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B2B Software Deals KW 01/2026: Bregal baut europäische Buchhaltungs-Plattform

Von Jochen Maurer

B2B Software Deals in DACH und Benelux: 28. Dezember 2025 - 3. Januar 2026

Trotz Feiertage bleibt der PE-Deal-Flow aktiv. Während die meisten zwischen den Jahren pausieren, setzen die Software-Investoren ihre aggressive Buy-and-Build-Strategie fort. BU Bregal Unternehmerkapital positioniert sich mit zwei Plattform-Investments als dominanter Player im europäischen Accounting- und ERP-Markt, während Main Capital Partners und Volpi Capital ihre vertikalen Software-Portfolios erweitern.

Die Transaktionen zeigen einen klaren Trend: DACH-fokussierte PE-Häuser expandieren gezielt in Benelux und Skandinavien, während internationale Player den deutschen Mittelstand als Technologie-Ziel entdecken.


Deal 1: BU Bregal Unternehmerkapital übernimmt SnelStart

ElementDetails
Ankündigung14. Oktober 2025 (Closing erwartet Q1 2026)
Deal-TypPE Plattform-Investment
KäuferBU Bregal Unternehmerkapital (Zug/München)
ZielSnelStart — Marktführer für Buchhaltungssoftware in den Niederlanden
StandortNiederlande (mehrere Standorte)
VerkäuferManagement-Team (Frits Ploeg, Herman Weessies), vormals Ploeg-Familie
Deal-WertNicht bekannt (2024: EUR 55 Mio. Umsatz, EUR 21 Mio. EBITDA)

SnelStart ist der niederländische Marktführer für Finanzmanagement-Software mit fast 170.000 Kunden, davon über 5.000 Steuerberatungskanzleien. 1982 gegründet, hat das Unternehmen vier Jahrzehnte Erfahrung in der Digitalisierung von KMU-Buchhaltung.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Bregal baut eine europäische Accounting-Plattform für den SMB-Markt. Mit SnelStart (Niederlande), Uniconta (Dänemark) und dem bestehenden DACH-Portfolio entsteht ein pan-europäischer Player. Die Buy-Thesis ist klassisch: Konsolidierung fragmentierter lokaler Champions mit anschließender Cross-Selling-Expansion und shared Tech-Investments.

Tech-Stack & Integration: SnelStart hat bereits 2025 das Fintech-Startup Flow akquiriert - ein Zeichen für die Cloud-First-Strategie. Die Herausforderungen werden typisch sein:

  • Multi-Country Compliance: Jedes Land hat eigene Steuervorschriften, DATEV-Schnittstellen (DE), SIE-Format (Skandinavien), unterschiedliche USt-Logiken
  • API-Konsolidierung: Banking-APIs, Steuerberater-Schnittstellen, ERP-Integrationen pro Land
  • Lokalisierung vs. Plattform: Balance zwischen lokaler Tiefe und gemeinsamer Code-Basis

AI-Implikation: Im Accounting-Segment ist AI-basierte Belegerfassung (OCR + Kategorisierung) bereits Standard. Differenzierung entsteht durch Predictive Cashflow, automatisierte Steueroptimierung und intelligente Anomalie-Erkennung. SnelStarts 170k Kundenbasis liefert enormes Trainingsmaterial für vertikale AI-Features.

Meine Perspektive 🎯

Home Turf - Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Multi-Country Accounting-Software ist ein klassisches Integrations-Szenario, das ich in mehreren DDs gesehen habe. Die versteckten Risiken:

  1. Compliance-Debt: Lokale Steuerregeln ändern sich ständig. Wie aktuell ist die niederländische USt-Logik? Wie werden regulatorische Updates gemanaged?
  2. Customer Concentration: 5.000 Steuerberater als Multiplikatoren sind Segen und Fluch - was passiert bei Churn eines großen Kanzlei-Netzwerks?
  3. Tech-Debt vs. Feature-Velocity: 42 Jahre alte Software bedeutet Legacy-Schichten. Wie viel des Tech-Budgets fließt in Maintenance vs. Innovation?

Smarter Deal, weil Bregal mit SnelStart einen profitablen Marktführer (38% EBITDA-Marge!) kauft - keine Wachstums-Wette, sondern Cash-Generator mit Konsolidierungs-Upside.


Deal 2: BU Bregal Unternehmerkapital erwirbt Uniconta

ElementDetails
Ankündigung14. Oktober 2025 (Closing Q4 2025/Q1 2026)
Deal-TypPE Mehrheits-Investment
KäuferBU Bregal Unternehmerkapital (Zug/München)
ZielUniconta A/S — Cloud-basiertes ERP für KMU
StandortKopenhagen, Dänemark (inkl. Distributoren in DE und NL)
VerkäuferErik Damgaard (Gründer, behält 30%) und AkademikerPension
Deal-WertNicht bekannt

Uniconta wurde 2015 von Erik Damgaard gegründet - ja, der Erik Damgaard von Damgaard Data (später Navision, heute Microsoft Dynamics). Das System läuft in über 45.000 Unternehmen in 67 Ländern.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Mit Uniconta kauft Bregal nicht nur ein Produkt, sondern Gründer-DNA. Erik Damgaard hat zwei der erfolgreichsten europäischen ERP-Systeme gebaut. Als CTO bleibt er aktiv - ein starkes Signal für Produktkontinuität. Die These: Dänische Digitalisierungs-Exzellenz auf DACH und Benelux übertragen.

