The Playbook
PE-Strategie

Buy-and-Build 2.0 — Die Konsolidierungs-Maschine im europäischen Software-Mid-Market

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PE-Strategie Buy-and-Build Vertical SaaS DACH M&A

Ein deutscher Mittelständler bekommt im Frühjahr 2025 zum dritten Mal innerhalb von achtzehn Monaten einen neuen Eigentümer aufs Briefpapier gedruckt. Erst der lokale Wettbewerber, der von einem niederländischen PE-Haus geschluckt wurde. Dann die Holding, in die das niederländische PE-Haus ihn einsortiert hat. Dann die Plattform, in die die Holding gerollt wurde. Der Geschäftsführer, ein Diplom-Ingenieur Mitte fünfzig, sagt am Telefon: “Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, für wen ich morgens den Wochenbericht schreibe.”

Das ist nicht die Ausnahme. Das ist Buy-and-Build 2026.

Laut Roland Bergers European PE Outlook 2026 sind in den letzten fünf Jahren rund €207 Mrd. in europäische Add-on-Akquisitionen geflossen. Add-ons machen mittlerweile über 70 % aller PE-Software-Deals in Europa aus — das Verhältnis hat sich seit 2018 umgedreht, als Platform-Deals noch dominierten. Die Konsolidierungs-Maschine hat einen Gang höher geschaltet. Und sie läuft nicht trotz, sondern wegen der Kapitalknappheit der letzten beiden Jahre: Wer keine neuen Platforms zu Premium-Multiples kaufen kann, baut die bestehenden aus.

Vom Buy-and-Build zum industriellen Add-on-Maschinenraum

Buy-and-Build war ursprünglich eine Verlegenheits-Strategie. In den späten Neunzigern und frühen 2000ern, als der europäische PE-Markt noch klein war, fehlten schlicht die großen Software-Targets, die ein Fonds zum Mid- oder Large-Cap-Preis hätte kaufen können. Also wurde gekauft, was da war — und drumherum aufgebaut.

Heute ist es das Gegenteil: Ein hochindustrialisierter Prozess mit dedizierten Buy-and-Build-Teams, eigenem M&A-Pipeline-Management, standardisierten 100-Tage-Plänen und harten KPIs für die Time-to-Integration. Hg Capital unterhält ein eigenes Knowledge-Sharing-Programm zwischen Portfolio-CEOs. Main Capital hat einen festen Buy-and-Build-Director pro Plattform. Bain Capital Tech hat 2024 ein eigenes Software-Add-on-Vehicle aufgelegt.

Die wichtigste Erkenntnis aus zehn Jahren Buy-and-Build-Industrialisierung lautet: Multiple-Arbitrage allein reicht nicht mehr. Wer 2014 ein €10-Mio.-EBITDA-Asset für 7x kaufte, drei Add-ons für je 5x dranklebte und das ganze Paket für 12x verkaufte, hatte ein Geschäftsmodell. 2026 hat das ganze deutsche Mid-Market-Universum dieses Spielbuch gelesen. Add-on-Multiples liegen heute bei 8-10x EBITDA. Der Spread ist schmal geworden.

Vertical SaaS: Warum 46 % aller SaaS-M&A in der Nische passieren

IMAPs Technology M&A Trends 2026 zeigt eine Zahl, die in PE-Kreisen mittlerweile zum Glaubenssatz geworden ist: 46 % aller globalen SaaS-M&A-Deals in 2024 entfielen auf Vertical SaaS — also branchenspezifische Software für Autohäuser, Anwaltskanzleien, Zahnarztpraxen, Bauunternehmen, Speditionen, Hörgeräte-Akustiker, Bestattungsunternehmen, Tierärzte.

