Intershop Communications AG
Intershop Communications AG ist ein deutscher Anbieter von B2B-E-Commerce-Software mit Sitz in Jena. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform für...
Intershop Communications AG
Intershop Communications AG ist ein deutscher Anbieter von B2B-E-Commerce-Software mit Sitz in Jena. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform für komplexe Geschäftskunden-Szenarien (B2B, B2X) und gehört zu den ältesten börsennotierten Softwarehäusern Deutschlands. Seit 2020 hat Intershop den Wandel vom Lizenzgeschäft zum SaaS-Modell konsequent vollzogen.
Überblick
- Typ: Aktiengesellschaft (Frankfurt Stock Exchange, Prime Standard)
- Gründung: 1992 als NetConsult Communications GmbH
- Hauptsitz: Intershop Tower, Jena (Thüringen)
- Weitere Standorte: Hamburg, Burgwedel, San Francisco, Melbourne, Shanghai
- Website: intershop.com
- Ticker: ISHA (ISIN: DE000A0EPUH1)
- Mitarbeiter: ca. 320 (2024)
- Umsatz: ca. 35 Mio. EUR (2023)
- CEO: Markus Klahn (seit 2021)
- Fokus: B2B-Commerce-Plattform (SaaS, Cloud-basiert)
Produkte und Services
Intershop Commerce Platform
Cloud-native B2B-Commerce-Suite, ausgelegt auf mehrstufige Vertriebsorganisationen, komplexe Preisstrukturen, kundenspezifische Kataloge und Self-Service-Portale. Die Plattform wird auf Microsoft Azure betrieben und ist über REST-APIs (Progressive Web App-Frontend ICM PWA) erweiterbar.
Kernmodule:
- Intershop Commerce Management (ICM): Headless-Commerce-Engine mit Account-, Katalog-, Preis- und Bestellmanagement
- Order Management: Bestellabwicklung über mehrere Vertriebskanäle und Lager
- Punch-out & OCI-Integration: Anbindung an SAP Ariba, Coupa und andere E-Procurement-Systeme
- Intershop Commerce as a Service (CaaS): Subscription-Modell, vollständig gemanagt
Zielbranchen
Hersteller, Großhändler, technischer Handel, Ersatzteilgeschäft. Referenzkunden umfassen unter anderem HP, Bosch eBike Systems, Deutsche Telekom Geschäftskunden, Würth-Gruppe-Teilbereiche und KSB.
Geschichte und Entwicklung
Intershop wurde 1992 von Stephan Schambach in Jena gegründet — als eines der ersten europäischen Internetunternehmen überhaupt. 1995 brachte das Unternehmen mit “Intershop Online” die erste kommerzielle Standard-Shopsoftware auf den Markt.
Phase 1 — Internet-Pionier (1992–2000): 1998 IPO an der Frankfurter Börse und Nasdaq. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase erreichte Intershop eine Marktkapitalisierung von über 11 Mrd. USD. Schambach galt als deutsches Aushängeschild der New Economy.
Phase 2 — Absturz und Konsolidierung (2001–2010): Nach dem Platzen der Dotcom-Blase brach der Aktienkurs um über 99 Prozent ein. Massenentlassungen, Schließung der US-Vertriebsstrukturen, Schambach verließ das Unternehmen 2003. Mehrere Restrukturierungsrunden folgten.
Phase 3 — B2B-Fokus (2011–2019): Strategischer Schwenk weg vom B2C-Commerce hin zum B2B-Segment. Verlustjahre wechselten sich mit knapp profitablen Geschäftsjahren ab. 2014 stieg die Shop Apotheke Europe als Ankerinvestor ein, später kam die Mountain Partners AG als Großaktionär.
Phase 4 — SaaS-Transformation (2020–heute): Unter CEO Dr. Jochen Wiechen und ab 2021 Markus Klahn vollzog Intershop den Wechsel zum Subscription-Modell. Die Cloud-Umsätze überholten 2023 erstmals das klassische Lizenzgeschäft. Das Unternehmen erreichte 2023 wieder ein positives EBIT.
Team und Führung
| Position | Name | Seit |
|---|---|---|
| CEO | Markus Klahn | 2021 |
| CFO | Markus Klahn (in Personalunion) | 2024 |
| Aufsichtsratsvorsitzender | Sven Mulder | – |
Klahn kam aus dem Beratungsumfeld (zuvor Salesforce-Partner-Ökosystem und ECM-Branche) und treibt seit Amtsantritt den SaaS-Schwenk inklusive Vertriebsumbau in Richtung Cloud-Subscription.
Investoren und Eigentümer
Intershop ist börsennotiert. Aktionärsstruktur (Stand 2024, Streubesitz dominiert):
| Aktionär | Anteil (ca.) |
|---|---|
| Shop Apotheke Europe N.V. | ~13 % |
| RAG-Stiftung | ~7 % |
| Active Ownership / Mountain Partners-Umfeld | wechselnd |
| Streubesitz | > 70 % |
Es gibt keinen kontrollierenden PE-Investor mit Fondsstruktur. Damit entfällt eine Exit-Prognose nach klassischer PE-Fondslogik. Die Eigentümerstruktur ist eher fragmentiert; strategische Übernahmegerüchte tauchen periodisch auf, wurden bisher aber nicht realisiert.
Konkurrenz
Intershop konkurriert im B2B-Commerce-Segment vorrangig mit:
- SAP Commerce Cloud (ehemals Hybris) — dominanter Enterprise-Player, oft im SAP-Ökosystem gesetzt
- Salesforce Commerce Cloud (B2B Commerce) — Cloud-First, stark in Nordamerika
- commercetools — Headless-Commerce aus München, klare Cloud-Native-Architektur, stark wachsend
- Adobe Commerce (Magento) — Open-Source-Erbe, breite B2C/B2B-Aufstellung
- Spryker — Berliner Headless-Commerce-Plattform, Composable-Ansatz
- OroCommerce — B2B-Spezialist aus den USA mit europäischer Präsenz
Im deutschsprachigen Mittelstand-B2B-Commerce konkurriert Intershop zusätzlich mit Plattformen aus dem ERP-Umfeld und Anbietern wie Plentymarkets (eher KMU-fokussiert) oder shopware (B2C-stark, B2B im Ausbau).
Quellen
- Intershop Investor Relations
- Geschäftsbericht 2023 — Intershop Communications AG
- Intershop Communications AG bei Bundesanzeiger
- Pressemitteilungen 2023/2024 — Intershop
- Handelsblatt-Archiv, Manager Magazin, Computerwoche (historische Berichterstattung zur Dotcom-Phase)