B2B Software Deals KW 10/2026: SAP-Konsolidierung und Industry-4.0-Wette – PE macht weiter
Von Jochen Maurer
B2B Software Deals in DACH und Benelux: KW10 — PE kauft weiter, Strategen konsolidieren
Eine Woche nach der SaaSpocalypse-Eskalation ist die Antwort des Marktes klar: selektiver kaufen, nicht aufhören. KW10 bringt zwei sehr unterschiedliche, aber strukturell ähnliche Deals — beide sind Wetten auf spezialisierte Verticals mit klaren Differenzierungsmerkmalen, beide ohne ausgewiesenen Deal-Wert.
All for One Group schließt die bereits im Januar angekündigte Übernahme von apsolut ab und wird damit zur unangefochtenen Nummer 1 im SAP-Procurement-Consulting. Keine AI-Strategie getrieben — sondern klassischer Markt-Leadership-Move in einem regulierten, hochkomplexen Segment. Gleichzeitig investiert Main Capital Partners in Good Solutions, einen schwedischen OEE-Software-Spezialisten — und setzt damit auf die digitale Transformation der europäischen Fertigungsindustrie.
Die Botschaft: Vertikale Tiefe schützt vor Disruption. Ob SAP-Procurement-Expertise oder Factory-Floor-Software — beide Zielunternehmen sind zu spezialisiert, um von generischen AI-Agents in 12 Monaten ersetzt zu werden.
Deal 1: All for One Group schließt Übernahme von apsolut ab — Nummer 1 im SAP-Procurement-Markt
| Element | Details |
|---|---|
| Signing | 19. Januar 2026 |
| Closing | 5. März 2026 (wirksam) |
| Deal-Typ | Strategische Akquisition (börsennotierter Käufer) |
| Käufer | All for One Group SE — IT-Consulting & SAP-Services, Filderstadt (SDAX-gelistet) |
| Ziel | apsolut Group — internationaler SAP-Procurement-Spezialist, Bielefeld |
| Team apsolut | ~500 Mitarbeiter, davon 300+ SAP-Procurement-Consultants |
| Kunden apsolut | 400+ (Upper Midmarket bis DAX-Konzerne) |
| Standorte apsolut | Bielefeld (HQ) + 20 internationale Büros (UK, Frankreich, Spanien, Indien, VAE) |
| Team All for One | ~2.700 Mitarbeiter, Umsatz FY2024/25: €504 Mio. |
| Produkte apsolut | SAP Ariba, Spend Management, Procurement Transformation, External Workforce Management |
| Deal-Wert | Nicht öffentlich |
Hintergrund: All for One Group ist der führende SAP-Partner im deutschsprachigen Raum — und hat systematisch nach der einen Akquisition gesucht, die die Lücke im eigenen Portfolio schließt: Procurement. apsolut ist mehrfach ausgezeichneter SAP Ariba Gold Partner und gilt in der DACH-Region als die erste Adresse für Purchase-to-Pay-Transformationen. Gegründet von Thomas Herbst, hat apsolut über zwei Jahrzehnte eine echte Domain-Expertise aufgebaut, die man nicht einfach replizieren kann.
Mit dem Closing am 5. März 2026 ist All for One nun offiziell in der Position, die CEO Michael Zitz schon im Januar formuliert hat: “Global number one in the SAP market in our industries and target segments.” Das ist keine leere PR — mit kombinierten ~3.200 Mitarbeitern, €504M Umsatz und nun vollständiger Procurement-Expertise ist das Versprechen substanziell hinterlegt.
Strategische Einschätzung
Produkt-Strategie: Das ist ein klassischer Capability-Buy — nicht ein Customer-Buy, nicht ein Geo-Buy, sondern ein gezielter Erwerb von Expertise, die intern nicht aufgebaut werden kann. SAP Ariba-Implementierungen sind hochkomplex: 12–24 Monate Projektlaufzeiten, tiefes Prozess-Know-how in Lieferantenmanagement, Katalogpflege, P2P-Automation und External Workforce Management. apsolut hat das seit 20 Jahren aufgebaut.