Der Grund ist nicht romantisch. Er ist arithmetisch:

MetrikHorizontal SaaSVertical SaaS
Median CAC Payback18-24 Monate8-14 Monate
Brutto-Churn (Mid-Market)8-12 %3-6 %
Net Revenue Retention105-115 %110-130 %
Multiple-Range (ARR)4-7x5-9x
TAMgroß, aber umkämpftklein, aber zementiert

Quelle: IMAP Tech M&A Trends 2026, eigene Auswertung Playbook-Datenbasis

Vertical SaaS hat strukturelle Vorteile, die im AI-Zeitalter wichtiger werden, nicht unwichtiger. Genau dieses Argument haben wir in Software-Moats im AI-Zeitalter schon einmal aufgemacht: Regulatorische Komplexität, Workflow-Tiefe und Switching-Cost in einer Branche sind die schwersten Burggräben — und sie sind exakt das, was Vertical-Plattformen bauen.

Drei Mechaniken machen den Unterschied:

  • Mission-Critical-Status: Ein Autohaus kann das DMS nicht ausschalten — sonst kann es keine Werkstattaufträge mehr drucken. Ein Anwalt kann die Kanzleisoftware nicht ausschalten — sonst kann er keine Mandantenrechnung mehr stellen. Diese Software ist Operating System der Branche, nicht Tool.
  • Geringe Wettbewerbsdichte: In einer Nische mit €40 Mio. TAM in DACH gibt es selten mehr als drei ernsthafte Wettbewerber. Wer alle drei kauft, hat den Markt.
  • Regulatorische Cross-Compliance: Vertical-Software bildet branchenspezifische Compliance-Logik ab (GoBD, MaRisk, MPDG, ISO 13485, MaBV). Das ist nicht einfach replizierbar — auch nicht von einem AI-Startup.

Was Horizontal-Anbieter in der Add-on-Logik schwierig macht: Sie konkurrieren mit Microsoft, Salesforce, ServiceNow. Wer ein horizontales CRM-Tool kauft, kauft einen Wettbewerber von Salesforce. Wer ein DMS für Bestattungsunternehmen kauft, kauft einen Wettbewerber von — nichts. Außer dem zweitkleinsten DMS-Anbieter für Bestattungsunternehmen.

Main Capital vs. Hg Capital: Zwei Archetypen, ein Ergebnis

Wer Buy-and-Build im europäischen Software-Mid-Market verstehen will, sollte sich die beiden dominanten Spieler ansehen. Sie sind funktional Wettbewerber. Strategisch sind sie das Gegenteil voneinander.

Main Capital: Breite — der Schwarm-Ansatz

Main Capital Partners hält aktuell ein Portfolio von 45+ Plattformen mit zusammen weit über 200 Add-ons. Die Fonds-Größen sind moderat (Main VIII liegt bei €2,2 Mrd.), die Ticket-Sizes pro Platform-Deal selten über €100 Mio. Equity. Statt einer großen Wette werden viele mittlere gemacht.

Charakteristika:

  • Niederländisch-pragmatischer Stil: Keine Hands-on-Operatoren, aber harte Reporting-Disziplin. Monatliche KPI-Dashboards, klare 5-Jahres-Pläne.
  • Sektor-Spezialisierung in Bündeln: HR-Tech (Perbility, Textkernel — beide 2024 verkauft), Document & Workflow (mehrere Add-ons rund um Omnidocs), Public-Sector-Software, Healthcare-IT.
  • Exit-Disziplin: Main hat 2024 fünf Exits realisiert (Textkernel, Perbility, Enovation, Optimizers, JobRouter). Die durchschnittliche Haltedauer liegt bei 4,2 Jahren — kürzer als der DACH-PE-Median von 5,1 Jahren.
  • US-LP-Push 2026: Laut PE Insights zielt Main Capital für den nächsten Fonds auf €15 Mrd. AUM und holt aktiv amerikanisches LP-Kapital an Bord — Calpers und Calstrs sollen bereits committed sein.

Der Buy-and-Build-Ansatz bei Main lebt von Geschwindigkeit. Eine Plattform bekommt im Durchschnitt 4-6 Add-ons in 3-4 Jahren. Integration findet statt — aber selektiv. Backoffice und Pricing werden harmonisiert, Produkt-Stack bleibt oft modular.

