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Ingres

Ingres (Interactive Graphics and Retrieval System) ist eines der ersten relationalen Datenbankmanagementsysteme (RDBMS) der Welt.

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Ingres

Ingres (Interactive Graphics and Retrieval System) ist eines der ersten relationalen Datenbankmanagementsysteme (RDBMS) der Welt. Die Software wurde in den frühen 1970er Jahren an der University of California, Berkeley entwickelt und gilt als wegweisend für die moderne Datenbankentwicklung. Ingres beeinflusste maßgeblich die Entwicklung zahlreicher kommerzieller Datenbanksysteme, darunter Sybase, Microsoft SQL Server und PostgreSQL. Heute wird Ingres von Actian, einer Division von HCLSoftware, unter dem Namen Actian Ingres weiterentwickelt und vertrieben.

Überblick

Merkmal Details
Typ Relationales Datenbankmanagementsystem (RDBMS)
Entwickelt seit 1973 (Forschungsprojekt)
Erste kommerzielle Version 1980
Aktueller Eigentümer HCL Technologies (via HCLSoftware/Actian)
Hauptsitz Santa Clara, Kalifornien, USA
Aktuelle Version Ingres 12.0 (Juni 2024)
Website actian.com/databases/ingres
Mitarbeiter ca. 500 (Actian gesamt)
Kunden über 3.000 weltweit

Produkte und Funktionen

Actian Ingres

Actian Ingres ist ein enterprise-fähiges transaktionales Datenbanksystem mit folgenden Kernfunktionen:

  • ACID-Konformität - Vollständige Transaktionsunterstützung einschließlich aller DDL-Statements
  • SQL-Standard - Umfassende Unterstützung von ANSI/ISO SQL-92 sowie proprietäre Erweiterungen
  • QUEL-Unterstützung - Historische Abfragesprache wird weiterhin unterstützt
  • MVCC - Multi-Version Concurrency Control für verbesserte Nebenläufigkeit
  • Stored Procedures und Trigger - Vollständige prozedurale Programmierunterstützung
  • Referentielle Integrität - Umfassende Constraint-Unterstützung
  • Unicode-Unterstützung - Internationale Zeichensätze
  • Embedded SQL - Integration in Programmiersprachen wie C

Ingres 12.0 (2024)

Die aktuelle Version bietet erweiterte Funktionen:

  • Cloud-Backup und Disaster Recovery - Vereinfachte Konfiguration für On-Premises und Cloud
  • AES-256-Verschlüsselung - Standardmäßig aktivierte Sicherheit
  • X100 Analytics Engine - Bis zu 20% schnellere analytische Abfragen
  • Workload Manager 2.0 - Verbesserte Ressourcenallokation
  • Containerisierte UDFs - Unterstützung für Python und JavaScript
  • Hybride Architektur - Kombination aus zeilenbasierter und spaltenorientierter Speicherung

Zusätzliche Komponenten

  • Ingres Net - Zugriff auf Datenbanken über verschiedene Installationen
  • Ingres Replicator - Replikationsfunktionen
  • Ingres Star - Verteilte Datenbankunterstützung
  • Enterprise Access - Kommunikation mit anderen Datenbanksystemen
  • Spatial Object Library - Verarbeitung zweidimensionaler räumlicher Objekte

Geschichte und Entwicklung

Forschungsphase (1973-1985)

Die Geschichte von Ingres begann 1973, als die UC Berkeley-Professoren Michael Stonebraker und Eugene Wong die Arbeiten zu IBMs System R studierten und ein eigenes Forschungsprojekt starteten. Das Projekt lief bis 1985 und wurde durch Fördergelder sowie die Arbeit von Studenten unterstützt.

Ingres unterschied sich von IBMs System R durch:

  • Freizügigere Lizenzierung des Quellcodes
  • Fokus auf DEC-Maschinen unter UNIX und VAX/VMS
  • Die eigene Abfragesprache QUEL statt SQL

Kommerzialisierung (1980-1990)

1980 gründeten Stonebraker, Wong und Professor Lawrence A. Rowe die Relational Technology, Inc. (RTI), um Ingres zu kommerzialisieren. Mitte der 1980er Jahre war Ingres zusammen mit Oracle und Informix einer der “Big Three” im aufkommenden RDBMS-Markt.

Die Entscheidung von ANSI, 1986 SQL statt QUEL als Standard zu wählen (SQL-86), schwächte Ingres’ Wettbewerbsposition. Die Umstellung auf SQL dauerte drei Jahre, während derer viele Kunden zu Oracle wechselten.

Übernahmen und Konsolidierung (1990-2011)

Jahr Ereignis
1990 ASK Computer Systems übernimmt Ingres für ca. 110 Mio. USD
1994 Computer Associates (CA) kauft ASK/Ingres für 310 Mio. USD
2004 CA veröffentlicht Ingres R3 als Open Source
2011 Ingres Corporation wird zu Actian Corporation umbenannt

Ära Actian und HCL (2011-heute)

Jahr Ereignis
2017 Einführung von Actian X als hybride Datenbank
2018 HCL Technologies und Sumeru Equity Partners übernehmen Actian für 330 Mio. USD
2021 HCL wird alleiniger Eigentümer, Actian wird Teil von HCLSoftware
2024 Rückzug der Marke Actian X, alle Funktionen in Ingres 12.0 integriert
2024 Übernahme von Zeenea für 24 Mio. EUR

Führungsteam

Actian Leadership

Position Name
CEO Marc Potter (seit Januar 2023)
COO Steve Lennon
CMO Jennifer Jackson
CIO Steve Padgett
SVP Customer Success Pamela Fowler

Marc Potter kam 2019 als Chief Revenue and Operations Officer zu Actian und wurde im Januar 2023 zum CEO ernannt. Zuvor war er bei Oracle für Cloud-Lösungsvertrieb verantwortlich.

Historische Gründer

Eigentümer und Investoren

Aktuelle Eigentümerschaft

Ingres gehört vollständig zu HCL Technologies und wird innerhalb der HCLSoftware-Division durch Actian betrieben.

Übernahme 2018

Im April 2018 erwarben HCL Technologies und Sumeru Equity Partners Actian für 330 Mio. USD:

2021 erwarb HCL die restlichen 19,6% von Sumeru für 100,2 Mio. USD.

Hinweis: Da Actian nun vollständig zu HCL gehört (kein PE-Investor mehr beteiligt), ist keine Exit-Prognose anwendbar.

Einfluss und Nachfolgeprodukte

Ingres gilt als Wegbereiter der modernen Datenbankentwicklung. Aus dem Projekt entstanden direkt oder indirekt:

Produkt Verbindung zu Ingres
PostgreSQL “Post-Ingres” - von Stonebraker ab Mitte der 1980er entwickelt
Sybase Gegründet von Robert Epstein, dem leitenden Programmierer bei Ingres
Microsoft SQL Server Basiert auf lizenziertem Sybase-Code (1988)
NonStop SQL Von ehemaligen Ingres-Entwicklern beeinflusst

Konkurrenz

Hauptwettbewerber

Marktposition

Ingres hält einen Marktanteil von ca. 0,17% im Bereich Datenbankmanagementsysteme und ist primär bei großen Unternehmen und Regierungsorganisationen im Einsatz. Zu den bekannten Kunden gehören:

  • Lufthansa Systems - Lido Flight- und Routenplanungssoftware
  • Irish Office of Revenue Commission
  • Capita Software Services

Quellen