The Playbook

B2B Software Deals KW 04/2026: Mega-Take-Privates dominieren den Markt

Von Jochen Maurer

B2B Software Deals in DACH und Benelux: 16. - 23. Januar 2026

Take-Private-Welle rollt weiter. Nach Hg Capitals $6.4 Mrd. OneStream-Deal in KW02 greift jetzt das Duo Permira/Warburg Pincus mit $8.4 Milliarden bei Clearwater Analytics zu. Parallel schließt Thoma Bravo mit $12.3 Mrd. den größten Software-Take-Private der Firmengeschichte ab. Die Botschaft ist klar: PE-Häuser nutzen die Public-Market-Bewertungslücke für aggressive Einkäufe.

Im Mid-Market setzt Main Capital Partners die internationale Expansion fort - Whitevision erwirbt mit Document Logistix den ersten UK-Deal unter Main-Eigentum. In Skandinavien entsteht durch die Stratsys/Hypergene-Fusion eine führende Performance-Management-Plattform.


Deal 1: Permira & Warburg Pincus übernehmen Clearwater Analytics ($8.4 Mrd.)

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Ankündigung21. Dezember 2025 (Go-Shop endet 23. Januar 2026)
Deal-TypPE Take-Private
KäuferPermira (London), Warburg Pincus (New York), Francisco Partners, Temasek
ZielClearwater Analytics — Investment Accounting & Reporting Software
StandortBoise, Idaho, USA
VerkäuferPublic Shareholders (NYSE: CWAN), Permira/Warburg (existierende Mehrheit)
Deal-Wert$8.4 Mrd. ($24.55 pro Aktie, 47% Premium)

Clearwater Analytics wurde 2004 gegründet und bietet eine cloud-native Plattform für Investment Accounting, Performance Reporting und Risk Analytics. Die Plattform verwaltet über $7.3 Billionen an Assets für mehr als 1.300 Kunden - darunter Versicherungen, Asset Manager, Pensionsfonds und Corporates.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Permira und Warburg Pincus kannten Clearwater bereits - sie hatten die Firma 2021 an die Börse gebracht und blieben Mehrheitsaktionäre. Jetzt kaufen sie die Public-Minderheit zurück. Die Buy-Thesis: Investment-Accounting ist ein regulatorisch getriebener Markt mit starken Wechselkosten. Mit $7.3 Billionen AuM auf der Plattform ist Clearwater tief in kritische Finanzinfrastruktur eingebettet.

Tech-Stack & Integration: Clearwater’s Architektur ist interessant - eine Single-Instance Multi-Tenant SaaS-Plattform, die täglich Millionen von Transaktionen verarbeitet:

  • Data Aggregation: Integration mit über 300 Custodians, Prime Brokers und Datenquellen weltweit
  • Multi-GAAP Compliance: IFRS 9, IFRS 17, US GAAP - automatisierte Rechnungslegungsregeln für verschiedene Jurisdiktionen
  • Real-Time Reporting: Von täglichen NAV-Berechnungen bis zu regulatorischen Filings (Solvency II, NAIC)
  • API-First Architecture: Headless-Ansatz ermöglicht Integration in bestehende Investment-Workflows

AI-Implikation: Investment Accounting ist reif für AI-Transformation:

  • Automated Reconciliation: ML-basierte Matching-Algorithmen für Trade-Settlement-Prozesse
  • Anomaly Detection: Echtzeit-Alerts bei ungewöhnlichen Portfoliopositionen oder Preisabweichungen
  • Predictive Compliance: AI-gestützte Früherkennung regulatorischer Risiken
  • Natural Language Reporting: Automatisch generierte Investment-Kommentare und Board-Reports

Meine Perspektive 🎯

Neues Terrain - Investment Accounting ist außerhalb meiner Kernexpertise, aber die Deal-Struktur ist faszinierend.

  1. Back-to-Private Arbitrage: Permira/Warburg haben Clearwater 2021 für ~$5.5 Mrd. an die Börse gebracht. Jetzt kaufen sie für $8.4 Mrd. zurück - trotz 47% Premium ein Beweis, dass sie das Unternehmen günstiger bewertet sehen als den IPO-Peak
  2. Go-Shop endet heute (23.01.2026): Die Frist für konkurrierende Angebote läuft aus. Dass kein höheres Gebot kam, zeigt: Der Markt sieht den Preis als fair
  3. Fintech-Infrastruktur als Safe Haven: Regulatorische Komplexität ist hier Feature, nicht Bug. Neue Compliance-Anforderungen (IFRS 17, Solvency II Updates) treiben Nachfrage

Die Fragen:

  • Market Concentration: Wie viel Marktanteil hat Clearwater wirklich? BlackRock Aladdin, State Street und Bloomberg sind starke Wettbewerber
  • Switching Costs vs. Competition: Wie hoch sind die Wechselkosten wirklich, wenn moderne APIs Integration erleichtern?
  • Growth Runway: Mit >1.300 Kunden - wie viel Neugeschäft ist realistisch in einem spezialisierten Markt?

