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Unternehmen Aktualisiert: 14.5.2026

Intershop Communications AG

Intershop Communications AG ist ein deutscher Anbieter von B2B-E-Commerce-Software mit Sitz in Jena. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform für...

Intershop Communications AG

Intershop Communications AG ist ein deutscher Anbieter von B2B-E-Commerce-Software mit Sitz in Jena. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform für komplexe Geschäftskunden-Szenarien (B2B, B2X) und gehört zu den ältesten börsennotierten Softwarehäusern Deutschlands. Seit 2020 hat Intershop den Wandel vom Lizenzgeschäft zum SaaS-Modell konsequent vollzogen.

Überblick

  • Typ: Aktiengesellschaft (Frankfurt Stock Exchange, Prime Standard)
  • Gründung: 1992 als NetConsult Communications GmbH
  • Hauptsitz: Intershop Tower, Jena (Thüringen)
  • Weitere Standorte: Hamburg, Burgwedel, San Francisco, Melbourne, Shanghai
  • Website: intershop.com
  • Ticker: ISHA (ISIN: DE000A0EPUH1)
  • Mitarbeiter: ca. 320 (2024)
  • Umsatz: ca. 35 Mio. EUR (2023)
  • CEO: Markus Klahn (seit 2021)
  • Fokus: B2B-Commerce-Plattform (SaaS, Cloud-basiert)

Produkte und Services

Intershop Commerce Platform

Cloud-native B2B-Commerce-Suite, ausgelegt auf mehrstufige Vertriebsorganisationen, komplexe Preisstrukturen, kundenspezifische Kataloge und Self-Service-Portale. Die Plattform wird auf Microsoft Azure betrieben und ist über REST-APIs (Progressive Web App-Frontend ICM PWA) erweiterbar.

Kernmodule:

  • Intershop Commerce Management (ICM): Headless-Commerce-Engine mit Account-, Katalog-, Preis- und Bestellmanagement
  • Order Management: Bestellabwicklung über mehrere Vertriebskanäle und Lager
  • Punch-out & OCI-Integration: Anbindung an SAP Ariba, Coupa und andere E-Procurement-Systeme
  • Intershop Commerce as a Service (CaaS): Subscription-Modell, vollständig gemanagt

Zielbranchen

Hersteller, Großhändler, technischer Handel, Ersatzteilgeschäft. Referenzkunden umfassen unter anderem HP, Bosch eBike Systems, Deutsche Telekom Geschäftskunden, Würth-Gruppe-Teilbereiche und KSB.

Geschichte und Entwicklung

Intershop wurde 1992 von Stephan Schambach in Jena gegründet — als eines der ersten europäischen Internetunternehmen überhaupt. 1995 brachte das Unternehmen mit “Intershop Online” die erste kommerzielle Standard-Shopsoftware auf den Markt.

Phase 1 — Internet-Pionier (1992–2000): 1998 IPO an der Frankfurter Börse und Nasdaq. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase erreichte Intershop eine Marktkapitalisierung von über 11 Mrd. USD. Schambach galt als deutsches Aushängeschild der New Economy.

Phase 2 — Absturz und Konsolidierung (2001–2010): Nach dem Platzen der Dotcom-Blase brach der Aktienkurs um über 99 Prozent ein. Massenentlassungen, Schließung der US-Vertriebsstrukturen, Schambach verließ das Unternehmen 2003. Mehrere Restrukturierungsrunden folgten.

Phase 3 — B2B-Fokus (2011–2019): Strategischer Schwenk weg vom B2C-Commerce hin zum B2B-Segment. Verlustjahre wechselten sich mit knapp profitablen Geschäftsjahren ab. 2014 stieg die Shop Apotheke Europe als Ankerinvestor ein, später kam die Mountain Partners AG als Großaktionär.

Phase 4 — SaaS-Transformation (2020–heute): Unter CEO Dr. Jochen Wiechen und ab 2021 Markus Klahn vollzog Intershop den Wechsel zum Subscription-Modell. Die Cloud-Umsätze überholten 2023 erstmals das klassische Lizenzgeschäft. Das Unternehmen erreichte 2023 wieder ein positives EBIT.

Team und Führung

PositionNameSeit
CEOMarkus Klahn2021
CFOMarkus Klahn (in Personalunion)2024
AufsichtsratsvorsitzenderSven Mulder

Klahn kam aus dem Beratungsumfeld (zuvor Salesforce-Partner-Ökosystem und ECM-Branche) und treibt seit Amtsantritt den SaaS-Schwenk inklusive Vertriebsumbau in Richtung Cloud-Subscription.

Investoren und Eigentümer

Intershop ist börsennotiert. Aktionärsstruktur (Stand 2024, Streubesitz dominiert):

AktionärAnteil (ca.)
Shop Apotheke Europe N.V.~13 %
RAG-Stiftung~7 %
Active Ownership / Mountain Partners-Umfeldwechselnd
Streubesitz> 70 %

Es gibt keinen kontrollierenden PE-Investor mit Fondsstruktur. Damit entfällt eine Exit-Prognose nach klassischer PE-Fondslogik. Die Eigentümerstruktur ist eher fragmentiert; strategische Übernahmegerüchte tauchen periodisch auf, wurden bisher aber nicht realisiert.

Konkurrenz

Intershop konkurriert im B2B-Commerce-Segment vorrangig mit:

  • SAP Commerce Cloud (ehemals Hybris) — dominanter Enterprise-Player, oft im SAP-Ökosystem gesetzt
  • Salesforce Commerce Cloud (B2B Commerce) — Cloud-First, stark in Nordamerika
  • commercetools — Headless-Commerce aus München, klare Cloud-Native-Architektur, stark wachsend
  • Adobe Commerce (Magento) — Open-Source-Erbe, breite B2C/B2B-Aufstellung
  • Spryker — Berliner Headless-Commerce-Plattform, Composable-Ansatz
  • OroCommerce — B2B-Spezialist aus den USA mit europäischer Präsenz

Im deutschsprachigen Mittelstand-B2B-Commerce konkurriert Intershop zusätzlich mit Plattformen aus dem ERP-Umfeld und Anbietern wie Plentymarkets (eher KMU-fokussiert) oder shopware (B2C-stark, B2B im Ausbau).

Quellen