omni:us
omni:us ist ein Berliner KI-Unternehmen, das Schadenbearbeitung für Versicherer automatisiert. Die Software liest eingehende Schadenmeldungen aus, klassifiziert sie und führt Standardfälle von der Meldung bis zur Auszahlung durch — bei komplexen Fällen assistiert ein KI-Copilot dem Sachbearbeiter. Zu den Kunden zählen Allianz, UNIQA und MS Amlin. Im August 2026 wurde omni:us vom Dortmunder IT-Dienstleister adesso übernommen.
Überblick
| Typ | Firma (InsurTech / KI-Software) |
| Gegründet | 2015 |
| Hauptsitz | Berlin, Deutschland |
| CEO | Thomas Hauschild |
| Mitgründer | Sofie Quidenus-Wahlforss, Martin Micko, Eric Pfarl, Harald Gölles |
| Segment | Claims Automation für Sach-/Haftpflicht (P&C) und Kranken |
| Status | Übernommen (adesso, August 2026) |
| Website | omnius.com |
Produkte und Services
omni:us bietet eine agentenbasierte KI-Plattform für die Schadenbearbeitung. Der Kern ist eine End-to-End-Automatisierung standardisierter Schäden: Die Software erfasst die First Notice of Loss, extrahiert und strukturiert Dokumenteninhalte, prüft Deckung und Plausibilität und steuert den Fall bis zur Zahlungsfreigabe. Für komplexe oder strittige Fälle liefert ein agentischer Copilot Entscheidungsvorschläge und Kontext an den menschlichen Sachbearbeiter, statt vollautomatisch zu entscheiden.
Die zugrundeliegenden Modelle wurden nach Unternehmensangaben auf Millionen annotierten Schadenfällen und über 80 Millionen Versicherungsdokumenten trainiert. Das Geschäftsmodell lief lange als „AI-as-a-Service”: Versicherer buchen die kognitiven Bausteine als Cloud-Dienst und binden sie an ihre Kernsysteme an. Als Referenzwerte nennt omni:us Effizienzgewinne von bis zu 35 Prozent und Verbesserungen der Schadenquote (Claims Ratio) um bis zu vier Prozentpunkte.
Technologisch setzte omni:us früh auf eine Cloud-Pipeline (u. a. auf Google Cloud) und arbeitete mit Beratungs- und Integrationspartnern wie Deloitte, EY und KPMG sowie den Hyperscalern Microsoft und AWS zusammen.
Geschichte und Entwicklung
omni:us ging aus dem Berliner KI-Unternehmen SearchInk hervor und wurde 2015 gegründet. Gründerin und langjähriges Gesicht des Unternehmens war Sofie Quidenus-Wahlforss, die zuvor mit dem Buchscanner-Hersteller Qidenus Technologies unternehmerisch aktiv war.
Der Durchbruch bei der Finanzierung kam 2018: Im Oktober 2018 führte Target Global einen ersten Series-A-Abschluss über 22,5 Mio. USD an. Anfang 2020 stockte ein zweiter Abschluss unter Führung von CommerzVentures die Series A um 13,5 Mio. USD auf rund 35,5 Mio. USD auf — explizit zur Expansion in den US-Markt. Über alle Runden summierte sich das eingesammelte Kapital auf etwa 52,7 Mio. USD.
Nach einer Phase mit Wechsel an der Unternehmensspitze übernahm Thomas Hauschild die Rolle des CEO. Am 12. August 2026 gab adesso die Übernahme von omni:us bekannt. omni:us bleibt als eigene Marke innerhalb der adesso Group bestehen; die KI-Anwendung soll in die Versicherungsplattform in|sure Ecosphere eingebettet werden, statt als eigenständiges Produkt zu laufen. Bestandskunden erhalten laut adesso weiter Support in ihren bestehenden Umgebungen.
Team und Führung
CEO ist Thomas Hauschild, das bestehende Management-Team wird nach der Übernahme fortgeführt. Das Unternehmen wurde 2015 von Sofie Quidenus-Wahlforss (Gründerin und langjährige CEO), Martin Micko, Eric Pfarl und Harald Gölles gestartet.
Investoren und Eigentümer
Seit August 2026 ist omni:us Teil der adesso Group (strategischer Käufer, kein Finanzinvestor). Die Deal-Konditionen wurden nicht veröffentlicht.
Vor der Übernahme war omni:us VC- und Corporate-VC-finanziert. Zu den Kapitalgebern der Series A und Folgerunden zählten:
| Investor | Rolle |
|---|---|
| Target Global | Lead Series A (Oktober 2018) |
| CommerzVentures | Lead Series-A-Extension (Anfang 2020) |
| UNIQA Ventures | Corporate VC (Versicherer) |
| Viola FinTech | Series-A-Extension |
| Talis Capital, Anthemis, MMC Ventures, Unbound | Series A |
| WGV / Württembergische & Badische Versicherung | strategischer Investor |
Eine Exit-Prognose auf Basis eines PE-Fonds-Vintages entfällt: omni:us war Venture-finanziert, es wurde kein PE-Fonds mit explizitem Fondsnamen als Eigentümer genannt. Der Exit erfolgte 2026 über den Trade Sale an adesso.
Konkurrenz
Im Markt für KI-gestützte Schadenautomatisierung und Dokumentenverarbeitung für Versicherer steht omni:us in Wettbewerb mit spezialisierten InsurTechs und Automatisierungsanbietern. International sind das etwa Tractable, Shift Technology, Sprout.ai und EvoLance/Cape Analytics; im weiteren Sinne konkurriert die Plattform mit den KI-Bausteinen der großen Kernsystem- und Policy-Management-Anbieter (z. B. Guidewire, msg) sowie mit generischen Intelligent-Document-Processing-Anbietern. Durch die Integration in adessos in|sure Ecosphere verschiebt sich omni:us stärker in Richtung eingebettete Funktion eines Versicherungs-Kernsystems statt eigenständiger Best-of-Breed-Lösung.
Quellen
- adesso: AI agents for insurers – adesso acquires AI claims platform omni:us (12.08.2026)
- EU-Startups: Berlin AI InsurTech startup omni:us acquired by Dortmund’s adesso
- Business Wire: omni:us Closes Series A Funding, Bringing Total Investment to USD 22.5 Million (30.10.2018)
- CommerzVentures: omni:us increases Series A financing by $13 million
- Google Cloud Customer Story: omni:us
- Dealroom: omni:us company profile