Hg Capital: Tiefe — der Wal-Ansatz

Hg Capital operiert mit einer fundamental anderen Logik. Statt 45 Plattformen hält Hg etwa 50 — aber die durchschnittliche Position ist um den Faktor 5-10 größer. Hg’s Saturn-Fonds liegt bei €11 Mrd., die Genesis-Reihe finanziert große Mid-Market-Plattformen.

Charakteristika:

  • Wenige, dafür dominante Plattformen: Visma (TGV ~€20 Mrd.), Access Group, IRIS, P&I, Easyvista, MeinAuto Group.
  • Buy-and-Build als Konzern-Strategie, nicht als Add-on-Strategie: Visma hat über 200 Tochterunternehmen unter dem Dach — Hg hat aus Visma einen Holding-Konzern gebaut, kein Software-Produkt.
  • Längere Haltedauer: 6-8 Jahre sind keine Seltenheit. Hg ist mehrfacher Cross-Fund-Owner (verkauft Plattformen von Fund VIII an Fund IX). Klassisches Continuation-Vehicle-Modell.
  • Knowledge-Sharing-Apparat: Hg betreibt mit “Hg Forum” ein institutionalisiertes Format, in dem Portfolio-CEOs alle 6-8 Wochen Lessons-Learned austauschen. Das ist kein Marketing — das ist Operational-Alpha.

Hg’s Mechanik: Eine Plattform absorbiert über 8-10 Jahre 30-50 Add-ons und wird selbst zur Branchen-Konsolidierungs-Maschine. Visma im Nordics-Office-Markt, Access Group im UK-Mid-Market, IRIS im UK-Accountancy-Markt. Das sind keine Portfolio-Companies mehr — das sind De-facto-Monopolisten in ihrer geografischen Nische.

Welcher Ansatz gewinnt?

Beide. Aber für unterschiedliche Asset-Klassen. Mains Schwarm-Modell funktioniert in stark fragmentierten Vertical-Märkten mit vielen €5-20 Mio. ARR-Plattformen. Hgs Wal-Modell funktioniert dort, wo ein Bereich konsolidierungs-reif ist und ein klarer Champion entstehen kann.

Was beide gemeinsam haben: Disziplinierte Bewertungs-Logik beim Add-on-Einkauf. Add-ons werden bei beiden Häusern mit 1-2 Multiple-Punkten unter dem Platform-Multiple eingekauft. Wer das nicht schafft, baut keine Multiple-Arbitrage auf — der baut nur eine größere Holding.

Drei Fallstudien aus dem Playbook

TMA: Vier Add-ons in fünfzehn Monaten

TMA — die niederländische Schadenmanagement-Software für die Versicherungswirtschaft — ist ein Lehrbuch-Fall für vertikale Konsolidierung im engsten Sinne. Innerhalb von fünfzehn Monaten (Q3/2024 bis Q4/2025) hat TMA vier Add-ons absorbiert: drei in Benelux, eines in DACH. Das ARR ist von ca. €18 Mio. auf geschätzte €42 Mio. gewachsen, das EBITDA von €4 Mio. auf €12-14 Mio.

Was die Geschwindigkeit ermöglicht hat, ist eine technische Architektur, die schon vor dem ersten Add-on auf Multi-Tenant-Onboarding ausgelegt war. Kunden der zugekauften Firmen werden binnen 90 Tagen auf die TMA-Plattform migriert, das alte Produkt wird abgekündigt. Das ist die schwierige Variante — aber sie eliminiert technische Schulden, statt sie zu vererben.

Risiko: Bei diesem Tempo kann ein einziger missglückter Migrations-Sprint einen ganzen Sub-Markt vergiften. TMA hatte bisher Glück. Das hält sich nicht ewig.

Omnidocs: Document Automation als Buy-and-Build-These

Omnidocs (Main Capital, 2022) ist die Konsolidierungs-Plattform für Document Automation — die Software, die in Anwaltskanzleien, Versicherungen und Konzernen Word-Vorlagen, Briefe, Verträge und Berichte standardisiert.