Die Buy-Thesis: Cross-Sell + Up-Sell im bestehenden All-for-One-Kundenstamm. Wer für seine S/4HANA-Transformation bereits All-for-One als SAP-Partner hat, kann jetzt Procurement in der gleichen Partnerschaft ausschreiben. Kein Auswahlprozess, keine Referenzanfragen — der vertraute Partner liefert alles aus einer Hand.
Tech-Stack & Integration:
Application & Architecture:
- Two-Platform-Strategie zunächst wahrscheinlich: apsolut hat eigene Delivery-Methodik, Tooling und Ariba-Konfigurations-Templates über Jahre entwickelt — Big-Bang-Integration wäre riskant. Gemeinsames Service-Portfolio, getrennte Practice-Organisation in Phase 1
- SAP BTP als Integrationsschicht: Beide Unternehmen leben auf der SAP Business Technology Platform — die technische Harmonisierung ist damit klarer als in klassischen Software-Merger-Szenarien
- Delivery-Kapazitäten global: apsoluts 20 internationale Büros (inkl. Indien/Near-Shore) könnten All-for-Ones Delivery-Kapazität für Großprojekte erheblich stärken
Data & Integration:
- ERP-to-Procurement-Integration: S/4HANA → SAP Ariba ist der Kern. Bidirektionale Stammdaten (Lieferanten, Materialien, Verträge) müssen synchronisiert bleiben
- Spend Analytics: Vereinheitlichung von Einkaufsdaten über alle SAP- und Non-SAP-Quellen — Master Data Management ist hier Pflicht
- Compliance-Daten: DSGVO-konforme Verarbeitung von Lieferantendaten, eSigning-Prozesse, CSRD-relevante Lieferkettendaten
Product & Licensing:
- Lizenzmodell-Harmonisierung: All for One verkauft primär SAP-Lizenzen + Services. apsolut hat eigene Produkte im External Workforce Management — sauber trennen oder in All-for-One-Portfolio integrieren?
- Pricing: Procurement-Beratung hat eigene Day-Rate-Strukturen, die nicht mit Consulting-Standard überlappen — Preisharmonisierung intern wichtig
AI-Strategie & Exit-Impact:
AI-Reife-Einschätzung:
- All for One: Tier 2 — SAP AI-Features auf BTP aktiv (SAP Joule, generative AI in Procurement), aber keine proprietären ML-Modelle
- apsolut: Tier 2-3 — starke SAP-Ariba-Expertise, AI-Nutzung primär via SAP-Plattform (Ariba AI-Categorization, AI-basiertes Supplier Matching)
- Combined: Tier 2 — Stärke durch Datenbasis: 400+ Kunden, Millionen Transaktionen, echter Procurement-Spend-Kontext
AI-Potenzial durch Merger:
- AI-powered Spend Analytics: Kombination aus Ariba-Transaktionsdaten und All-for-Ones SAP-BTP-Kompetenz könnte proprietäre Spend-Intelligence-Layer ermöglichen
- AI Supplier Risk Management: Lieferketten-Monitoring via NLP/LLM auf Lieferanten-Nachrichten, ESG-Ratings, DSGVO-Konformität
- Generative AI für Ausschreibungen: RFP-Drafting, Angebotsvergleich, Contract-Summarization — alles Table Stakes in SAP-Ariba 2026
SaaSpocalypse-Resilience:
- Resilient: SAP-Procurement-Transformationen sind keine AI-Agent-Kandidaten in 2026. 18-Monats-Projekte, hochkomplex, regulatorisch belastet (CSRD, LkSG, DORA) — Domain-Expertise ist Pflicht
- Mittelfristiges Risiko: SAP selbst investiert stark in AI-native Procurement (Joule als “Procurement Copilot”). Wenn SAP den Consulting-Anteil selbst einnimmt, werden Partner wie All for One/apsolut unter Druck geraten
- Gegenstrategie: Die Wette ist auf Komplexität — je komplexer die Enterprise-Implementierung, desto mehr braucht es Partner mit echter Expertise
Meine Perspektive 🎯
“Home Turf” — SAP-Partner-Ökosystem, M&A-Integrationskomplexität und Multi-Produktportfolios kenne ich gut:
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All for One macht alles richtig: Die Kombination aus Signing im Januar und Closing im März ist schnell — aber apsolut ist kein Startup, sondern ein gestandenes Beratungshaus. Die Risiken sind beherrschbar. Das Signal: All for One war bereit und hatte einen Plan.
