SUSE
SUSE ist ein deutscher Anbieter von Enterprise-Linux-Distributionen, Container-Plattformen und Edge-Computing-Lösungen mit Hauptsitz in Nürnberg und...
SUSE
SUSE ist ein deutscher Anbieter von Enterprise-Linux-Distributionen, Container-Plattformen und Edge-Computing-Lösungen mit Hauptsitz in Nürnberg und Luxemburg. Das Unternehmen entstand 1992 in Nürnberg und gilt als ältester noch aktiver kommerzieller Linux-Distributor weltweit. Seit 2018 ist SUSE im Besitz von EQT, nach IPO 2021 wurde das Unternehmen 2023 wieder von der Börse genommen.
Überblick
- Typ: Firma (Enterprise Open Source Software)
- Gründung: 1992
- Hauptsitz: Nürnberg (operativ), Luxemburg (Holding)
- Website: https://www.suse.com
- Mitarbeiter: ~2.000 (2024)
- Umsatz: ~675 Mio. USD ARR (FY2023)
- CEO: Dirk-Peter van Leeuwen (seit 2024)
- Eigentümer: EQT (Marlin Holdings)
- Status: Private (seit Q1 2024, vorher SUSE S.A. an Frankfurter Börse)
Produkte und Services
| Produkt | Kategorie |
|---|---|
| SUSE Linux Enterprise Server (SLES) | Enterprise-Linux-Distribution |
| openSUSE Leap / Tumbleweed | Community-Distributionen |
| SUSE Rancher | Kubernetes-Management (Multi-Cluster) |
| SUSE NeuVector | Container-Security |
| SUSE Edge | Edge-Computing-Stack |
| SUSE Manager | Linux-Lifecycle-Management |
| SUSE Liberty Linux | RHEL-Support-Alternative (gemischte Estates) |
Kerngeschäft ist SLES — die kommerzielle Linux-Distribution mit Long-Term-Support, primär für SAP-Workloads, HPC und Mainframe (IBM Z, Power). SUSE ist seit Jahren Marktführer bei Linux für SAP HANA. Mit Rancher (Übernahme 2020) und NeuVector (Übernahme 2021) hat das Unternehmen das Portfolio um die Cloud-Native-Schicht erweitert.
Im Juli 2023 startete SUSE als Reaktion auf die Red-Hat-Source-Code-Restriktionen das Projekt Liberty Linux, eine RHEL-kompatible Distribution mit eigener Investment-Zusage von 10 Mio. USD über mehrere Jahre.
Geschichte und Entwicklung
1992: Gründung als „Software und System-Entwicklung GmbH” durch Roland Dyroff, Burchard Steinbild, Hubert Mantel und Thomas Fehr in Nürnberg. Ursprünglich Distributor von Slackware in Deutschland.
1994: Erste eigene Distribution S.u.S.E. Linux 1.0.
2003: Übernahme durch Novell für 210 Mio. USD. Microsoft-Partnership 2006 (Interoperabilitätsabkommen) sorgte in der Community für Kontroversen.
2011: Novell wird von Attachmate übernommen, SUSE wird eigenständige Tochter.
2014: Attachmate fusioniert mit Micro Focus, SUSE wird Micro-Focus-Tochter.
2018: Verkauf an EQT für 2,535 Mrd. USD (Carve-out aus Micro Focus). Erster echter Sponsor-Deal, Melissa Di Donato wird 2019 CEO.
2020: Übernahme von Rancher Labs für rund 600–800 Mio. USD (nicht offiziell bestätigt).
2021: IPO an der Frankfurter Börse, Erstnotiz bei 30 EUR, Bewertung rund 5,7 Mrd. EUR.
2023: EQT kündigt Squeeze-out an, nimmt SUSE bei 16 EUR/Aktie wieder von der Börse — Reflektion der schwachen Kursentwicklung seit IPO. Delisting Anfang 2024.
2024: Dirk-Peter van Leeuwen (vorher Red Hat APAC) wird CEO und folgt auf Di Donato.
Team und Führung
- Dirk-Peter van Leeuwen — CEO (seit 2024)
- Werner Knoblich — Chief Revenue Officer
- Thomas Di Giacomo — President Engineering and Innovation
- Andy Gay — Chief Product Officer
Im Aufsichtsrat sitzen mehrere EQT-Vertreter, darunter Johannes Reichel als Chairman.
Investoren und Eigentümer
- Investor: EQT
- Fonds: EQT VIII (Akquisition 2018/2019)
- Vintage: 2018
- Möglicher Exit-Zeitraum: 2026–2028 (Fonds-Vintage + 8–10 Jahre)
- Quelle: EQT Press Release zur SUSE-Akquisition (2018)
EQT hat SUSE 2018 aus EQT VIII gekauft. Der IPO 2021 brachte Teilrealisierung, war aber kein klassischer Exit — EQT blieb Mehrheitseigner. Das Delisting 2023/2024 deutet eher auf einen Continuation-Vehicle-Ansatz oder eine Verlängerung der Haltedauer hin, da der Public-Market-Discount auf SUSE im Vergleich zu Red Hat (von IBM 2019 für 34 Mrd. USD übernommen) zu hoch erschien. Plausibler Sponsor-to-Sponsor- oder Trade-Sale ab 2026.
Konkurrenz
Im Enterprise-Linux- und Cloud-Native-Markt steht SUSE primär gegen drei Lager:
| Wettbewerber | Bereich |
|---|---|
| Red Hat (IBM) | RHEL, OpenShift — Marktführer, deutlich größer |
| Canonical (Ubuntu) | Ubuntu Server, MicroK8s, LXD |
| Oracle Linux | RHEL-Klon mit Oracle-Support |
| AlmaLinux / Rocky Linux | Community-RHEL-Forks (kostenlos) |
| VMware Tanzu (Broadcom) | Kubernetes-Plattform |
| Mirantis | Kubernetes/OpenStack |
Im SAP-Linux-Segment ist SUSE traditionell führend, bei Cloud-Native (Rancher) ist Red Hat OpenShift der dominante Konkurrent. Im DACH-Markt profitiert SUSE vom „European Tech Sovereignty”-Narrativ — als einer der wenigen großen Enterprise-Software-Anbieter mit deutscher Heritage.