Fraunhofer IOSB
Fraunhofer IOSB: Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) ist eines der größten angewandten Forschungsinstitute...
Fraunhofer IOSB
Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) ist eines der größten angewandten Forschungsinstitute Deutschlands und Europas führendes Forschungsinstitut im Bereich Bilderfassung, -verarbeitung und -auswertung. Mit rund 905 Mitarbeitenden und einem Jahresbudget von 96 Millionen Euro (2025) forscht das Institut an der Schnittstelle von Optronik, Systemtechnik und Künstlicher Intelligenz – mit Anwendungen in industrieller Automatisierung, Verteidigung und Sicherheit, Smart Cities sowie Energiemanagement. Zum Portfolio zählen sowohl Auftragsforschung als auch eigene Open-Source-Softwareprodukte wie der FROST-Server oder FA³ST-Service.
Überblick
- Typ: Angewandtes Forschungsinstitut (gemeinnützig)
- Vollständiger Name: Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
- Gründung: 1. Januar 2010 (Fusion); Ursprünge seit 1956
- Hauptsitz: Karlsruhe und Ettlingen, Baden-Württemberg, Deutschland
- Weitere Standorte: Ilmenau (IOSB-AST), Lemgo (IOSB-INA), Göttitz, Rostock, Peking (Verbindungsbüro)
- Mitarbeitende: ~905 (davon ca. 220 Studierende/Praktikanten)
- Jahresbudget: 96 Mio. € (2025)
- Träger: Fraunhofer-Gesellschaft (öffentlich-rechtlich)
- Institutsleiter: Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Beyerer
- Website: iosb.fraunhofer.de
- GitHub: github.com/FraunhoferIOSB
Geschichte und Entwicklung
Das Fraunhofer IOSB entstand am 1. Januar 2010 aus der Fusion zweier institutioneller Linien, deren Wurzeln bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückreichen.
IITB-Linie (Karlsruhe)
- 1956: Gründung des Instituts für Schwingungsforschung (ISF) in Tübingen unter Prof. Horst Tischner
- 1967: Integration in die Fraunhofer-Gesellschaft
- 1968/69: Verlegung nach Karlsruhe
- 1970: Umbenennung in IITB (Institut für Informations- und Datenverarbeitung) zur Spiegelung der erweiterten Forschungsausrichtung
- 1994: Gründung des Zweigstellenbereichs AST in Ilmenau
- 2009: Errichtung des Bereichs INA in Lemgo
FGAN-FOM-Linie (Ettlingen, Verteidigung)
- 1955/57: Gründung der Gesellschaft zur Förderung der astrophysikalischen Forschung; Aufbau des Forschungsinstituts für Hochfrequenzphysik (FHP)
- 1973/74: Errichtung des Forschungsinstituts für Optik (FfO) und des Forschungsinstituts für Informationsverarbeitung (FIM)
- 1975: Umbenennung in FGAN (Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften)
- 1999: Zusammenführung von FfO und FIM zum FOM (Forschungsinstitut für Optronik und Mustererkennung); Umzug in die frühere Rheinland-Kaserne in Ettlingen (2000)
- 2009: Integration der drei FGAN-Institute in die Fraunhofer-Gesellschaft
Fusion und Gegenwart
Am 1. Januar 2010 wurden Fraunhofer IITB und FGAN-FOM zum Fraunhofer IOSB fusioniert. Die feierliche Gründungsveranstaltung fand am 17. März 2010 im Karlsruher Messezentrum statt. Seitdem hat das Institut seinen Forschungsumfang kontinuierlich ausgebaut und ist heute mit sieben Standorten in Deutschland sowie einem internationalen Verbindungsbüro in Peking vertreten.
Struktur und Organisation
Das Institut gliedert sich in 17 wissenschaftliche Abteilungen (7 in Karlsruhe, 5 in Ettlingen, 3 bei IOSB-AST Ilmenau, 2 bei IOSB-INA Lemgo) und 5 marktorientierte Geschäftsbereiche:
| Geschäftsbereich | Schwerpunkte |
|---|---|
| Advanced Sensing (AS) | Computational Imaging, Lasermesstechnik, Spektroskopie, Hyperspektralbildgebung |
| KI und Robotik (KI) | Generative KI, Explainable AI, autonome Systeme, kollaborative Robotik |
| Automatisierung und Digitalisierung (AD) | Industrie 4.0, IIoT, Digitale Zwillinge, Asset Administration Shell, OT-Sicherheit |
| Verteidigung und Sicherheit (VG) | Militärische Optronik, Hochleistungslaser, Drohnenerkennung, Lagebildsysteme |
| Energie, Stoffkreisläufe und Krisenmanagement (ES) | Energiemanagement, Wasserversorgung, Smart Farming, Katastrophenschutz |
Das Institut ist Mitglied der Fraunhofer ICT-Gruppe und Gastmitglied in der Gruppe Licht & Oberflächen sowie der Gruppe Energietechnologien.
Produkte und Software
Neben Auftragsforschung entwickelt das Fraunhofer IOSB eigene Softwareprodukte, die häufig als Open Source veröffentlicht werden.
FROST-Server
Der Fraunhofer Open Source SensorThings API Server ist die erste und Referenzimplementierung des OGC-Standards SensorThings API (Part 1: Sensing 1.0/1.1, Part 2: Tasking Core 1.1). Der in Java geschriebene Server ermöglicht die standardisierte Verwaltung und Bereitstellung von IoT-Sensordaten.