Weiterführende Links:


Deal 2: Whitevision übernimmt Document Logistix (Main Capital-backed)

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Closing13. Januar 2026
Deal-TypPE-backed Add-on Akquisition
KäuferWhitevision (Breda, Niederlande), backed by Main Capital Partners
ZielDocument Logistix — Document Automation & Management Software
StandortMilton Keynes, UK
VerkäuferGründer/Management
Deal-WertNicht bekannt

Document Logistix wurde 2011 gegründet und entwickelt Document Automation und Management Software für den Enterprise-Markt. Dies ist Whitevisions vierte Akquisition im Rahmen der Buy-and-Build-Strategie - und der erste internationale Deal unter Main Capital-Eigentum.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Main Capital baut über Whitevision einen europäischen Champion für Intelligent Document Processing (IDP). Nach drei Akquisitionen in den Niederlanden kommt nun UK hinzu - der größte europäische Markt für Document-Management-Software. Die Buy-Thesis: Automatisierte Dokumentenverarbeitung ist ein fragmentierter Markt mit klaren Konsolidierungsopportunitäten.

Tech-Stack & Integration: Die Integration von Document Logistix erweitert Whitevisions Capabilities:

  • Capture-to-Process Pipeline: Vom Dokumenteneingang über OCR bis zur ERP-Integration
  • Workflow Automation: Freigabeprozesse, Rechnungsprüfung, Vertragsmanagement
  • Multi-Format Processing: PDF, E-Mail, Papier - alle Eingabekanäle in einem System
  • UK-Markt-Expertise: Lokale Compliance (HMRC, Companies House) und Kundenbeziehungen

AI-Implikation: Document Processing ist ein Kernbereich der AI-Transformation:

  • Intelligent OCR: Von regelbasierter Extraktion zu ML-basiertem Dokumentenverständnis
  • Auto-Classification: Automatische Kategorisierung und Routing von Dokumenten
  • Extraction Accuracy: Large Language Models verbessern die Erkennungsrate bei unstrukturierten Dokumenten
  • Process Mining: AI analysiert Dokumentenflüsse und identifiziert Optimierungspotenziale

Meine Perspektive 🎯

Home Turf - Document Management und -Automation kenne ich aus mehreren DDs. Der Deal ist strategisch clever:

  1. UK als Sprungbrett: Der britische Markt ist kompetitiv, aber auch profitabel. Document Logistix bringt etablierte Kundenbeziehungen
  2. IDP-Konsolidierung: Der Markt für Intelligent Document Processing ist fragmentiert. Wer jetzt konsolidiert, kann Standards setzen
  3. Main Capital’s Playbook: Klassische Buy-and-Build-Strategie - niederländischer Champion expandiert international mit PE-Backing

Die kritischen Fragen:

  • Tech-Stack-Kompatibilität: Wie unterschiedlich sind die Architekturen von Whitevision und Document Logistix?
  • Integration-Tiefe: Werden die Produkte zusammengeführt oder bleiben es separate Marken?
  • UK Post-Brexit: Wie beeinflusst die UK-EU-Divergenz die Produktstrategie?

Weiterführende Links:


Deal 3: Stratsys und Hypergene fusionieren (Thoma Bravo/Verdane)

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AnkündigungDezember 2025 (Closing erwartet Q1 2026)
Deal-TypPE-backed Merger
ParteienStratsys (Verdane-backed) + Hypergene (Thoma Bravo-backed)
ZielFusion zur führenden nordischen Performance-Management-Plattform
StandorteSchweden, Norwegen, Finnland, Deutschland
VerkäuferVerdane realisiert Investment in Stratsys
Deal-WertNicht bekannt (kombiniert ~400 Mitarbeiter, >1.100 Kunden)

Stratsys ist spezialisiert auf Compliance, Risk Management und Strategy Execution mit ~170 Mitarbeitern und >500 Kunden. Hypergene fokussiert auf Financial Planning & Analysis (FP&A) und Portfolio Management mit ~230 Mitarbeitern und >600 Kunden. Die Fusion schafft eine End-to-End Performance-Management-Plattform für den nordischen Markt.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Die Fusion verbindet zwei komplementäre Stärken. Hypergene (Financial Planning) + Stratsys (Strategy Execution) ergibt eine Plattform, die den gesamten Plan-to-Execute-Zyklus abdeckt. Die Buy-Thesis: Unternehmen wollen weg von fragmentierten Tools hin zu integrierten Plattformen für Strategie, Finanzen und Compliance.

