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Unternehmen Aktualisiert: 27.4.2026

Damgaard Data

Damgaard Data war ein dänisches Softwareunternehmen, das 1984 von den Brüdern Erik und Preben Damgaard gegründet wurde.

Damgaard Data

Damgaard Data war ein dänisches Softwareunternehmen, das 1984 von den Brüdern Erik und Preben Damgaard gegründet wurde. Das Unternehmen entwickelte ERP- und Buchhaltungssoftware für kleine und mittlere Unternehmen und wuchs innerhalb von 15 Jahren zu einem der führenden europäischen ERP-Anbieter heran. Nach dem Börsengang 1999 fusionierte Damgaard Data im Jahr 2000 mit dem Konkurrenten Navision Software zu NavisionDamgaard. 2002 wurde das fusionierte Unternehmen von Microsoft für 1,45 Milliarden US-Dollar übernommen — damals die größte Akquisition in der Geschichte Microsofts.

Überblick

  • Typ: ERP-Softwareunternehmen
  • Gründung: 1984
  • Gründer: Erik Damgaard, Preben Damgaard
  • Hauptsitz: Birkerød (ab 1991), zuvor Kopenhagen, Dänemark
  • Börsengang: Oktober 1999 (Kopenhagener Börse / NASDAQ OMX)
  • Fusion: November 2000 mit Navision Software → NavisionDamgaard
  • Übernahme: Juli 2002 durch Microsoft für 1,45 Mrd. USD (~11 Mrd. DKK)
  • Status: Aufgegangen in Microsoft Business Solutions (heute Microsoft Dynamics)
  • Mitarbeiter: ca. 1.200 zum Zeitpunkt der Übernahme
  • Website: damgaard.com (heute Damgaard Company, Familienunternehmen der Gründer)

Produkte und Software

Erik Damgaard war der technische Architekt hinter sämtlichen Produktgenerationen des Unternehmens:

ProduktJahrBeschreibung
Danmax1984Erstes Buchhaltungssystem, zunächst für CP/M, später MS-DOS. Verkaufspreis: 12.600 DKK
Concorde Economy1986Mehrbenutzerfähiges Buchhaltungssystem für Novell Netware
Concorde XAL1991Weltweit erstes Finanzsystem mit integrierter Entwicklungsumgebung
Concorde C51994/95Integrierte Windows-Business-Lösung für kleine Unternehmen, basierend auf XAL-Technologie
Axapta1998Enterprise-ERP-System mit objektorientierter Entwicklungsumgebung und 3-Tier-Client/Server-Architektur

Axapta — das Flaggschiff

Axapta (später Microsoft Dynamics AX) war das ambitionierteste Produkt von Damgaard Data und richtete sich an mittelgroße bis große internationale Unternehmen. Es setzte vollständig auf Microsoft-Technologien und bot flexible Skalierbarkeit. Die Markteinführung 1998 stellte einen strategischen Wandel dar — weg von der reinen KMU-Software hin zu Enterprise-Lösungen.

Nachfolgeprodukte bei Microsoft

Nach der Übernahme wurden die Damgaard-Produkte in die Microsoft Dynamics-Familie integriert:

  • Concorde XAL → Microsoft Dynamics XAL
  • Concorde C5 → Microsoft Dynamics C5
  • Axapta → Microsoft Dynamics AX → Dynamics 365 Finance & Supply Chain Management

Geschichte und Entwicklung

Gründung und frühe Jahre (1984–1990)

Erik Damgaard (23) und sein Bruder Preben (21) gründeten Damgaard Data 1984 im Keller des Elternhauses. Ihr erstes Produkt Danmax war ein Buchhaltungsprogramm für CP/M-Computer. 1986 folgte Concorde Economy, ein netzwerkfähiges System für Novell Netware, das schnell zum Marktführer in Dänemark aufstieg. Der erste Mitarbeiter war Morten Gregersen, gefolgt von Jens Svanholdt.

Wachstumsphase (1991–1998)

1991 zog das Unternehmen von Kopenhagen nach Birkerød um. Im selben Jahr erschien Concorde XAL als weltweit erstes Finanzsystem mit eingebauten Entwicklungstools. 1994 wurde Per Pedersen als VP Sales & Marketing eingestellt. Concorde C5 (1994/95) adressierte den Windows-basierten Kleinunternehmensmarkt. 1998 wagte Damgaard Data mit Axapta den Sprung in den Enterprise-Markt — ein riskanter Produktwechsel, der erhebliche Ressourcen band.