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Capability Gaps durch Akquisition schließen: Das ist mein bevorzugter M&A-Ansatz für Beratungsunternehmen. Organisch SAP-Ariba-Expertise aufzubauen dauert Jahre und kostet Schlüsselpersonen. Mit apsolut kauft man 20 Jahre Institutional Knowledge in einem Segment, das immer komplexer wird — CSRD-Lieferkettenberichterstattung, LkSG-Compliance, externe Workforce-Regulierung.
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Die 300 SAP-Procurement-Consultants sind das Asset: Nicht die Software, nicht die Kunden (die sind gut und klebrig), sondern die Menschen. Retention-Risiko nach einem Akquisitions-Closing ist real — wie hoch ist die Kulturkompatibilität zwischen einem Stuttgarter SAP-Haus und einem Bielefelder Procurement-Boutique?
Die kritischen Fragen für eine DD (retrospektiv):
- Churn der Top-Performer: In Beratungsunternehmen gilt: Wenn die ersten 20 Schlüsselberater gehen, bricht die Pipeline ein. Wie lange sind die Retention-Vereinbarungen?
- Delivery-Kapazität in Near-Shore: Indien-Büros klingen gut — aber wie reif ist die Offshore-Delivery wirklich? Viele kleinere SAP-Partner haben “Indien-Büros” mit 10 Leuten, die Support machen, keine Projekte liefern.
- SAP Ariba vs. S/4HANA Procurement: Ariba-Migration auf S/4HANA Public Cloud ist ein wachsendes Thema — welche Seite steht All-for-One/apsolut? Das entscheidet über die nächste Produktgeneration.
AI-Perspektive:
- Tier 2 (SAP-Plattform-AI): Keine proprietäre ML — aber das braucht man für SAP-Consulting nicht. Domain-Expertise + SAP-AI-Toolchain ist die richtige Kombination
- Exit-Risiko: Niedrig in 2-3 Jahren. Mittelfristig (5+ Jahre) besteht das Risiko, dass SAP selbst mehr automatisiert und der Beratungsbedarf sinkt
- SaaSpocalypse-Impact: Minimal — Compliance-getriebene SAP-Implementierungen sind keine “Seat Compression”-Kandidaten
Weiterführende Links:
- All for One schließt Übernahme von apsolut ab — itreseller.ch
- All for One signs agreement to acquire apsolut — EQS News
- All for One acquires apsolut (Closing) — EQS News
Deal 2: Main Capital Partners übernimmt Mehrheit an Good Solutions — Industry-4.0-Wette auf schwedisches OEE-Software
| Element | Details |
|---|---|
| Ankündigung | 4. März 2026 |
| Deal-Typ | Majority Stake (PE-Einstieg) |
| Investor | Main Capital Partners (Den Haag, ~€6,8 Mrd. AUM) |
| Ziel | Good Solutions AB — RS Production OEE-Software, Göteborg, Schweden |
| Produkt | RS Production — Factory KPI Tracking, OEE (Overall Equipment Effectiveness), Downtime-Analyse, Energiemessung |
| Kunden | 280+ Fertigungswerke (Food & Beverage, Pharma, Automotive) |
| Geografie | Hauptsächlich Schweden und Nordics, mit Kunden in Europa und Amerika |
| Deal-Wert | Nicht öffentlich |
| Strategie | Buy-and-Build, internationale Expansion |
Hintergrund: Good Solutions wurde 2005 gegründet und hat mit RS Production eine Software entwickelt, die Fertigungswerken Echtzeit-Transparenz über ihre Produktionsleistung gibt. OEE — Overall Equipment Effectiveness — ist die zentrale KPI der Fertigungsindustrie: Verfügbarkeit × Leistung × Qualität. Wer OEE um 5-10 Prozentpunkte verbessert, spart Millionen in der Produktion, ohne neue Maschinen zu kaufen.