Tech-Stack & Integration: Die Zusammenführung zweier SaaS-Plattformen hat spezifische Herausforderungen:

  • Data Model Harmonization: FP&A-Daten und Strategy-Metrics in ein gemeinsames Schema
  • User Experience Consolidation: Einheitliche UI/UX für Finance- und Strategy-Teams
  • API-Integration: Beide Plattformen müssen mit ERP-Systemen (SAP, Microsoft) kommunizieren
  • Multi-Country Deployment: Schweden, Norwegen, Finnland, Deutschland - unterschiedliche Compliance-Anforderungen

AI-Implikation: Performance Management ist ein AI-Sweet-Spot:

  • Predictive Planning: ML-basierte Forecasts, die historische und externe Daten kombinieren
  • Automated Reporting: AI-generierte Management-Berichte mit Narrativ
  • Anomaly Detection: Früherkennung von Planabweichungen und Risiken
  • Strategy Recommendations: AI-gestützte Handlungsempfehlungen basierend auf KPI-Entwicklung

Meine Perspektive 🎯

Neues Terrain - Nordische SaaS-Konsolidierung ist spannend, weil der Markt anders tickt als DACH.

  1. Thoma Bravo meets Verdane: Zwei der aktivsten europäischen Software-Investoren in einem Deal. Das signalisiert: Beide sehen Konsolidierungspotenzial im Performance-Management-Markt
  2. Public Sector Focus: Beide Firmen haben starke Positionen im öffentlichen Sektor. Die Fusion schafft einen dominanten Player für Government-Performance-Management
  3. DACH-Expansion: Hypergene hat bereits Büros in Deutschland. Die Fusion könnte die DACH-Expansion beschleunigen

Die Fragen:

  • Cultural Fit: Schwedische Unternehmenskultur bei beiden - das sollte funktionieren. Aber wie sieht das Leadership-Setup aus?
  • Product Roadmap: Werden beide Produkte parallel weiterentwickelt oder gibt es eine Unified-Platform-Vision?
  • Competitive Positioning: Wie differenziert sich die fusionierte Einheit gegen Workday Adaptive, Anaplan und Board?

Weiterführende Links:


Deal 4: EQT Growth investiert $300 Mio. in Mews ($2.5 Mrd. Bewertung)

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Ankündigung22. Januar 2026
Deal-TypGrowth Equity
KäuferEQT Growth (Stockholm)
ZielMews — Cloud-basierte Hotel-Management-Software
StandortPrag, Tschechien
Deal-Wert$300 Mio. bei $2.5 Mrd. Bewertung

Mews wurde 2012 in Prag gegründet und entwickelt eine cloud-native Property Management System (PMS) Plattform für Hotels aller Größenklassen. Die Finanzierungsrunde soll primär die Entwicklung von agent-based AI-Systemen für Hotels beschleunigen und das internationale Wachstum unterstützen.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Mews positioniert sich als moderne Alternative zu Legacy-PMS-Systemen wie Oracle Opera oder Protel. Die Plattform deckt den gesamten Hotel-Operations-Stack ab: Reservierungen, Check-in/out, Housekeeping, Revenue Management und Zahlungsabwicklung. Der Fokus auf API-first Architecture ermöglicht tiefe Integrationen mit OTAs, Payment-Providern und IoT-Systemen.

