MS-DOS
MS-DOS (Microsoft Disk Operating System) ist ein kommandozeilenbasiertes Betriebssystem für IBM PC-kompatible Computer, das von Microsoft zwischen 1981...
MS-DOS
MS-DOS (Microsoft Disk Operating System) ist ein kommandozeilenbasiertes Betriebssystem für IBM PC-kompatible Computer, das von Microsoft zwischen 1981 und 2000 entwickelt wurde. Als das dominierende Betriebssystem der 1980er Jahre legte MS-DOS den Grundstein für Microsofts Aufstieg zum weltweit führenden Softwareunternehmen und war der direkte Vorläufer von Windows.
Überblick
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Typ | Betriebssystem (Disk Operating System) |
| Entwickler | Microsoft |
| Erstveröffentlichung | August 1981 |
| Letzte eigenständige Version | MS-DOS 6.22 (April 1994) |
| Entwicklung eingestellt | 2000 |
| Lizenz | Ursprünglich proprietär, seit 2018 MIT-Lizenz (Quellcode) |
| Quellcode | github.com/microsoft/MS-DOS |
| Architektur | x86 (Intel 8086/8088 und Nachfolger) |
Geschichte und Entwicklung
Ursprung: QDOS und 86-DOS (1980)
Die Geschichte von MS-DOS beginnt bei Seattle Computer Products (SCP). Im April 1980 beauftragte SCP den 24-jährigen Programmierer Tim Paterson mit der Entwicklung eines Betriebssystems für den Intel 8086-Prozessor. Der Grund: Digital Research verzögerte die Veröffentlichung von CP/M-86, und SCP benötigte dringend ein Betriebssystem für seine 8086-Computerkits.
Paterson entwickelte in nur sechs Wochen ein System, das er zunächst QDOS (Quick and Dirty Operating System) nannte – später umbenannt in 86-DOS. Das System war im Wesentlichen ein Klon von CP/M, portiert auf die 8086-Architektur, mit zwei wesentlichen Verbesserungen:
- Optimierte Disk-Pufferlogik
- Einführung des FAT12-Dateisystems anstelle des CP/M-Dateisystems
Der IBM-Deal (1980-1981)
IBM wandte sich im Juli 1980 an Microsoft, um Software für den in Entwicklung befindlichen IBM Personal Computer zu beschaffen. IBM hatte zuvor Digital Research kontaktiert, konnte sich jedoch nicht auf Lizenzbedingungen einigen.
Microsoft, zu diesem Zeitpunkt ohne eigenes Betriebssystem, handelte schnell:
- Dezember 1980: Microsoft erwirbt eine nicht-exklusive Lizenz für 86-DOS für 25.000 US-Dollar
- Mai 1981: Tim Paterson wird von Microsoft eingestellt, um das System auf den IBM PC zu portieren
- Juli 1981: Microsoft kauft alle Rechte an 86-DOS für 50.000 US-Dollar und benennt es in MS-DOS um
- August 1981: IBM veröffentlicht den IBM PC mit PC DOS 1.0 (Microsofts MS-DOS unter IBM-Bezeichnung)
Strategische Weichenstellung
Der entscheidende Faktor für Microsofts späteren Erfolg war eine Vertragsklausel: Microsoft behielt das Recht, das Betriebssystem unter dem Namen MS-DOS auch an andere Hersteller zu lizenzieren. Innerhalb eines Jahres lizenzierte Microsoft MS-DOS an über 70 Unternehmen.
Versionsgeschichte
| Version | Veröffentlichung | Wichtige Neuerungen |
|---|---|---|
| MS-DOS 1.0 | August 1981 | Erste Version für IBM PC |
| MS-DOS 1.25 | August 1982 | Erste Version unter dem Namen “MS-DOS” |
| MS-DOS 2.0 | März 1983 | Unterstützung für Festplatten und Unterverzeichnisse |
| MS-DOS 3.3 | 1987 | Support für 1,44 MB Disketten, mehrere Partitionen |
| MS-DOS 4.01 | November 1988 | Volume-Seriennummern |
| MS-DOS 5.0 | Juni 1991 | himem.sys, Vollbild-Editor, 2,88 MB Disketten |
| MS-DOS 6.0 | August 1993 | Disk-Komprimierung (DoubleSpace), Antivirensoftware |
| MS-DOS 6.22 | April 1994 | Letzte eigenständige Version, DriveSpace statt DoubleSpace |
| MS-DOS 7.0 | August 1995 | Integriert in Windows 95 |
| MS-DOS 8.0 | 2000 | Letzte Version, Teil von Windows ME |
Integration in Windows und Ende
Mit Windows 95 (August 1995) wurde MS-DOS 7.0 als Unterbau integriert, blieb aber im Hintergrund aktiv. Die Entwicklung endete im Jahr 2000 mit Version 8.0, die als Boot-System für Windows Millennium Edition diente.
