Finto
Finto ist ein 2025 gegründetes Münchner Software-Unternehmen, das KI-Agenten für die autonome Rechnungsverarbeitung in Finanzabteilungen entwickelt. Die Plattform automatisiert den Invoice-to-Pay-Prozess vom E-Mail-Eingang bis zur Buchung im ERP-System — Rechnungserkennung, Kontierung, Purchase-Order-Matching und Journalbuchungen. Im Juli 2026 schloss Finto eine Seed-Runde über 3,4 Mio. US-Dollar mit Y Combinator, Gradient und Lightspeed Venture Partners ab. Das Unternehmen durchlief den Y-Combinator-Batch Summer 2025 in San Francisco, entschied sich danach aber bewusst für München als Standort.
Überblick
- Typ: Firma (Software-Anbieter, AP-Automation / KI-Agenten für Buchhaltung)
- Gründung: 2025
- Hauptsitz: München, Deutschland
- Gründer: Jonas Morgner (CEO), Linus Boehm (CTO), Lorenz Neuner (CPO)
- Mitarbeiter: ~7 (Stand Juli 2026)
- Finanzierung: 3,4 Mio. US-Dollar Seed (Juli 2026)
- Investoren: Y Combinator, Gradient, Lightspeed Venture Partners
- Accelerator: Y Combinator, Batch Summer 2025
- Website: gofinto.com
Produkte und Services
Finto baut eine KI-Plattform, die den gesamten Kreditorenprozess (Accounts Payable) mittelständischer und großer Unternehmen automatisiert. Die Agenten übernehmen die Schritte, die in Buchhaltungsabteilungen bislang manuell laufen:
- Rechnungserfassung: Belege aus E-Mail-Postfächern lesen und Positionen extrahieren
- Prüfung und Matching: Abgleich gegen Bestellungen und Stammdaten (Drei-Wege-Matching)
- Kontierung: Zuweisung auf Sachkonten und Kostenstellen
- Lieferantenkommunikation: Rückfragen bei Abweichungen
- Buchungsvorbereitung: Erzeugung der Journalbuchungen bis zur finalen ERP-Buchung
Nach eigener Aussage automatisiert das System rund 80 Prozent der täglichen Arbeit von Buchhaltern bei Rechnungserfassung, Kontenzuweisung und Genehmigungen. Die Plattform integriert sich in SAP, Microsoft Dynamics und DATEV — die Integrationstiefe in die deutschen Buchhaltungs-Stacks ist das zentrale Verkaufsargument gegenüber US-Anbietern.
Zu den ersten Kunden zählen der Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld und die Kölner Eat Happy Group, die Sushi-Theken in europäischen Supermärkten betreibt.
Geschichte und Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2025 | Gründung in München durch Jonas Morgner, Linus Boehm und Lorenz Neuner |
| 2025 | Teilnahme am Y-Combinator-Batch Summer 2025 in San Francisco |
| 2026 | Seed-Runde über 3,4 Mio. US-Dollar (Y Combinator, Gradient, Lightspeed); erste Enterprise-Kunden |
Bemerkenswert ist die Standortentscheidung nach dem YC-Programm: Statt im Valley zu bleiben, kehrte das Team nach München zurück. Morgner begründet das mit dem Talentpool der TU München, der Nähe zu den Kunden — Europas industriellem Mittelstand — und der Nähe zum Enterprise-Software-Kern, auf dem Finto aufsetzt, allen voran SAP. Europäische Finanzteams bräuchten Lösungen von Leuten, die Markt, Regulatorik und die hiesigen ERP-Systeme aus erster Hand kennen.
Team und Führung
| Person | Rolle | Hintergrund |
|---|---|---|
| Jonas Morgner | Co-Founder & CEO | Zuvor Go-to-Market-Leitung bei TradeLink (Logistik-SaaS, backed von Point Nine und Insight Partners) |
| Linus Boehm | Co-Founder & CTO | Zuvor früher Tech Lead bei Tacto (Procurement-SaaS, backed von Sequoia und Index Ventures) |
| Lorenz Neuner | Co-Founder & CPO | Zuvor Produktleitung bei TradeLink, dort über vier Jahre mit Morgner |
Die beiden Herkunftsfirmen Tacto und TradeLink haben zusammen mehr als 75 Mio. US-Dollar von Sequoia, Index Ventures und Insight Partners eingesammelt — das Gründerteam bringt also Enterprise-SaaS-Erfahrung aus zwei der bekannteren Münchner B2B-Startups mit.
Investoren und Eigentümer
Finto ist VC-finanziert und mehrheitlich in Gründerhand. An der Seed-Runde vom Juli 2026 (3,4 Mio. US-Dollar) beteiligt:
- Y Combinator — über die Batch-Teilnahme Summer 2025
- Gradient — der aus Alphabet hervorgegangene AI-Fonds
- Lightspeed Venture Partners
Ein Lead-Investor wurde nicht kommuniziert, konkrete Fondsnamen sind in den Pressemitteilungen nicht genannt. Eine Exit-Prognose ist bei einer Seed-Finanzierung dieser Größenordnung nicht ableitbar.
Konkurrenz
Finto tritt in der Accounts-Payable-Automation gegen drei Gruppen an. Erstens die etablierten AP- und Rechnungsworkflow-Anbieter im DACH-Raum, darunter Candis (Berlin), Hypatos (Potsdam), xSuite (Ahrensburg) und Serrala (Hamburg), die ihre OCR- und Workflow-Produkte zunehmend agentisch nachrüsten. Zweitens die ERP- und Buchhaltungsplattformen selbst — SAP, DATEV, Sage —, die Rechnungsautomatisierung als Bordmittel andocken können und damit die Kategorie von innen bedrohen. Drittens internationale Spend-Management-Anbieter wie Yokoy (Zürich, von TravelPerk übernommen), die AP-Automation als Teil einer breiteren Ausgabenplattform verkaufen.
Fintos Wette: Buchungsgenauigkeit, GoBD-konforme Nachvollziehbarkeit und prüfbarer Schreibzugriff in SAP, Dynamics und DATEV sind ein Moat, den ein US-Anbieter nicht in einem Quartal nachbaut. Im Umfeld agentischer Back-Office-Automatisierung in DACH gehört Finto zur selben Kohorte wie auxilius.ai (Compliance-Kontrollen) und Sherpa (Steuerung externer Arbeit), die in derselben Woche Frühphasenkapital erhielten.
Quellen
- Tech.eu: Y Combinator-backed German startup Finto raises $3.4M, says chose Munich over Silicon Valley (08.07.2026)
- Y Combinator: Finto — AI accounting for enterprise finance teams
- deutsche-startups.de Deal-Monitor (09.07.2026)
- Vestbee: German firm Finto lands $3.4M to bring AI agents to enterprise accounting
- Finto: Über uns
Eigentümer
- Gradient
- Lightspeed Venture Partners
- Y Combinator