Die These dahinter: Der Markt ist fragmentiert (zig regionale Anbieter mit jeweils €2-8 Mio. ARR), die Use-Cases sind universell genug für Cross-Selling, und große Konzerne kaufen lieber von einem Anbieter, der alle drei Use-Cases (Vertrag, Brief, Report) abdeckt. Omnidocs hat seit Übernahme durch Main Capital sechs Add-ons in Skandinavien, Benelux und DACH absorbiert. ARR-Wachstum: ca. 35 % pro Jahr, davon ungefähr die Hälfte aus M&A.

Was an Omnidocs auffällt: Main lässt der Plattform mehr Brand-Eigenständigkeit als üblich. Acquired Brands behalten ihre Identität in den ersten 18-24 Monaten, werden dann sukzessive unter die Omnidocs-Marke gefasst. Das ist langsamer als TMA — aber niedriger im Kunden-Verlust-Risiko.

CarWise: Automotive-ERP als Nischen-Vertical

CarWise ist die Konsolidierungs-Plattform im DMS-Markt (Dealer Management System) für Autohäuser. Markt-Charakteristik: stark fragmentiert (in DACH allein 12+ Anbieter), regulatorisch komplex (FIN-Stammdaten, MwSt-Sonderfälle, ELSTER-Anbindung, Herstellerschnittstellen), Mission-Critical (kein Autohaus kann das System ausschalten).

CarWise hat seit 2023 vier Add-ons absorbiert und ist damit nach geschätztem Marktanteil hinter den großen Herstellersystemen (DEKRA, T-Systems-Dealer-Solutions) der größte unabhängige Konsolidierer. Die Multiple-Arbitrage funktioniert hier besonders gut: Die zugekauften Familien-Unternehmen werden zu 4-5x EBITDA gekauft, in der Plattform aber zu 9-10x bewertet.

Risiko der Story: Sobald die OEMs (BMW, VW, Mercedes) ihre Händler-IT-Strategien stärker zentralisieren, könnte ein Teil des unabhängigen TAM wegbrechen. Das ist eine reale Bedrohung. CarWise begegnet ihr mit Multi-Brand-Strategie (kein OEM mehr als 25 % des Umsatzes).

PMI-Realität: Wann ist “zu schnell” zu schnell?

INSEAD hat 2024 in “How Private Equity Firms Can Ace Buy-and-Build” eine Zahl publiziert, die in der PE-Szene überraschend wenig diskutiert wurde: 44 % aller Buy-and-Build-Strategien performen unter Plan — und der häufigste Grund ist nicht falsche Targets, sondern gescheiterte PMI (Post-Merger-Integration).

Aus eigener Anschauung lassen sich drei typische PMI-Killer benennen:

  • Technische Integration aufgeschoben: Add-ons werden über 18-24 Monate “lose gekoppelt” gehalten — auf Holding-Ebene werden Finance und HR konsolidiert, das Produkt bleibt fragmentiert. Funktioniert kurz, kostet langfristig massiv Cross-Sell-Potential und CAC-Effizienz.
  • Kulturelle Integration unterschätzt: Vier Add-ons in fünfzehn Monaten (siehe TMA) heißt: viermal in fünfzehn Monaten verkündet ein Geschäftsführer seinen Mitarbeitern eine neue Mutter. Die Fluktuation in den ersten 12 Monaten nach Übernahme liegt im DACH-Mid-Market bei 18-28 % der Software-Entwickler. Wer Talent-Verluste nicht aktiv managt, baut keine Plattform — der baut eine Briefkasten-Holding.
  • CRM- und Pricing-Konsolidierung verzögert: Der häufigste Wertvernichter. Wenn Kunden in einer Plattform vier verschiedene Account-Manager haben, vier verschiedene Preislisten und vier verschiedene Service-Levels — dann ist das Cross-Sell-Story-Telling auf LP-Folien hübsch, in der Realität aber Kannibalisierung.