Tech-Stack & Integration: Uniconta ist cloud-native von Tag 1 - ein massiver Vorteil gegenüber Legacy-ERPs. Integration mit SnelStart könnte interessant werden:

  • Shared Financial Core: Uniconta als ERP-Layer, SnelStart als Accounting-Spezialist
  • Multi-Tenant Architektur: Uniconta’s Architektur erlaubt schnelle Länder-Rollouts
  • API-First Design: Moderne Integration-Capabilities vs. DATEV-Komplexität in DACH

AI-Implikation: ERP ist das letzte große AI-Schlachtfeld. Wer Inventory, Production und Finance-Daten hat, kann Predictive Operations liefern. Unicontas 45k-Kundenbasis in 67 Ländern ist ein einzigartiger Datenschatz für Supply-Chain-AI und Demand-Forecasting.

Meine Perspektive 🎯

Home Turf - ERP ist mein Kerngebiet. Erik Damgaard als aktiver CTO mit 30% Beteiligung ist das beste Zeichen, das ein PE-Deal haben kann. Die Fragen, die ich in der DD stellen würde:

  1. Warum verkauft Damgaard jetzt? Nach Navision-Exit könnte er jeden Deal selbst finanzieren. Signal: Er sieht die PE-Beschleunigung als notwendig für den nächsten Sprung.
  2. DACH-Komplexität: Deutschlands ERP-Markt ist brutal kompetitiv (SAP, Microsoft, Haufe). Uniconta muss gegen Platzhirsche antreten - geht das über den SMB-Sweet-Spot?
  3. Partner-Netzwerk: ERP lebt von Implementierungspartnern. Wie sieht das DACH-Ökosystem aus?

Strategisch brillant: Bregal kombiniert Accounting (SnelStart) + ERP (Uniconta) zu einer Full-Stack Finance-Plattform für europäische KMU.


Deal 3: Main Capital übernimmt EIKONA AG

ElementDetails
Ankündigung11. Dezember 2025
Deal-TypPE Plattform-Investment
KäuferMain Capital Partners (Den Haag/Düsseldorf)
ZielEIKONA AG — Modulare Logistik-Software
StandortVolkach, Deutschland
VerkäuferSchäflein Logistik-Gruppe und Gründer Manuel Drescher
Deal-WertNicht bekannt (geschätzt EUR 30-40 Mio. bei 5-6 Mio. EBITDA)

EIKONA wurde 2001 gegründet und bedient mit rund 100 Mitarbeitern über 350 Kunden in ganz Europa. Die EIKONA Enterprise Platform verarbeitet jährlich über 50 Millionen Logistik-Sendungen und Transaktionen.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Main Capital kauft einen Netzwerk-Enabler. EIKONA ist nicht einfach ein TMS - die Plattform ermöglicht Interoperabilität zwischen verschiedenen Logistik-Systemen und Netzwerk-Teilnehmern. Partner wie IDS, CargoLine und Kühne+Nagel nutzen EIKONA als zentrale Datenschicht.

Tech-Stack & Integration: Logistik-Software ist ein komplexes Ökosystem:

  • EDI/API-Gateway: Hunderte unterschiedliche Schnittstellen zu Spediteuren, Verladern, Zoll
  • Real-Time Tracking: Event-Driven Architektur für Sendungsverfolgung
  • Multi-Carrier Management: Carrier-Selection, Rate-Management, SLA-Monitoring
  • Customs & Compliance: ATLAS-Anbindung, AEO-Zertifizierung, EU-Transitverfahren

AI-Implikation: Logistik ist reif für AI-Disruption:

  • Route Optimization: Klassischer ML-Use-Case mit klarem ROI
  • Demand Forecasting: Vorhersage von Sendungsvolumen für Kapazitätsplanung
  • Exception Handling: Automatische Eskalation und Lösungsvorschläge bei Verspätungen

Meine Perspektive 🎯

Home Turf - Ich habe mehrere Logistik-Software DDs gemacht. EIKONAs Positionierung als Netzwerk-Middleware ist stark - sie sitzen in der Mitte zwischen allen Akteuren.

Die kritischen Fragen:

  1. Vendor Lock-in vs. Offenheit: Wie offen ist die Plattform wirklich? Können Kunden Carrier-APIs direkt nutzen oder ist EIKONA obligatorisch?
  2. Pricing-Power: 50 Mio. Transaktionen bei 5-6 Mio. EBITDA = ~10-12 Cent pro Transaktion. Ist das skalierbar?
  3. Competitive Moat: Was verhindert, dass große Player (SAP TM, Oracle OTM) diesen Layer übernehmen?

