist das Nächste an Familienbesitz, was es in der PE-Welt gibt.

  2. Volaris’ DACH-Offensive wird sichtbar. Mit zetVisions ist das mindestens die 7. bekannte DACH-Akquisition (Systemtechnik, ASC Automotive, Across Systems, NOVENTIcare, Zeit AG, plus nicht-öffentliche 2025-Deals). Constellation baut systematisch ein DACH-Software-Portfolio auf — leise, ohne die Schlagzeilen, die Hg oder Main Capital produzieren.

  3. Die AI-Lücke ist das größte Risiko — aber auch die größte Chance. zetVisions ist Tier 4 bei AI. In der aktuellen Bewertungslogik wäre das ein 25%-Abschlag. Aber Constellation denkt nicht in Exit-Multiples — sie denken in ewigem Free Cash Flow. Die Frage ist: Kann Volaris’ Ökosystem die AI-Transformation liefern, die ein 75-Personen-Team allein nicht stemmen kann?

  4. Constellation vs. PE: Der fundamentale Unterschied. Hg hat letzte Woche zetVisions’ regulatorischen Nachbarn stp.one an Septeo verkauft — nach klassischem PE-Playbook (kaufen, aufbauen, verkaufen). Volaris kauft zetVisions und behält es. In einem Markt mit komprimierten Multiples ist das ein Vorteil: Kein Verkaufsdruck, kein IRR-Ziel, nur langfristiger Wertaufbau.


Deal 2: aconso AG (Keensight Capital) acquires Centric Germany — SAP-HR-Expertise trifft Cloud-DMS

DetailWert
Ankündigung2. April 2026
Deal-TypAdd-on-Akquisition (PE-backed)
Käuferaconso AG (München), backed by Keensight Capital
ZielCentric Germany — SAP HCM & SuccessFactors-Spezialist
StandorteEssen, Hamburg
Mitarbeiter60+ (Centric) + 100+ (aconso) = 160+ kombiniert
Kunden850+ (Centric) + 600+ (aconso) = 1.450+ kombiniert
BeraterDrake Star Partners (Sell-Side)
QuellenKeensight Capital

Hintergrund

aconso ist der Erfinder der digitalen Personalakte und Markt-/Innovationsführer im Bereich cloud-basiertes HR-Dokumentenmanagement. 2001 von Ulrich Jaenicke in München gegründet, verwaltet die Plattform heute 1 Milliarde HR-Dokumente jährlich für über 6 Millionen Mitarbeiter. Kunden: Lufthansa, Siemens, Porsche, GRENKE.

Centric Germany (Essen/Hamburg) ist seit über 10 Jahren der SAP-HCM- und SuccessFactors-Spezialist — Erweiterungen, Audit-Tools, Payroll-Compliance, Stammdaten-Verifizierung auf der SAP Business Technology Platform. Von SAP als “Spotlight+ Apps”-Partner anerkannt. Die 850+ Kunden bringen aconso tief ins SAP-Ökosystem.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: aconso war bisher vendor-agnostisch — Integration mit SAP, Workday, ServiceNow. Mit Centric Germany wird die SAP-Tiefe zum echten Differenzierungsmerkmal. Das ist smart: In der DACH Enterprise-Welt ist SAP die Lingua Franca, und HR-Dokumentenmanagement direkt auf der SAP BTP zu liefern eliminiert den Middleware-Layer.

Tech-Stack & Integration:

Application & Architecture

  • aconso bringt die Cloud-Plattform und AI-Features (automatische Dokumentenklassifizierung, OCR-Volltextsuche)
  • Centric bringt SAP-native Extensions auf BTP — die Integration ist technisch komplementär, nicht überlappend
  • Herausforderung: Zwei verschiedene Produktlinien zusammenführen, ohne die jeweiligen Kundenbasen zu verunsichern

Security & Compliance

  • HR-Dokumentenmanagement ist DSGVO-Kerngebiet: Aufbewahrungsfristen, Löschpflichten, Zugriffskontrollen
  • Centric’s Audit-Tools adressieren genau das — Compliance-Checks auf SAP-Stammdaten und Payroll

AI-Strategie & Exit-Impact:

AI-Reife: Tier 2-3 — aconso hat Production-AI-Features (automatische Dokumentenklassifizierung, OCR), aber es ist augmented analytics, keine genuine ML-Pipeline. Die Kombination mit Centrics SAP-Daten könnte AI-Use-Cases beschleunigen: automatisches Compliance-Monitoring, predictive HR-Analytics auf dem kombinierten Datensatz.