Das klingt nach einem Nischenprodukt — ist es aber nicht. 280+ Fertigungswerke in kritischen Branchen (Lebensmittel, Pharma, Automotive) sind ein solider Beweis, dass RS Production echten Mehrwert liefert. Main Capital Partners — bekannt für Investments in vertikale Enterprise Software in Benelux, DACH und Nordics — hat sich für eine Mehrheitsbeteiligung entschieden und plant gezieltes Buy-and-Build zur internationalen Skalierung.
Wessel Ploegmakers (Head of Nordics bei Main Capital): “Good Solutions’ strong position in the manufacturing vertical and clear international expansion potential aligns well with our investment strategy.”
Strategische Einschätzung
Produkt-Strategie: Die Buy-Thesis ist klar: Lean Manufacturing trifft Digitalisierung, und der Markt ist noch fragmentiert. Es gibt Dutzende OEE-Software-Anbieter in Europa, die lokale Champions sind, aber keine internationale Skalierung erreicht haben. Main Capital will Good Solutions zur paneuropäischen OEE-Plattform aufbauen — organisch durch Expansion in DACH und Benelux, und möglicherweise durch Add-on-Akquisitionen von kleineren OEE-Playern.
Der Markt-Treiber ist stark: Europäische Fertigungsunternehmen stehen unter massivem Kostendruck (Energie, Rohstoffe, Wettbewerb aus Asien). OEE-Software mit nachweisbarem ROI ist das erste Budget, das bei Sparmaßnahmen erhöht wird — weil es unmittelbar Einsparungen generiert.
Tech-Stack & Integration:
Infrastructure & Platform:
- SaaS vs. On-Premise-Entscheidung: Viele Fertigungswerke (insb. Pharma, Food) haben strenge Netzwerktrennung zwischen IT und OT (Operational Technology). RS Production muss sowohl Cloud-connected als auch lokale Deployment-Optionen unterstützen — hybride Architektur ist Pflicht
- PLC/SCADA-Integration: Das Herzstück: Maschinendaten (SPS-Signale, SCADA-Systeme, Sensoren) müssen in Echtzeit in RS Production fließen. Connectivity zu Siemens, Rockwell, ABB, Beckhoff ist der technische Differenzierungspunkt
- OT-Security: Industrienetzwerke sind historisch flach — Segmentierung, Anomalie-Erkennung, ICS-Security werden mit Industrie-4.0-Konnektivität zum Pflichtprogramm
Data & Integration:
- ERP-Integration: Schichtplanung und Produktionsaufträge kommen aus SAP/ERP → müssen mit RS-Production-Daten synchronisiert werden (geplant vs. ist)
- Energie-Daten: Energiemessung pro Maschine und Schicht — Integration mit Energie-Management-Systemen (ISO 50001-Kontext)
- Multi-Plant-Reporting: Enterprise-Kunden mit 20+ Werken wollen konsolidierte Dashboards — Datenmodell-Design ist hier kritisch
Application & Architecture:
- Echtzeit vs. historisch: OEE-Monitoring braucht beides: Live-Dashboard für Schichtleiter, historische Analyse für Lean-Teams, Predictive-Modelle für Maintenance. Drei unterschiedliche Architekturanforderungen in einem System
- Mobile-First: Schichtleiter und Wartungstechniker arbeiten am Hallenboden — mobiles UX ist Pflicht, nicht Option
AI-Strategie & Exit-Impact:
AI-Reife-Einschätzung:
- Good Solutions: Tier 2 — RS Production liefert Echtzeit-Analytics und OEE-Tracking mit nachweisbarem Customer Impact. Proprietary Data Advantage durch Maschinendaten aus 280+ Werken
- Main Capital als Investor: Kein eigenes AI-Tech, aber Erfahrung mit AI-Transformation in Portfolio-Companies (via Add-ons und Produktinvestments)
AI-Potenzial:
- Predictive Maintenance: Das offensichtlichste AI-Feature — ML-Modelle auf Maschinendaten → Voraussage von Ausfällen vor dem Absturz. Mit 280+ Werken und Jahren von Sensordaten ist das Trainings-Dataset vorhanden
- OEE-Forecasting: Statt historisches OEE zu messen, vorauschauend planen: Welche Schicht hat das höchste Ausfallrisiko? Welche Maschine braucht Wartung in 72 Stunden?