Die ehrliche Faustregel aus eigener Erfahrung lautet: Maximal 2-3 Add-ons pro Jahr pro Plattform — und nur, wenn das vorherige zu mindestens 70 % integriert ist. Wer schneller fährt, generiert kurzfristig EBITDA durch Konsolidierung von Backoffice, langfristig aber strukturelle Schwächen, die beim Exit-DD auf den Tisch kommen — und dann den Multiple drücken.

Die Buy-and-Build-Arithmetik 2026: Wo der Spread noch da ist

Vereinfacht funktioniert die Formel weiterhin:

Plattform-EBITDA (ex-Synergien) × Plattform-Multiple + Σ(Add-on-EBITDA × Spread zum Plattform-Multiple) + Synergien × Plattform-Multiple + organisches Wachstum = Exit-Value

Aber die Hebel haben sich verschoben:

Hebel2018-20212024-2026
Multiple-Arbitrage Platform vs. Add-on3-5 Multiple-Punkte1-2 Multiple-Punkte
Organisches Wachstum DACH-Software15-20 %8-12 %
Synergie-Realisierung (Backoffice)12-18 Monate18-30 Monate
Cross-Sell-Beitrag zu NRRoptionalerfolgskritisch

Die ersten beiden Hebel sind dünn geworden. Die letzten beiden — Synergie-Realisierung und Cross-Sell — sind dadurch zentral. Das erklärt auch, warum operative PE-Häuser (Hg, Vista, Thoma Bravo, EQT) mit ihren großen Value-Creation-Teams gegenüber rein finanziell orientierten Häusern den Vorsprung ausbauen.

Was 2026 zusätzlich dazukommt: AI-getriebene Produktivität. Wer in einer Plattform 30 % seiner Customer-Support-Tickets durch KI-Agenten lösen lässt, drückt nicht nur Kosten — er entkoppelt Umsatzwachstum von FTE-Wachstum. Das ist ein neuer Hebel, den frühere Buy-and-Build-Zyklen nicht hatten. Wir haben das in AI und die Zukunft von SaaS und in Pricing von AI-Funktionen für SaaS im Detail diskutiert.

US-LPs drängen nach Europa — was bedeutet das für DACH?

Die strategisch wichtigste Story für 2026 ist nicht ein einzelner Deal. Es ist die Kapital-Strömung. Nach mehreren Quartalen mit schwachem US-Mid-Market-PE-Fundraising und einer Überbewertung von US-Software-Assets schwenken US-LPs auf europäische Software-Buyout-Strategien um.

  • Main Capital plant laut PE Insights für den Nachfolge-Fonds €15 Mrd. AUM — gut die Hälfte davon aus US-Kapital (Pensionsfonds, Endowments).
  • Hg Capital hat im Frühjahr 2026 mit Hg Saturn 3 einen Fonds von >€13 Mrd. angekündigt.
  • Bain Capital Tech, KKR Tech, Vista Equity und Thoma Bravo haben für 2026 separate European Software-Add-on-Pools angekündigt.

Was das praktisch bedeutet:

  • Deutlich mehr Wettbewerb um DACH-Add-on-Targets. Wer mit €4-15 Mio. ARR und gesundem Wachstum unterwegs ist, wird nicht mehr ein- bis zweimal pro Jahr von einem Banker angerufen — sondern zwei- bis dreimal pro Quartal.
  • Höhere Add-on-Multiples. Der Spread Platform vs. Add-on, der oben bei 1-2 Multiple-Punkten liegt, dürfte 2026 weiter schmaler werden. Spätestens 2027 dürften wir Add-on-Multiples auf Platform-Niveau in den heißesten Vertical-Nischen sehen.
  • Mehr Cross-Border-Deals. US-LPs erwarten geografische Diversifikation. Eine reine DACH-Plattform ist schwerer zu finanzieren als eine DACH-Benelux-Nordics-Plattform.