SaaSpocalypse-Test: Resilient. HR-Dokumentenmanagement ist regulatorisch getrieben (Aufbewahrungspflichten, Betriebsratsanforderungen, DSGVO). Das ist kein “nice to have”-Feature, das ein AI-Agent obsolet macht.

Meine Perspektive 🎯

“Home Turf” — SAP-Ökosystem, HR-Software, Post-Merger-Integration.

  1. Keensight Capital spielt leise, aber effektiv. Der französische Growth-PE (€8 Mrd.+ AUM) hat mit aconso, Quanos und Onventis mindestens drei starke DACH-Software-Investments. Das ist nicht die Lautstärke von Hg oder Main Capital — aber die Deallogik ist sauber.

  2. 1.450+ Kunden, 1 Milliarde Dokumente — das ist die Art von Datenbasis, auf der man echte AI-Features bauen kann. Nicht LLM-Wrapper, sondern domänenspezifische Klassifizierung, Anomalie-Erkennung in Payroll-Daten, automatisierte Compliance-Prüfung.

  3. Drake Star als Advisor ist ein gutes Zeichen. Die kennen den DACH HR-Tech-Markt und haben hier sauber gematcht: vendor-agnostische Cloud-Plattform (aconso) + SAP-native Tiefe (Centric) = ein Angebot, das in beiden Welten funktioniert.


Deal 3: comvaHRo acquires LOGA-Abteilung der PROGRAMMIERFABRIK GmbH — HR-Konsolidierung erreicht Österreich

DetailWert
Ankündigung7. April 2026
Deal-TypAsset-/Divisionsübernahme
KäufercomvaHRo GmbH (Grasbrunn bei München)
InvestorenAlpha VCX, Invest AG (PE-Arm der Raiffeisenbankengruppe Österreich)
ZielLOGA-Abteilung der PROGRAMMIERFABRIK GmbH — HR/Payroll-Software (Linz, Österreich)
NeugründungcomvaHRo HR Solutions GmbH (Linz)
QuellenPresseBox

Hintergrund

comvaHRo wurde 2016 gegründet und ist ein LOGA-Implementierungs- und Beratungspartner für HR-Software und Payroll-Outsourcing. 53 Mitarbeiter, Standorte in Grasbrunn und Hamm, Kunden von 100 bis 45.000 Mitarbeitern. Im September 2025 stiegen Alpha VCX und Invest AG (Raiffeisen) ein — seitdem ist klar: Hier wird ein Buy-and-Build aufgebaut.

LOGA (ursprünglich von P&I AG, jetzt SD Worx) ist eine der führenden Payroll- und HR-Management-Suiten im deutschsprachigen Raum: Entgeltabrechnung für 13 europäische Länder, Zeitwirtschaft, digitale Personalakte, modulare Architektur. Die PROGRAMMIERFABRIK in Linz hatte eine spezialisierte LOGA-Abteilung für den österreichischen Markt.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Das ist die erste Akquisition eines klassischen PE-backed Buy-and-Build-Plays. comvaHRo sichert sich österreichische LOGA-Expertise, Kundenbeziehungen und Mitarbeiter — und gründet sofort eine eigene GmbH in Linz. Das Ziel bis 2030: führender HR-Serviceprovider im gesamten DACH-Raum. Die Invest AG (Raiffeisen) als österreichischer Co-Investor ist hier kein Zufall — das ist lokale Verankerung by Design.

