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Meyer Werft

Meyer Werft: Die Meyer Werft ist eine deutsche Schiffswerft mit Hauptsitz in Papenburg an der Ems und gehört zu den weltweit führenden Werften im...

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Meyer Werft

Die Meyer Werft ist eine deutsche Schiffswerft mit Hauptsitz in Papenburg an der Ems und gehört zu den weltweit führenden Werften im Kreuzfahrtschiffbau. Das 1795 gegründete Traditionsunternehmen blieb über sieben Generationen in Familienbesitz, bis im September 2024 der Bund und das Land Niedersachsen rund 80 Prozent der Anteile übernahmen. Die Meyer Werft betreibt die größten überdachten Trockendocks der Welt und beschäftigt zusammen mit ihren Tochterunternehmen rund 7.000 Mitarbeiter an drei Standorten in Deutschland und Finnland.

Überblick

Merkmal Details
Unternehmenstyp Schiffswerft (Kreuzfahrtschiffbau)
Gründung 28. Januar 1795
Gründer Willm Rolf Meyer
Hauptsitz Papenburg, Niedersachsen, Deutschland
Website meyerwerft.de
Mitarbeiter ca. 7.000 (Meyer Gruppe), ca. 3.300 (Papenburg)
Eigentümer ca. 80% Bund/Land Niedersachsen, ca. 20% Familie Meyer

Produkte und Services

Kreuzfahrtschiffe

Die Meyer Werft hat sich seit 1986 auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert. Mit der “Homeric” wurde das erste Kreuzfahrtschiff ausgeliefert. Seitdem sind über 60 Kreuzfahrtschiffe in den Baudockhallen entstanden.

Wichtige Kunden:

  • Disney Cruise Line – Auftragsvolumen für fünf Schiffe (2027–2031)
  • MSC Cruises – Strategische Partnerschaft über zehn Milliarden Euro für vier Schiffe plus zwei Optionen (2030–2035)
  • Carnival Cruise Line – Zwei Excel-Class-Schiffe (2027–2028)
  • NYK Cruises – Asuka III (ausgeliefert April 2025)

Weitere Geschäftsfelder

  • Offshore-Konverterplattformen – Seit 2024 Stahlbau für Offshore-Windenergieanlagen
  • Megayachten – Über das Tochterunternehmen Meyer Yachts (u.a. Projekt “Ulyssia”)
  • Flusskreuzfahrtschiffe – Über die Neptun Werft

Geschichte und Entwicklung

Gründung und Frühphase (1795–1871)

Am 28. Januar 1795 erwarb Willm Rolf Meyer ein Grundstück am Papenburger Hauptkanal und gründete die “Thurm Werft”. Die ersten Schiffe waren kleine Holzsegler – sogenannte Mutten und Kuffen. Bis zu seinem Tod 1841 baute der Werftgründer mehr als 60 Holzschiffe.

Umstellung auf Eisenschiffbau (1872–1950)

1872 vollzog die Werft den entscheidenden Schritt zum Eisenschiffbau. Der Raddampfer “Triton” war 1874 das erste Schiff dieser Art. Während viele der etwa 20 Papenburger Werften die Umstellung nicht überlebten, sicherte dieser Technologiewechsel das Überleben der Meyer Werft. 1922 lief der erste Stückgutfrachter “Durazzo” vom Stapel.

Wachstum und Diversifikation (1950–1985)

1960 folgte der erste Gastanker, und 1963 verließ erstmals ein mehr als 100 Meter langes Schiff die Werft. Die Werft baute eine Vielzahl von Schiffstypen: Autotransporter, Containerschiffe und Fähren.

Kreuzfahrtära (1986–heute)

1986 markierte der Bau der “Homeric” den Einstieg in den Kreuzfahrtschiffbau – eine strategische Entscheidung, die das Unternehmen zum Weltmarktführer machen sollte. 1987 wurde das erste überdachte Trockendock eingeweiht, das wetterunabhängiges Arbeiten ermöglichte.

Expansion der Meyer Gruppe

  • 1997: Übernahme der Neptun Werft in Rostock
  • 2014/2015: Übernahme der STX Finland (heute Meyer Turku) in Finnland

Krise und Teilverstaatlichung (2024)

Aufgrund steigender Energie- und Materialkosten sowie Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie geriet die Werft in finanzielle Schwierigkeiten. Am 16. September 2024 wurden die Verträge zur Teilverstaatlichung unterzeichnet – Bund und Land Niedersachsen erwarben rund 80 Prozent für 400 Millionen Euro und stellten zusätzlich Garantien in Milliardenhöhe bereit.

Team und Führung

Historische Führung (Familie Meyer)

Generation Name Zeitraum
1. Generation Willm Rolf Meyer 1795–1841
6. Generation Bernard Meyer 1973–2024
7. Generation Dr. Jan Meyer, Tim Meyer 2012/2016–2024

Bernard Meyer (*1948 in Papenburg) prägte das Unternehmen über 50 Jahre. Er trat 1973 in die Werft ein, wurde 1976 Mitglied der Geschäftsleitung und war seit 1982 geschäftsführender Gesellschafter.

Aktuelle Geschäftsführung (seit 2024)

  • Dr. Bernhard Eikens
  • Ralf Schmitz
  • Melanie Freytag

Nach der Teilverstaatlichung sind die Meyer-Söhne nicht mehr Teil der Konzern-Geschäftsführung. Dr. Jan Meyer wechselte als Business Innovation Officer zur Neptun Werft.

Eigentümer und Investoren

Aktuelle Eigentümerstruktur (seit September 2024)

Eigentümer Anteil
Bundesrepublik Deutschland ca. 40%
Land Niedersachsen ca. 40%
Familie Meyer ca. 20%

Die staatliche Beteiligung erfolgte im Rahmen eines Rettungspakets, das neben der Eigenkapitalspritze von 400 Millionen Euro auch Garantien von über zwei Milliarden Euro umfasste. Die Familie Meyer entsendet weiterhin einen Vertreter in den Aufsichtsrat.

Standorte der Meyer Gruppe

Standort Name Mitarbeiter Schwerpunkt
Papenburg, Deutschland Meyer Werft ca. 3.300 Kreuzfahrtschiffe
Rostock, Deutschland Neptun Werft ca. 650 Flusskreuzfahrtschiffe, Maschinenraummodule
Turku, Finnland Meyer Turku ca. 3.000 Kreuzfahrtschiffe

Konkurrenz

Die Meyer Werft konkurriert im globalen Kreuzfahrtschiffbau mit zwei anderen großen europäischen Werften:

Werft Land Staatliche Beteiligung
Fincantieri Italien 71,3%
Chantiers de l’Atlantique Frankreich 84,3%
Meyer Werft Deutschland ca. 80% (seit 2024)

Die Konkurrenten konnten durch ihre staatliche Beteiligung oft günstigere Konditionen bei Bürgschaften und Zwischenfinanzierungen anbieten. Mit der Teilverstaatlichung der Meyer Werft haben sich die Wettbewerbsbedingungen angeglichen.

2021 scheiterte eine geplante Übernahme von Chantiers de l’Atlantique durch Fincantieri an wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU – ein Zusammenschluss hätte die Meyer Werft als einzigen großen Mitbewerber in Europa belassen.

Quellen