Für Main Capital passt der Deal ins Portfolio - nach CarWise (Flottenmanagement) jetzt EIKONA (Logistik-Software). Automotive & Logistics als Cluster-Strategie.


Deal 4: Asolvi übernimmt Foxtag (Volpi Capital-backed)

ElementDetails
AnkündigungNovember 2025
Deal-TypPE-backed Add-on Akquisition
KäuferAsolvi (Norwegen), backed by Volpi Capital
ZielFoxtag GmbH — Fire & Security Field Service Software
StandortHamburg, Deutschland
VerkäuferGründer Dirk Thiede und Niels Linnemann
Deal-WertNicht bekannt (>30% organisches Wachstum, 600+ Kunden)

Foxtag wurde 2015 gegründet und hat sich zu einem der am schnellsten wachsenden SaaS-Anbieter für Brandschutz und Sicherheit in Deutschland entwickelt. Dies ist Asolvis 11. Akquisition insgesamt und die 6. unter Volpi-Eigentum.

Strategische Einschätzung

Produkt-Strategie: Volpi Capital/Asolvi bauen den europäischen Marktführer für Fire & Security Field Service. Der Sektor ist attraktiv: starke Regulierung (Brandschutzprüfungen sind Pflicht), niedrige Digitalisierung, hohes Wachstum und fragmentierte Anbieter-Landschaft. Foxtag bringt DACH-Expertise und cloud-native Technologie.

Tech-Stack & Integration: Field Service Management für Brandschutz hat spezifische Anforderungen:

  • Mobile-First: Techniker brauchen Offline-Fähigkeit in Kellern und Tiefgaragen
  • Checklisten & Protokolle: Gesetzeskonforme Dokumentation nach DIN/VDE
  • Scheduling & Routing: Effiziente Tourenplanung für Prüfintervalle
  • Integration mit Gebäudetechnik: GLT-Anbindung, BIM-Daten

AI-Implikation: Field Service ist ein AI-Sweet-Spot:

  • Predictive Maintenance: Wann fällt der Brandmelder aus? Wann muss der Feuerlöscher getauscht werden?
  • Intelligent Scheduling: Optimierung von Techniker-Routen unter Berücksichtigung von Qualifikationen, Fristen und Kundenhistorie
  • Image Recognition: Automatische Mängelerkennung durch Foto-Analyse

Meine Perspektive 🎯

Neues Terrain - Fire & Security FSM ist ein interessantes Vertical, ich durfte in diesem und benachbarten Bereichen (Facility Management, Industrial IoT, Field Service Management) bereits einige Tech-DDs machen.

Was mich interessiert:

  1. Regulatorische Moats: Wie tief ist die Compliance-Integration? Wer die Prüffristen und Dokumentationspflichten am besten abbildet, gewinnt.
  2. Hardware-Integration: Wie eng ist Foxtag mit Brandmelde-Herstellern (Siemens, Bosch, Honeywell) verzahnt?
  3. Plattform-Potenzial: Kann Foxtag über Fire & Security hinaus in andere Gewerke expandieren (Elektro, Klima, Aufzug)? Und wie sieht die Integration in spezialisierte ERP Systeme (es2000 etc.) in diesem Bereich aus?

Der Deal macht Sinn - Volpi konsolidiert einen fragmentierten Markt mit klaren Regulierungstreibern.


Blick voraus: stp.one / Septeo-Closing in Q1 2026

Ein Deal, der Q1 2026 prägen wird: Die im November 2025 angekündigte Übernahme von stp.one durch Hg-backed Septeo für geschätzte EUR 560 Mio. BU Bregal Unternehmerkapital und Maguar Capital verkaufen den Karlsruher Legal-Tech-Champion an den französischen Marktführer.

Mit über 400 Mitarbeitern, 8.000+ Kunden und AI-fokussierter SaaS-Plattform entsteht Europas größte Legal-Tech-Plattform. Der Deal zeigt: DACH-Software hat Weltklasse-Exit-Potenzial.


Fazit

KW01/2026 zeigt BU Bregal Unternehmerkapital als aggressivsten Konsolidierer im europäischen SMB-Software-Markt. Mit SnelStart und Uniconta entsteht eine Finance-Plattform, die Accounting und ERP verbindet - ein direkter Angriff auf den fragmentierten Markt zwischen DATEV und SAP.

Main Capital Partners und Volpi Capital setzen ihre vertikalen Rollup-Strategien fort: Logistik-Software und Field Service Management als nächste Konsolidierungsziele.

Die AI-Implikation ist bei allen Deals ähnlich: Vertikale Datenbasis schlägt horizontale AI-Features. Wer 170.000 Buchhaltungen, 50 Millionen Logistik-Transaktionen oder 600 Brandschutz-Kunden hat, kann spezialisierte AI-Modelle trainieren, die GPT & Co. nicht replizieren können.


Autor: Jochen Maurer | Stand: 3. Januar 2026