Börsengang und Fusion (1999–2000)

Im Oktober 1999 ging Damgaard Data an die Kopenhagener Börse. Innerhalb von drei Wochen stieg die Marktkapitalisierung auf fast 1 Milliarde USD. Am 20. November 2000 gaben Damgaard und Navision Software die Fusion bekannt. Beide Unternehmen bedienten denselben Markt mit ähnlichen Produkten und demselben kanalbasierten Vertriebsmodell. Kulturell waren sie jedoch sehr unterschiedlich: Navision galt als akademisch gründlich und dezentral, Damgaard als innovativ, mutig und zentral geführt. Preben Damgaard und Jesper Balser (Navision) wurden gemeinsame CEOs der fusionierten NavisionDamgaard.

Microsoft-Übernahme (2002)

Microsoft hatte bereits früher Interesse gezeigt, doch Bill Gates stoppte den Deal zunächst. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde das Projekt komplett eingestellt. Im Frühjahr 2002 näherte sich Microsoft erneut — diesmal erfolgreich. Am 7. Mai 2002 wurde die Übernahme für 1,45 Milliarden USD öffentlich verkündet. Am 22. August 2002 wurden die Navision-Aktien von der Kopenhagener Börse genommen. Der dänische Standort wurde zu Microsofts größter Entwicklungsabteilung außerhalb der USA.

Team und Führung

PersonRolleZeitraum
Erik DamgaardMitgründer, technischer Leiter & Software-Architekt1984–2002
Preben DamgaardMitgründer & CEO1984–2002
Morten GregersenErster Mitarbeiterab 1984
Jens SvanholdtZweiter Mitarbeiterab 1984
Per PedersenVP Sales & Marketingab 1994

Erik Damgaard gründete nach seinem Ausscheiden bei Microsoft das Cloud-ERP-Unternehmen Uniconta, das die Tradition der dänischen ERP-Innovation fortsetzt. Preben Damgaard ist heute über die Damgaard Company als Investor und Board-Mitglied aktiv, u.a. bei Unternehmen wie Dixa.

Investoren und Eigentümer

Damgaard Data war bis zum IPO 1999 vollständig im Besitz der Gründerfamilie Damgaard — es gab keine externen PE- oder VC-Investoren. Die Finanzierung erfolgte durch Bootstrapping aus dem operativen Geschäft.

Eigentümerhistorie:

  1. 1984–1999: Familienbesitz (Erik & Preben Damgaard)
  2. 1999–2000: Börsennotiert an der Kopenhagener Börse
  3. 2000–2002: Fusion mit Navision Software → NavisionDamgaard (börsennotiert)
  4. Ab 2002: Microsoft Corporation (Übernahme für 1,45 Mrd. USD)

Konkurrenz

Damgaard Data bewegte sich im hart umkämpften europäischen ERP-Markt für KMU:

KonkurrentProduktSegment
Navision SoftwareNavision FinancialsKMU-ERP (Dänemark, später fusioniert)
SAPSAP R/3, SAP Business OneEnterprise- und KMU-ERP
Great Plains SoftwareGreat Plains DynamicsKMU-ERP (USA, ebenfalls 2002 von Microsoft übernommen)
Solomon SoftwareSolomon IVKMU-ERP (USA, ebenfalls von Microsoft übernommen)
ScalaScala / iScalaMittelstands-ERP (Skandinavien)
VismaVisma BusinessKMU-ERP (Norwegen/Skandinavien)

Der direkteste Konkurrent war Navision Software — beide Unternehmen stammten aus Kopenhagen, bedienten dieselbe Zielgruppe und nutzten identische Vertriebsmodelle über Partnerkanäle. Die Fusion 2000 beendete diesen Wettbewerb.

Bedeutung und Vermächtnis

Damgaard Data gehört zu den wichtigsten europäischen Software-Erfolgsgeschichten der 1980er und 1990er Jahre. Die Produkte Axapta und Concorde leben als Microsoft Dynamics 365 weiter und werden weltweit von Hunderttausenden Unternehmen eingesetzt. Die Übernahme durch Microsoft für 1,45 Milliarden USD war ein Meilenstein für die skandinavische Tech-Industrie und bewies, dass europäische Softwareunternehmen globale Relevanz erreichen können.

Quellen