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Unternehmen Aktualisiert: 14.5.2026

ABRA

ABRA Software ist ein tschechischer ERP-Hersteller mit Sitz in Prag, der Geschäftssoftware für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt.

ABRA Software

ABRA Software ist ein tschechischer ERP-Hersteller mit Sitz in Prag, der Geschäftssoftware für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt. Das Unternehmen gehört seit 2018 zur Holding Seyfor (vormals Solitea), die mehrheitlich vom slowakischen PE-Investor Sandberg Capital kontrolliert wird. Die ERP-Produktlinie ABRA Gen ist nach eigenen Angaben eines der am weitesten verbreiteten Buchhaltungs- und Warenwirtschaftssysteme in Tschechien und der Slowakei.

Überblick

  • Typ: Softwarehersteller (ERP, Accounting, Warenwirtschaft)
  • Gründung: 1991
  • Hauptsitz: Prag, Tschechien
  • Niederlassungen: Slowakei (Bratislava), regionale Vertriebsbüros in Tschechien
  • Website: https://www.abra.eu
  • Eigentümer: Seyfor (vormals Solitea) → Sandberg Capital (Mehrheit)
  • Kernmärkte: Tschechien, Slowakei
  • Zielgruppe: SMB und obere Mittelstand (5 bis 500 Anwender)

Produkte und Services

ABRA betreibt eine gestaffelte Produktlinie für unterschiedliche Unternehmensgrößen. Die drei zentralen Plattformen decken vom Solo-Selbstständigen bis zum mittelständischen Konzern ab.

ProduktZielgruppeBereitstellung
ABRA FlexiKleinunternehmen, SelbstständigeCloud (SaaS)
ABRA GenObere KMU, MittelstandOn-Premise, Hosted, teils SaaS
ABRA E-shopE-Commerce-AnbindungAdd-on / SaaS

ABRA Gen ist das Flaggschiff: ein modulares ERP mit Finanzbuchhaltung, Warenwirtschaft, Produktion, CRM, HR und Lohn. Anpassbar über eine eigene Skriptsprache und SDK, was es im tschechischen Markt zur Standardwahl für Branchenlösungen (Großhandel, leichte Produktion, Dienstleister) macht.

ABRA Flexi ist das cloudbasierte Pendant für kleinere Unternehmen, mit Schwerpunkt auf Buchhaltung und Rechnungsstellung. API-first, mit offener Anbindung an Onlineshops und Fakturierungs-Tools.

Daneben pflegt ABRA ein Ökosystem aus über 200 zertifizierten Partnern, die Implementierung, Branchenmodule und Schnittstellen liefern.

Geschichte und Entwicklung

ABRA wurde 1991 unmittelbar nach der Samtenen Revolution in Prag gegründet und gehört zu den ersten unabhängigen tschechischen Softwarehäusern. In den 1990er-Jahren etablierte sich das Unternehmen mit einer DOS-basierten Buchhaltungslösung, bevor in den 2000ern die ERP-Linie ABRA G2/G3 entstand. Mit ABRA G4 (später ABRA Gen) wurde die Plattform auf eine moderne 3-Tier-Architektur umgestellt.

Ein Wendepunkt war die Übernahme durch die tschechische Software-Holding Solitea im Jahr 2018. Solitea — gegründet von Martin Cígler und seit 2017 unterstützt von Sandberg Capital — verfolgt eine Buy-and-Build-Strategie im CEE-Mittelstandssoftwaremarkt und integrierte ABRA neben anderen Marken wie Money, Vario und Cígler Software.

2023 wurde die Holding global in Seyfor umbenannt, um eine einheitliche internationale Marke aufzubauen. ABRA Software blieb als Produkt- und Lösungsmarke erhalten, operiert aber seither unter dem Seyfor-Dach.

Team und Führung

ABRA bzw. Seyfor wird auf Gruppenebene geführt. Operativ verantwortet ABRA Software a.s. in Prag das tschechische Geschäft mit eigenem Management-Team. Auf Seyfor-Ebene sind die Schlüsselrollen:

  • Martin Cígler — Gründer und langjähriger CEO von Solitea/Seyfor, heute im Verwaltungsrat
  • Petr Babiak — CEO Seyfor (seit Umbenennung 2023)

ABRA selbst beschäftigt rund 200 bis 250 Mitarbeitende; die Seyfor-Gruppe insgesamt über 1.000 in mehreren Ländern (CZ, SK, HU, RO, DE, UK).

Investoren und Eigentümer

ABRA Software gehört seit 2018 zur Holding Seyfor (vormals Solitea). Mehrheitseigentümer von Seyfor ist die slowakische Private-Equity-Gesellschaft Sandberg Capital, die seit 2017 in mehreren Tranchen investiert hat. Der Gründer Martin Cígler hält weiterhin eine relevante Minderheitsbeteiligung.

EigentümerebeneAnteil (kommuniziert)
Sandberg CapitalMehrheit
Martin Cígler / GründerseiteMinderheit

Der konkrete Sandberg-Fondsname, aus dem die Beteiligung gehalten wird, ist in den öffentlichen Pressemitteilungen nicht explizit benannt — Sandberg kommuniziert die Investition meist firmenübergreifend. Eine belastbare Exit-Prognose auf Fonds-Vintage-Basis ist daher nicht möglich. Der Haltezeitraum liegt allerdings bereits über sieben Jahre, was in der PE-Logik auf einen näher rückenden Exit-Zeitraum hindeutet, insbesondere nach dem Marken-Reset zu Seyfor 2023 (typische Vorbereitungsphase).

Konkurrenz

ABRA agiert im tschechischen und slowakischen Mittelstands-ERP-Markt mit folgender Konkurrenzlandschaft:

  • Helios (Asseco Solutions) — direkter Mitbewerber im CZ/SK-Mittelstand
  • Pohoda (Stormware) — dominierend im Kleinunternehmens-Segment
  • Money S3 / Money S5 (innerhalb der Seyfor-Gruppe, teilweise überlappendes Segment)
  • K2 atmitec — projektorientierter ERP-Anbieter aus Ostrava
  • International im DACH-/Mittelstandsumfeld: SAP Business One, Sage, Odoo

Bei Cloud-Buchhaltung für kleine Unternehmen konkurriert ABRA Flexi mit Pohoda, iDoklad (ebenfalls Seyfor) und internationalen SaaS-Anbietern wie Xero oder QuickBooks, die im CEE-Markt jedoch nur schwach präsent sind.

Im DACH-Kontext lässt sich ABRA mit den im Horizontal-ERP DACH gelisteten Mittelstandslösungen vergleichen, wobei der Marktzugang in Deutschland und Österreich für ABRA bisher kein strategischer Fokus ist.

Quellen