Tech-Stack & Integration: Als cloud-native Plattform adressiert Mews die Modernisierungswelle in der Hospitality-Branche:

  • Multi-Property Management: Zentrale Steuerung für Hotelketten
  • Open API Ecosystem: Integration mit >500 Drittanbieter-Apps
  • Real-Time Data: Live-Dashboards für Occupancy, Revenue und Guest Experience
  • Mobile-First: Guest-Apps für kontaktlosen Check-in und Services

AI-Implikation: EQT’s Investment zielt explizit auf agent-based AI für Hotels:

  • Dynamic Pricing: AI-gestützte Revenue-Optimierung in Echtzeit
  • Predictive Housekeeping: Vorhersage von Zimmerbelegung und Reinigungsbedarfen
  • Guest Personalization: Automatische Anpassung von Services basierend auf Gästeprofilen
  • Conversational Booking: AI-Agenten für Reservierungen und Gästeanfragen

Meine Perspektive 🎯

Neues Terrain - HotelTech ist außerhalb meiner Kernexpertise, aber der Deal zeigt interessante Muster:

  1. EQT Growth’s AI-Thesis: Die explizite Fokussierung auf “agent-based AI” zeigt, dass EQT in vertikale AI-Anwendungen investiert - nicht nur horizontale AI-Infrastruktur
  2. European HotelTech Champion: Mews aus Prag ist ein seltenes Beispiel für einen europäischen B2B-SaaS-Champion, der global skaliert
  3. $2.5 Mrd. Bewertung: Das ist signifikant für HotelTech - vergleichbar mit Cloudbeds und höher als viele Legacy-PMS-Anbieter

Die Fragen:

  • Competitive Landscape: Wie positioniert sich Mews gegen Oracle Hospitality, Protel (Planet) und Apaleo?
  • AI-Differenzierung: Können agent-based AI-Features wirklich ein Moat sein, oder wird das schnell zum Table Stakes?
  • Enterprise vs. Boutique: Mews’ Stärke liegt im Mid-Market - kann die Plattform auch Enterprise-Ketten gewinnen?

Weiterführende Links:


Marktkontext: Take-Private-Welle erreicht neuen Höhepunkt

KW04/2026 markiert einen historischen Moment für Software-Take-Privates. Mit Clearwater Analytics ($8.4 Mrd.), Dayforce ($12.3 Mrd.) und OneStream ($6.4 Mrd.) wurden in weniger als zwei Monaten über $27 Milliarden an Public-to-Private-Transaktionen angekündigt.

Drei Treiber kristallisieren sich heraus:

1. Bewertungsarbitrage ist real: Public Markets bewerten Software-Unternehmen 30-50% unter den Peaks von 2021. PE-Häuser sehen das als Einkaufsgelegenheit - besonders bei profitablen, mission-critical Software-Anbietern.

2. CFO-Software als Cluster: Clearwater (Investment Accounting), OneStream (CPM), Dayforce (HCM) - alle drei Targets adressieren den CFO als Entscheider. Die These: Finance-Software ist sticky, regulatorisch getrieben und AI-fähig.

3. Konsortien werden Standard: Permira + Warburg + Francisco Partners + Temasek bei Clearwater. Thoma Bravo + ADIA bei Dayforce. Hg + General Atlantic bei OneStream. Mega-Deals erfordern Mega-Konsortien.


Ausblick: Q1 2026 - Die Closing-Welle

Mehrere angekündigte Deals stehen vor dem Closing:

  • Septeo → stp.one (~EUR 560 Mio.): Europas größte Legal-Tech-Plattform entsteht. Closing erwartet Q1 2026.
  • Thoma Bravo → Dayforce ($12.3 Mrd.): Der größte Software-Take-Private in Thoma Bravos Geschichte.
  • Francisco Partners → Jamf ($2.2 Mrd.): Apple-Device-Management-Leader wird privatisiert.
  • Hg → OneStream ($6.4 Mrd.): Closing erwartet H1 2026.

Das Volumen der erwarteten Closings in Q1 2026 könnte $25 Milliarden übersteigen - ein Rekordquartal für Software-PE.


Fazit

KW04/2026 zeigt: Die Take-Private-Welle ist kein Einzelphänomen, sondern ein struktureller Trend. PE-Häuser haben das Kapital, die These (CFO-Software + AI) und die Gelegenheit (deprimierte Public-Bewertungen).

Für den Mid-Market interessant: Main Capital Partners zeigt mit dem Whitevision/Document-Logistix-Deal, dass auch im Lower-Mid-Market internationale Expansion möglich ist. Die Stratsys/Hypergene-Fusion demonstriert, dass Thoma Bravo und Verdane auch in Skandinavien aktiv konsolidieren.

Die AI-Implikation ist bei allen Deals zentral: Wer die Daten hat, kann AI-Features bauen. Clearwater mit $7.3 Billionen AuM, Whitevision mit Millionen verarbeiteter Dokumente, Stratsys/Hypergene mit Performance-Daten von >1.100 Kunden - alle sammeln die Trainingsdaten für vertikale AI-Modelle.


Autor: Jochen Maurer | Stand: 23. Januar 2026