- AI-Coaching für Schichtleiter: Anomalie-Alerts mit Ursachen-Erklärung (“Maschine B produziert seit 20 Minuten 12% unterhalb Sollleistung — historisch: Kühlmittelmangel”) — Copilot für den Hallenboden
- Energieoptimierung: ML-gesteuerte Lastverteilung und Verbrauchsoptimierung — besonders relevant für energieintensive Branchen (Food Processing, Pharma)
SaaSpocalypse-Resilience:
- Sehr resilient: Fertigungswerke ersetzen keine OEE-Software durch AI-Agents. Die Maschinendaten-Integration, das Schichtführer-Workflow und die Echtzeit-Monitoring-Anforderung sind nicht generisch automatisierbar
- Seat Compression-Immunität: OEE-Software hat kein klassisches “Seat”-Modell — Pricing ist werks- oder anlagen-basiert. AI-Agents ersetzen keine Fabrikhallen
- Energieeffizienz als Treiber: EU-Taxonomie, EED (Energy Efficiency Directive), CO2-Reporting — regulatorischer Rückenwind für Energiemessungs-Features
Meine Perspektive 🎯
“Home Turf” — Industrial IoT, Maschinenanbindung und Produktionsdatenerfassung sind Terrain, auf dem ich mich gut auskenne:
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Das richtige Produkt zur richtigen Zeit: Europäische Fertigungsunternehmen stehen 2026 unter dreifachem Druck: Energiekosten, Arbeitskräftemangel, Automatisierungsdruck. OEE-Software mit echter Maschinenintegration löst alle drei — direkte Cost-Savings durch Effizienzsteigerung, Kompensation von Schichtleitermangel durch Daten-Coaching, Automatisierungsvorstufe durch Transparenz.
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Main Capital versteht Manufacturing Software: Ihr DACH/Benelux-Fokus bedeutet, dass sie Fertigungsunternehmen in diesen Märkten gut kennen. 280+ Werke sind ein solider Ausgangspunkt — jetzt geht es darum, die nächsten 500 zu gewinnen. Dafür braucht es lokale Präsenz, Branchensprache und Referenzkunden in DACH.
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Das technische Risiko liegt in der Konnektivität: RS Production ist so gut wie seine Maschinenanbindung. In schwedischen Brauereien oder Pharmabetrieben funktioniert das seit Jahren — aber in deutschen Automobilzulieferern mit 30 Jahre alten Siemens-SPSen und drakonischen IT-Security-Richtlinien ist die Integration komplexer. Das ist der versteckte Implementierungsaufwand.
Die kritischen Fragen für eine DD:
- Integration Complexity: Wie viele der 280 Kunden haben Standard-Konnektoren vs. Custom-Integrations? Das sagt viel über die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
- Churn-Analyse nach Implementierung: Wenn ein Werk RS Production einmal eingerichtet hat und 2 Jahre Maschinendaten drin sind — wechselt man dann noch? Hoffentlich nicht. Aber die ersten 6-12 Monate nach Implementierung sind entscheidend.
- Preismodell: Werk-basiert, Maschinen-basiert, User-basiert? Das bestimmt die Expansion-Mechanik. Werk-basiert mit Upsell auf Maschinen-Anzahl ist am saubersten.
- DACH-Referenzkunden: Bestehende Kunden in DACH und Benelux? Oder müssen die erst aufgebaut werden? Das ist der Unterschied zwischen “Expansion” und “Greenfield”.