Für DACH-Gründer mit €3-15 Mio. ARR ist 2026 vermutlich das beste Verkaufsfenster der letzten fünf Jahre. Für Käufer wird das Geschäft härter — Multiple-Arbitrage allein trägt nicht mehr, operative Exzellenz wird die Differenz machen.

Meine Perspektive 🎯

  • Buy-and-Build 2.0 ist eine operative Disziplin, keine Finanz-Story. Wer 2026 noch mit “Multiple-Arbitrage” auf der ersten LP-Folie wirbt, hat den Zug verpasst. Multiple-Spreads von 3-5 Punkten sind weg. Die nächsten 1.000 Basispunkte werden in der Integration verdient — oder verloren.
  • Vertical schlägt Horizontal — aber nur, wenn die Vertical-These wirklich verteidigt wird. Eine “Vertical-SaaS-Plattform”, die in fünf Branchen gleichzeitig wachsen will, ist keine Vertical-Plattform, sondern eine schlechte Horizontal-Plattform mit Branding-Problem.
  • Main vs. Hg ist keine “richtig oder falsch”-Frage, sondern eine Asset-Klassen-Frage. Wer fragmentierten Nischen-Schwarm hat, fährt das Main-Modell. Wer konsolidierungs-reifen Markt mit einem klaren Champion hat, fährt das Hg-Modell. Der Fehler wäre, beides zu mischen.
  • Geschwindigkeit ist nicht Wert. Tempo ist nicht Strategie. Vier Add-ons in fünfzehn Monaten klingt auf der Investor-Presentation großartig. In der Realität verbrennt es Kultur, Talent und Cross-Sell-Potential — wenn die Integrations-Maschine nicht vorher industrialisiert wurde. Wer schnell fahren will, baut zuerst die Bremsen.
  • Das beste Vertical-SaaS-Asset in DACH ist gerade noch nicht im PE-Besitz. Die Konsolidierung ist nicht vorbei — sie verlagert sich. Die ersten 200 Targets sind gelaufen. Die nächsten 500 liegen in den Familienunternehmen, deren Gründer 1985-95 ihre Software gebaut haben und jetzt 65-75 sind. Diese Welle hat gerade erst angefangen.

Framework: Wann ein Add-on wirklich Wert schafft

Vor jedem Add-on-Investment Checkliste, die in der Praxis funktioniert hat:

  • Kunden-Overlap < 30 %: Wenn mehr als 30 % der Add-on-Kunden bereits Plattform-Kunden sind, kauft man Umsatz, nicht Marktanteil. Multiple-Arbitrage rechnet sich, Cross-Sell nicht.
  • Tech-Stack-Kompatibilität in 12-18 Monaten machbar: Wenn das Add-on-Produkt auf einer Tech-Generation von vor 15 Jahren läuft (Delphi, VB6, ältere Java-EE-Stacks), wird die Migration länger dauern als die Halte-Periode.
  • Key-Person-Retention > 24 Monate: Wenn der Gründer/CTO des Add-ons nach Closing in 12 Monaten zur Tür raus ist, fällt das Produktwissen mit raus. Earn-out-Strukturen über 24-36 Monate sind keine Akquisitions-Bremse, sondern eine Risiko-Versicherung.
  • Customer-Concentration < 20 %: Wenn der größte Kunde des Add-ons über 20 % des Umsatzes ausmacht, kauft man kein Software-Geschäft, sondern eine kunden-spezifische Beratungs-Bude mit Subscription-Tarnung.
  • Pricing-Hebel > 15 % über 24 Monate: Wenn das Add-on-Produkt nicht über zwei Jahre um mindestens 15 % im Preis angehoben werden kann (durch Konsolidierung, Premium-Tier, AI-Features), ist die Multiple-Arbitrage allein das gesamte Investment-Case — und das ist 2026 zu wenig.

Wer die fünf Punkte vor jedem Closing strikt durchgeht, wird weniger Add-ons machen. Und die, die er macht, werden besser performen. Das ist Buy-and-Build 2.0 — kein Tempo-Wettrennen, sondern eine Disziplin-Übung.

Quellen