Tech-Stack & Integration:

Product & Licensing

  • LOGA ist als SaaS, ASP (Hosting durch Partner) und On-Prem verfügbar — comvaHRo muss entscheiden, welche Modelle für den österreichischen Markt priorisiert werden
  • Payroll-Software ist länderspezifisch hoch reguliert: Österreichisches Arbeits- und Steuerrecht erfordert lokale Expertise, die man nicht einfach aus Deutschland “mitbringt”
  • Die modulare LOGA-Architektur erlaubt schrittweises Upselling: Zeitwirtschaft, Bewerbermanagement, Self-Service-Portal

AI-Reife: Tier 3-4 — LOGA hat AI-Funktionen im Bereich Automatisierung, aber keine genuine ML-Pipeline. Payroll-Software ist traditionell regelbasiert, nicht AI-getrieben. Die Chance liegt in Process Automation (automatische Lohnarten-Zuordnung, Anomalie-Erkennung in Abrechnungen).

Meine Perspektive 🎯

“Home Turf” — HR-Software, DACH-Expansion, Buy-and-Build.

  1. Zwei HR-Software-Deals in einer Woche — aconso/Centric (Deal 2) und comvaHRo/LOGA sind unabhängig voneinander, aber zeigen das gleiche Muster: Der HR-Software-Mittelstand in DACH wird konsolidiert. Die Fragmentierung (hunderte kleine LOGA-Partner, SAP-Berater, Payroll-Dienstleister) löst sich auf.

  2. 53 Mitarbeiter, erste Akquisition, PE-backed seit September 2025 — das ist Tag 1 eines Buy-and-Build. Die Frage: Wie schnell kommen die nächsten Deals? Der Schweizer Markt wäre der logische dritte Schritt nach DE und AT.

  3. Invest AG (Raiffeisen) als Investor ist ein cleverer Schachzug. In Österreich öffnet der Raiffeisen-Name Türen, die für einen deutschen Mittelständler sonst verschlossen bleiben. Das ist nicht nur Kapital — das ist Netzwerk.


Deal 4: Francisco Partners takes Blackline Safety private — $850 Mio. für Connected Worker Safety

DetailWert
Ankündigung8. April 2026
Deal-TypTake-Private (von TSX)
KäuferFrancisco Partners (~$50 Mrd. Capital Raised)
ZielBlackline Safety — Connected Worker Safety Platform
Deal-WertCAD $850 Mio. ($9,00/Aktie + bis zu $0,50 CVR)
HauptsitzCalgary, Kanada
Mitarbeiter~600
UmsatzCAD $150,5 Mio. (FY2025, Rekord)
ARRCAD $90,5 Mio. (+28% YoY)
Kunden3.000+ Organisationen in 75+ Ländern
ClosingErwartet Q2 2026
QuellenBusinessWire

Hintergrund

Blackline Safety baut IoT-Wearables für Arbeiter in gefährlichen Umgebungen: Gasdetektion, Alleinarbeiter-Schutz, Zwei-Wege-Kommunikation, Sturzerkennung — alles in einem Gerät, verbunden mit einer Cloud-Analytics-Plattform. 323 Milliarden Datenpunkte gesammelt, 8+ Millionen Notfall-Alerts ausgelöst. Kernverticals: Öl & Gas, Versorger, Abwasser, Fertigung, Bergbau.

Die Zahlen sind beeindruckend: 36 Quartale in Folge YoY-Wachstum, Net Dollar Retention von 128%, Bruttomarge von 63% (Service-Marge sogar 80%). Der gerade gelaunchte G8-Wearable (März 2026) vereint Multi-Gas-Detektion, Lone-Worker-Protection, Zwei-Wege-Radio und Echtzeit-Monitoring in einem einzigen Gerät.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Francisco Partners ($50 Mrd. Capital Raised, rein auf Technology fokussiert) sieht hier das Muster, das bei Software-PE funktioniert: Hardware als Eintrittspunkt, Cloud-Analytics als Recurring-Revenue-Maschine. Der CVR-Trigger ($145-149M ARR bis Oktober 2027 vs. $90,5M heute) zeigt das Ziel: signifikante ARR-Beschleunigung unter PE-Ownership.

