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Unternehmen Aktualisiert: 28.4.2026

ScanSoft

ScanSoft war ein US-amerikanisches Softwareunternehmen mit Schwerpunkt auf optischer Zeichenerkennung (OCR) und Spracherkennung.

ScanSoft

ScanSoft war ein US-amerikanisches Softwareunternehmen mit Schwerpunkt auf optischer Zeichenerkennung (OCR) und Spracherkennung. Das Unternehmen ging aus der Imaging-Sparte von Xerox hervor und entwickelte sich durch aggressive Akquisitionen zu einem der führenden Anbieter im Bereich Dokumentenverarbeitung und Speech Technology. 2005 übernahm ScanSoft den Konkurrenten Nuance Communications und firmierte anschließend unter dem Namen Nuance. 2022 wurde Nuance von Microsoft übernommen.

Überblick

  • Typ: Softwareunternehmen (OCR, Spracherkennung, Dokumentenmanagement)
  • Gründung: 1999 (als ScanSoft durch Übernahme der Xerox-Sparte durch Visioneer; Wurzeln reichen bis 1974 zurück)
  • Hauptsitz: Peabody, Massachusetts, USA (9 Centennial Drive)
  • CEO (zuletzt): Paul Ricci
  • Status: Aufgegangen in Nuance Communications (2005), heute Teil von Microsoft (seit 2022)
  • Börse: NASDAQ (Ticker: SSFT)

Geschichte und Entwicklung

Ursprünge (1974–1999)

Die Geschichte von ScanSoft beginnt 1974, als Raymond Kurzweil die Firma Kurzweil Computer Products gründete, um das erste universelle OCR-System zu entwickeln – eine Software, die gedruckten Text in beliebigen Schriftarten erkennen konnte. 1980 verkaufte Kurzweil das Unternehmen an Xerox, wo es zunächst als Xerox Imaging Systems (XIS) und später als ScanSoft firmierte.

Parallel dazu wurde 1992 Visioneer, Inc. gegründet, ein Hersteller von Scanner-Hardware und -Software. Im Januar 1999 verkaufte Visioneer seine Hardware-Sparte an Primax Electronics. Zwei Monate später, im März 1999, übernahm Visioneer die ScanSoft-Sparte von Xerox und benannte sich in ScanSoft, Inc. um.

Expansion in die Spracherkennung (2001–2004)

Bis 2001 war ScanSoft primär im Bereich Desktop-Imaging-Software tätig. Der strategische Wendepunkt kam im Dezember 2001 mit der Übernahme von Vermögenswerten der insolventen belgischen Firma Lernout & Hauspie (L&H). Diese hatte zuvor im Juni 2001 Dragon Systems übernommen – den Entwickler der legendären Spracherkennungssoftware Dragon NaturallySpeaking. ScanSoft sicherte sich damit mit einem Schlag eine führende Position im Spracherkennungsmarkt.

2003 folgte die Übernahme von SpeechWorks für 132 Millionen US-Dollar, einem weiteren bedeutenden Akteur im Bereich automatisierter Sprachverarbeitung. Damit kontrollierte ScanSoft nun die beiden wichtigsten Technologieplattformen für Spracherkennung.

Fusion mit Nuance (2005)

Im September 2005 übernahm ScanSoft seinen direkten Konkurrenten Nuance Communications für rund 220 Millionen US-Dollar. Die fusionierte Gesellschaft übernahm den bekannteren Markennamen Nuance Communications und wurde unter dem Ticker NUAN an der NASDAQ gehandelt. Paul Ricci blieb als CEO an der Spitze des kombinierten Unternehmens.

Unter dem Dach von Nuance und Microsoft

Als Nuance setzte das Unternehmen seinen Akquisitionskurs fort und tätigte über 30 weitere Übernahmen, darunter Dictaphone, eScription und Swype. 2022 wurde Nuance schließlich von Microsoft übernommen und in den Konzern integriert.

Produkte und Services

OCR und Dokumentenmanagement

ProduktBeschreibung
OmniPageMarktführende OCR-Software zur Umwandlung gescannter Dokumente in editierbare Textformate. Galt als schnellste und genaueste OCR-Anwendung ihrer Zeit.
PaperPortDokumentenmanagement-Software für das Scannen, Organisieren und Teilen von Papierdokumenten in digitaler Form.
TextBridgeOCR-Engine, die in zahlreiche Scanner-Produkte eingebettet wurde.

Spracherkennung

ProduktBeschreibung
Dragon NaturallySpeakingDie führende Desktop-Spracherkennungssoftware, übernommen via Lernout & Hauspie/Dragon Systems.
SpeechWorks-PlattformTechnologie für automatisierte Sprachdialog-Systeme (IVR), insbesondere im Telekommunikationsbereich.

Team und Führung

  • Paul Ricci – Chairman und CEO von ScanSoft (ab 2003), führte das Unternehmen durch die Nuance-Fusion und blieb bis 2016 an der Spitze von Nuance
  • Raymond Kurzweil – Gründer von Kurzweil Computer Products (1974), dem Ursprungsunternehmen der OCR-Technologie. Später bekannt als Futurist und Director of Engineering bei Google.

Investoren und Eigentümer

Warburg Pincus

Der US-amerikanische Private-Equity-Investor Warburg Pincus investierte ab 2004 in ScanSoft und stellte 2005 zusätzliches Eigenkapital für die Übernahme von Nuance bereit. Warburg Pincus spielte eine aktive strategische Rolle:

  • Begleitung von über 30 Akquisitionen
  • Unterstützung beim Aufbau der Vertikalisierungsstrategie (Healthcare, Telekommunikation)
  • Rekrutierung von Führungskräften

Der Exit erfolgte 2013 durch schrittweisen Verkauf der Nuance-Aktien über den öffentlichen Markt. Ein konkreter Fondsname wurde in den verfügbaren Quellen nicht explizit genannt, daher entfällt eine Exit-Prognose.

Microsoft (ab 2022)

Microsoft übernahm Nuance Communications am 4. März 2022 und gliederte das Unternehmen als Tochtergesellschaft ein.

Konkurrenz

Im OCR-Markt konkurrierte ScanSoft insbesondere mit:

  • ABBYY (FineReader) – Russisch-deutsches Unternehmen, einer der Hauptkonkurrenten im OCR-Bereich
  • IRIS (ReadIRIS) – Belgischer Anbieter von OCR-Software
  • Adobe – Mit zunehmender OCR-Funktionalität in Acrobat

Im Bereich Spracherkennung waren die Hauptkonkurrenten:

  • Nuance Communications (vor der Fusion 2005)
  • IBM (ViaVoice)
  • Philips Speech Processing

Quellen