- Lizenz: LGPL-3.0
- Anwendungsfälle: Umweltmonitoring, Smart Cities, industrielles IoT
- Bekannte Nutzer: BRGM (136 Mio. Wasserqualitätsmessungen an 18.000 Messpunkten), Hamburger Urban Data Platform (E-Ladesäulen, Bike-Sharing)
- GitHub: github.com/FraunhoferIOSB/FROST-Server
FA³ST-Service (Fraunhofer Advanced Asset Administration Shell Tools)
Open-Source-Implementierung der IDTA-Spezifikation für die Asset Administration Shell (AAS) – die digitale Hülle für Industrie-4.0-Komponenten. Ermöglicht aktive Ausführung von AAS-Instanzen und Kommunikation via HTTPS/REST/OPC UA.
- Lizenz: Apache 2.0
- GitHub: github.com/FraunhoferIOSB/FAAAST-Service
open62541 (OPC-UA-Stack)
Open-Source-Implementierung des OPC-UA-Kommunikationsstandards (IEC 62541), geschrieben in C, lauffähig auf eingebetteten Systemen. OPC-Foundation-zertifiziert für das “Standard Server 2017 Profile”. Das Projekt wurde aus dem Institut heraus als Spin-off o6 Automation verselbstständigt.
- Lizenz: Mozilla Public License v2.0
- Website: open62541.org
Weitere Produkte
| Produkt | Beschreibung |
|---|---|
| Smart Factory Web | Plattform zur Vernetzung intelligenter Fabriken; dient als Architekturvorlage für das Catena-X MaaS-Ökosystem |
| OpenCitySense | Intelligentes Sensormanagement für Smart Cities auf Basis von FROST-Server |
| CyberProtect / Cyber Detect | Analysetool zur Erkennung netzwerkbasierter Cyberangriffe auf industrielle Steuerungssysteme |
| MODEAS | Drohnenerkennung und -klassifikation mit optronischen Sensoren und Radar |
| ArGUS | Abwehrsystem gegen unbemannte Luftfahrzeuge |
| GUIDE | Lagebildsystem für Behörden und Sicherheitskräfte |
Führung
| Name | Funktion |
|---|---|
| Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Beyerer | Institutsleiter (seit 2004); Leiter des Fraunhofer-Verbunds für Verteidigungs- und Sicherheitsforschung VVS; Professor am KIT (Lehrstuhl für interaktive Echtzeitsysteme) |
| Prof. Dr. rer. nat. habil. Marc Eichhorn | Direktor Standort Ettlingen (Verteidigung) |
| Univ.-Prof. Dr.-Ing. Peter Bretschneider | Co-Direktor IOSB-AST Ilmenau |
| Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jasperneite | Direktor IOSB-INA Lemgo |
| Prof. Dr.-Ing. habil. Thomas Rauschenbach | Co-Direktor IOSB-AST Ilmenau |
| Nicole Keller-Rau | Verwaltungsdirektorin |
Eigentümer und Trägerschaft
Das Fraunhofer IOSB ist ein Institut der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V., der größten Organisation für angewandte Forschung in Europa. Die Fraunhofer-Gesellschaft:
- wurde 1949 gegründet
- betreibt 75 Institute und Forschungseinrichtungen in Deutschland
- beschäftigt rund 32.000 Mitarbeitende mit einem Jahresbudget von 3,6 Mrd. €
- wird öffentlich-rechtlich von Bund und Ländern getragen (Bundesministerium für Bildung und Forschung + Länder, Verhältnis 90:10)
Die Finanzierung des Fraunhofer IOSB gliedert sich in drei Säulen:
- ~33 % Industrieaufträge
- ~38 % öffentliche Drittmittel (Wettbewerb)
- ~26 % institutionelle Grundfinanzierung
- ~3 % Sonstiges
Ein PE-Investor ist nicht vorhanden; es handelt sich um eine öffentlich-rechtliche Einrichtung ohne privatwirtschaftliche Eigentümerstruktur.
Kooperationen und Ökosystem
Das Institut ist in zahlreiche industrielle und wissenschaftliche Netzwerke eingebunden:
- Catena-X / Manufacturing-X: Fraunhofer IOSB war maßgeblich an der Konzeption des Catena-X-Automobilnetzwerks beteiligt; Smart Factory Web bildet die Architekturvorlage für Manufacturing-as-a-Service
- HENSOLDT: Formale Kooperationsvereinbarung für Laserforschung (Gegenmaßnahmen und Aufklärung)
- SmartFactoryOWL: Gemeinsames Technologiezentrum mit der TH OWL in Lemgo
- ROBDEKON: Kompetenzzentrum für autonome Dekontaminationsroboter (Phase 2)
- KIT (Karlsruher Institut für Technologie): Enge akademische Partnerschaft; Prof. Beyerer hält den Lehrstuhl für das Vision and Fusion Laboratory
Mitgliedschaften: OPC Foundation, IDTA (Industrial Digital Twin Association), IDSA (International Data Spaces Association), Plattform Industrie 4.0, AutomationML e.V., ASAM e.V., KI-Allianz Baden-Württemberg.
Spin-offs
- o6 Automation – aus dem open62541 OPC-UA-Projekt hervorgegangen
- Ampeers Energy GmbH – Energiemanagement-Ausgründung
Wettbewerb
Innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft
| Institut | Überschneidung |
|---|---|
| Fraunhofer IGD | Computergraphik und Visualisierung |
| Fraunhofer IOF | Photonik und Optik |
| Fraunhofer IIS | Sensor- und Signalverarbeitung |
| Fraunhofer IPK | Industrielle Automatisierung |
| Fraunhofer FKIE | Verteidigungs- und Sicherheitsforschung |
Europäische Vergleichsinstitute
| Organisation | Land | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| TNO | Niederlande | Verteidigung, Sicherheit, Bildgebung |
| ONERA | Frankreich | Luft- und Raumfahrtforschung für Verteidigung |
| DLR | Deutschland | Luft- und Raumfahrt, Sicherheitsforschung |