Tech-Stack & Integration:

Infrastructure & Platform

  • IoT-Stack: Wearable-Devices mit Cellular + Satellite-Connectivity → Cloud-Plattform (Blackline Analytics)
  • 323 Milliarden Datenpunkte = eine der größten Connected-Safety-Datensätze weltweit
  • Die Kombination aus proprietärer Hardware und Cloud-Software schafft einen Hardware-Software-Moat, der schwer zu replizieren ist

AI-Strategie & Exit-Impact

  • AI-Reife: Tier 2 (Ambitious & Shipping) — Predictive Analytics auf dem 323-Milliarden-Datenpunkte-Datensatz, Anomalie-Erkennung, automatisierte Compliance-Berichte. Das ist genuine ML, nicht nur ein LLM-Wrapper
  • SaaSpocalypse-Test: Sehr resilient. Das ist die physische Welt. Kein AI-Agent detektiert Schwefelwasserstoff in einer Raffinerie. Die “physische Atome”-Schutzschicht aus Death by Clawd greift auch hier — genau wie bei Geomatikk letzte Woche
  • Die 128% Net Dollar Retention bei 80% Service-Marge zeigt: Kunden kaufen mehr, nicht weniger. Kein Seat-Compression-Risiko, wenn das “Seat” ein physischer Arbeiter mit einem Wearable ist

Meine Perspektive 🎯

“Neues Terrain” — Connected Safety IoT ist für mich Neuland, aber die Parallelen zur Infrastruktur-Software sind klar.

  1. Francisco Partners hat einen Typ. LogMeIn ($4,3 Mrd.), Forcepoint (Cybersecurity), SonicWall (Cybersecurity) — die kaufen Tech-Unternehmen, die kritische Funktionen erfüllen und hohe Switching Costs haben. Blackline Safety passt perfekt: Wenn du dein Safety-System einmal ausgerollt hast, wechselst du nicht.

  2. $850 Mio. bei $150M Revenue = ~5,6x Revenue. Das ist im aktuellen Markt kein Schnäppchen, aber auch nicht überteuert für ein Unternehmen mit 28% ARR-Wachstum und 128% NDR. Die Frage: Kann Francisco Partners die $145-149M ARR bis Oktober 2027 erreichen? Das wäre ~60% Wachstum in 18 Monaten.

  3. Die Geomatikk-Parallele aus KW14: Axcel hat Geomatikk (Infrastruktur-Software) von Hg gekauft. Francisco Partners kauft Blackline Safety (Safety-IoT) von der Börse. Beide Deals sagen: Physical-World-Software ist das Antidot zur SaaSpocalypse. Wo es um physische Sicherheit, physische Infrastruktur und regulatorische Pflichten geht, ist AI-Disruption ein Feature, kein Risiko.


Markt-Watch: Software als Staatsaffäre, Accenture’s AI-Offensive, Visma-IPO verschoben

PSI Software: Bundesregierung prüft Warburg-Pincus-Übernahme

Die Übernahme von PSI Software SE durch Warburg Pincus (~€700 Mio., €45/Aktie) durchläuft derzeit eine Investitionsprüfung nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWV). PSI liefert Leitsystem-Software (PSIcontrol) für Deutschlands Stromnetze — Software, die bei E.ON und anderen Netzbetreibern im Einsatz ist. E.ON hält weiterhin 17,8% an PSI und hat sich mit Warburg Pincus auf eine gemeinsame Strategie geeinigt.

StatusDetail
ÜbernahmeangebotAbgeschlossen, 81,7% gesichert
InvestitionsprüfungLäuft seit Januar 2026
JahresberichtAuf Ende April 2026 verschoben
Closing-ErwartungQ2 2026

Warum das wichtig ist: Das ist ein Präzedenzfall. PSI steuert Deutschlands Energienetze und arbeitet seit März 2026 an einem bundesgeförderten Cybersecurity-Projekt zur Absicherung kritischer Energiesysteme. Wenn die Bundesregierung hier blockiert, hat das Signalwirkung für jede ausländische PE-Übernahme im Bereich kritische Infrastruktur-Software — und davon gibt es in Deutschland viele.