AI-Perspektive:
- Tier 2 (Genuine Analytics): RS Production ist kein LLM-Wrapper — es ist echte Maschinendaten-Analyse mit proprietären Algorithmen. Das ist der richtige Ausgangspunkt für AI-Upgrade
- Predictive Maintenance als nächster Schritt: Mit Main Capitals Investmentpower können in 18-24 Monaten AI-Features gebaut werden, die den Exit-Multiple erheblich verbessern
- Exit-Perspektive: Manufacturing Software mit Industry-4.0-Story, nachweisbarem ROI und AI-Roadmap — das ist 2027/28 ein sehr attraktives Exit-Asset. Strategic Buyers (Siemens, Rockwell, Aveva) oder ein größerer Software-Player würden sich für eine solche Plattform interessieren
Weiterführende Links:
- Main Capital takes majority stake in Good Solutions — PE Insights
- Good Solutions — RS Production Website
Markt-Watch: Zwei laufende Prozesse im Radar
Neben den abgeschlossenen Deals dieser Woche laufen zwei große DACH-relevante Prozesse, die KW10 prägen:
EQT testet Markt für Thinkproject — AEC-Software-Exit in Sicht?
Seit dem 3. Februar 2026 ist bekannt, dass EQT seinen Anteil an Thinkproject zum Verkauf stellt. Der Münchener CDE- und AEC-Software-Spezialist soll nach Bloomberg-Informationen mit bis zu €1,5 Milliarden bewertet werden. Arma Partners begleitet den Prozess.
Thinkproject ist einer der wenigen europäischen Construction-Intelligence-SaaS-Anbieter mit echter Skalierung — 450 Mitarbeiter, 18 Büros in 11 Ländern, 2.750+ Kunden aus Bau, Infrastruktur und Anlagenbau. Als Common Data Environment (CDE) für große Infrastrukturprojekte ist Thinkproject tief in die Workflows von Bauherren und Generalunternehmern integriert — hohe Switching Costs, regulatorischer Rückenwind (EU-BIM-Mandate).
Status KW10: Kein Buyer bekannt. Der Prozess läuft. Strategische Kandidaten sind schwer zu nennen — Autodesk, Trimble, Nemetschek? Oder ein PE-Secondaries-Deal?
Warburg Pincus + PSI Software SE — Take-Private wartet auf Regulatory Close
Das €700-Mio.-Take-Private von PSI Software SE durch Warburg Pincus ist regulatorisch noch offen. Mit 83,24% der PSI-Aktien nach dem erweiterten Annahmezeitraum (abgelaufen am 2. Januar 2026) wartet Warburg Pincus auf behördliche Freigabe — erwartet im Q1 2026.
PSI Software ist ein Berliner Anbieter von Prozesssteuerungs- und Optimierungssoftware für Energieversorgungsunternehmen und Industrieunternehmen. Das ist kein klassisches SaaS-Unternehmen — es ist kritische Infrastruktur-Software für Energienetze. In der Post-SaaSpocalypse-Welt ist das maximal resilient: Energieversorger kündigen keine Grid-Management-Software, egal wie hoch AI-Agent-Adoption steigt.
Status KW10: Regulatory Close steht aus. Delisting geplant. Vollständige Privatisierung sobald genehmigt.
Fazit
KW10 zeigt das neue Normalmaß des PE-Dealmaking nach der SaaSpocalypse: Qualität vor Quantität, Vertikaltiefe vor Breite.
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All for One + apsolut: Strategische Konsolidierung im SAP-Ökosystem — Mission-Critical Consulting mit regulatorischen Treibern (CSRD, LkSG) und hohen Switching Costs. Genau die Art von Transaktion, die in einem volatilen Markt Sinn macht.
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Main Capital + Good Solutions: Industry-4.0-Wette auf OEE-Software mit echter Datenbasis, AI-Upgrade-Potenzial und strukturellem Wachstumstreiber. Wenn Manufacturing-Effizienz 2026 politisch priorisiert wird (EU Industrial Competitiveness Agenda, Energiewende), ist das die richtige Seite der Geschichte.
Die laufenden Prozesse (Thinkproject, PSI Software) zeigen: Der Exit-Markt ist nicht tot — er ist selektiver. Wer kritische Infrastruktur-Software oder tiefe Vertical-Expertise verkauft, findet Käufer. Wer generische Workflow-Tools verkauft, wartet.
Die Hausaufgabe für KW11: Wenn PSI Software seinen Regulatory Close bekommt, ist das ein €700M-Signal — Take-Privates für kritische Infrastruktur-Software sind wieder möglich.
Autor: Jochen Maurer | Stand: 6. März 2026