Accenture’s Doppelschlag: Keepler + Replit

Accenture hat in einer Woche zwei AI-Deals gemacht:

  • 8. April: Akquisition von Keepler Data Tech (Madrid/London, 240+ AI/Data-Spezialisten) — Cloud-native Data Foundations, GenAI, Agentic AI
  • 9. April: Strategisches Investment in Replit — AI-gestützte Software-Entwicklungsplattform für Enterprises

Das Signal: Accenture jagt sein $5-Milliarden-Akquisitionsziel für FY2026 und setzt dabei massiv auf AI-Capabilities. Für PE-backed Software-Unternehmen in DACH heißt das: Die Systemintegratoren werden zu AI-Anbietern — und damit zu einer neuen Konkurrenz für alle, die AI-Features als Differenzierungsmerkmal verkaufen wollen.

Visma-IPO auf 2027 verschoben

Hg-backed Visma (€2,8 Mrd. Revenue, 350+ Bolt-on-Akquisitionen, €19 Mrd. angestrebte Bewertung) hat den geplanten London-IPO auf 2027 verschoben. Der Grund: Das Software-IPO-Fenster bleibt nach der SaaSpocalypse geschlossen. Für Hg, das gerade erst $6,4 Mrd. für OneStream ausgegeben hat, ist das ein Signal: Die Exit-Seite funktioniert nur über Private Sales, nicht über Public Markets. Letzte Woche Käufer, diese Woche geblockter Verkäufer — das ist die Realität von Software-PE im April 2026.


Laufende Prozesse

UnternehmenKäufer/VerkäuferStatusGeschätzte Bewertung
thinkprojectEQT (Verkäufer)Frühe Gespräche~€1,5 Mrd.
SUSEEQT (Verkäufer)Interessensondierung~$6 Mrd.
PSI SoftwareWarburg Pincus (Käufer)Investitionsprüfung~€700 Mio.
Clearwater AnalyticsPermira, Warburg Pincus, Francisco PartnersClosing erwartet H1 2026$8,4 Mrd.
Blackline SafetyFrancisco PartnersShareholder Vote Juni, Closing Q2~CAD $850 Mio.

Fazit: Warum die stillen Jäger gewinnen könnten

DealModellSignal
Volaris/zetVisionsPermanent Capital (buy & hold forever)Constellation kauft DACH-Software ohne Exit-Druck
aconso/CentricPE-backed Add-on (Keensight)HR-Software-Konsolidierung im SAP-Ökosystem
comvaHRo/LOGAPE-backed Buy-and-Build (Alpha VCX)Erste Akquisition, DACH-Expansion
Francisco Partners/BlacklineTake-PrivatePhysical-World-IoT als SaaSpocalypse-Antidot

KW15 zeigt ein Muster, das sich in den nächsten Monaten verstärken dürfte: Die lauten Deals werden seltener, die stillen häufiger. Während Hg letzte Woche mit $6,4 Mrd. Schlagzeilen machte, kauft Constellation leise eine Heidelberger Nischen-Software-Firma aus dem SAP-Tschira-Erbe. Während der IPO-Markt für Visma geschlossen bleibt, greifen Permanent-Capital-Vehikel zu — weil sie keine Exit-Clock haben.

In einem Markt, in dem Verkäufer nervös und Multiples unter Druck sind, ist Geduld der größte Wettbewerbsvorteil. Und niemand hat mehr Geduld als Constellation Software.

Nächste Woche im Blick: Die PSI-Software-Investitionsprüfung könnte im April Klarheit bringen — und damit einen Präzedenzfall für ausländische PE-Investments in deutsche Infrastruktur-Software setzen.

Passend dazu unser neuer Insight: Tech Due Diligence 2.0 — warum “AI Debt” das neue Technical Debt ist, warum 95% der GenAI-Pilots scheitern, und welche fünf DD-Dimensionen jetzt über Exit oder Stuck entscheiden. Mit konkreten Beispielen aus den Deals dieser Woche.


Quellen