Open-Source-Veröffentlichung
- März 2014: Microsoft veröffentlicht den Quellcode von MS-DOS 1.25 und 2.0 über das Computer History Museum unter einer restriktiven “Read-Only”-Lizenz
- September 2018: Neuveröffentlichung auf GitHub unter der MIT-Lizenz
- April 2024: Veröffentlichung des MS-DOS 4.0-Quellcodes in Zusammenarbeit mit IBM, ebenfalls unter MIT-Lizenz
Funktionen und Architektur
Kernfunktionen
- Kommandozeileninterface: Textbasierte Eingabe von Befehlen
- FAT-Dateisystem: FAT12 (MS-DOS 1.x), später FAT16 und FAT32
- Batch-Dateien: Automatisierung durch .BAT-Skripte
- Gerätetreiber: Modulare Treiberarchitektur (.SYS-Dateien)
- Speicherverwaltung: Konventioneller Speicher (640 KB), ab MS-DOS 5.0 Extended Memory Support
Wichtige Systemdateien
- IO.SYS / MSDOS.SYS: Kernelkomponenten
- COMMAND.COM: Kommandointerpreter
- CONFIG.SYS: Systemkonfiguration
- AUTOEXEC.BAT: Automatisch ausgeführte Startbefehle
Technische Limitierungen
- 640 KB konventioneller Speicher (berühmte “640K-Grenze”)
- Keine native Multitasking-Unterstützung
- Keine Multiuser-Fähigkeit
- Dateinamen auf 8.3-Format beschränkt (8 Zeichen + 3 Zeichen Erweiterung)
Team und Führung
Schlüsselpersonen
| Person | Rolle |
|---|---|
| Tim Paterson | Erfinder von QDOS/86-DOS, später Microsoft-Mitarbeiter (1981-1982, 1986-1988, 1990-1998) |
| Bill Gates | Microsoft-Gründer und CEO, verhandelte den IBM-Deal |
| Paul Allen | Microsoft-Mitgründer, verantwortlich für die Akquisition von 86-DOS |
| Steve Ballmer | Ab Juni 1980 bei Microsoft für Business Development zuständig |
Entwicklungsteam
Zum Zeitpunkt des IBM-Deals arbeiteten 35 der damals 100 Microsoft-Mitarbeiter über ein Jahr lang am IBM-Projekt.
Eigentümerschaft
MS-DOS war und ist vollständig im Besitz von Microsoft. Bei der Gründung von Microsoft als Kapitalgesellschaft im Juni 1981 war das Eigentum wie folgt verteilt:
- Bill Gates: 45%
- Paul Allen: 25%
- Steve Ballmer: 8%
- Weitere Mitarbeiter: 22%
Microsoft ging am 13. März 1986 an die Börse.
Marktposition und Bedeutung
Marktdominanz
MS-DOS entwickelte sich zum dominierenden Betriebssystem der 1980er Jahre:
- 1982: Lizenzierung an über 70 Hersteller
- 1984: IBM PC und Kompatible werden zur dominierenden Plattform
- 1990: MS-DOS hält 65% des US-Computerspielmarktes
Wirtschaftliche Bedeutung
Der Erfolg von MS-DOS war der Grundstein für Microsofts Aufstieg:
- Schaffung des “IBM-kompatiblen PC”-Standards
- Etablierung von Microsoft als führendem Softwareanbieter
- Basis für die spätere Windows-Dominanz
- Ermöglichung des PC-Klon-Marktes
Konkurrenz
Historische Wettbewerber
| Produkt | Hersteller | Anmerkungen |
|---|---|---|
| CP/M-86 | Digital Research | Direkter Vorgänger/Konkurrent, 6x teurer als PC DOS |
| DR-DOS | Digital Research | MS-DOS-kompatibler Klon, ab 1988 |
| Novell DOS 7.0 | Novell | Nach Übernahme von Digital Research, 1994 |
| PC DOS | IBM | IBMs eigene Version, divergierte ab 1993 |
| FreeDOS | Open Source | Freie MS-DOS-Alternative, seit 1994 in Entwicklung |
Plattform-Wettbewerber
- Apple Macintosh (ab 1984): Grafische Oberfläche, höherer Preis
- Commodore Amiga (ab 1985): Überlegene Multimedia-Fähigkeiten
- OS/2 (ab 1987): Von IBM und Microsoft, später nur IBM
Niedergang der Konkurrenz
CP/M-86 scheiterte primär am Preis: Während PC DOS für 40 US-Dollar angeboten wurde, kostete CP/M-86 240 US-Dollar. DR-DOS war technisch teils überlegen (frühere Features wie Speicheroptimierung), konnte sich aber gegen Microsofts Marktmacht nicht durchsetzen.
Vermächtnis
MS-DOS hinterließ bleibende Spuren in der Computergeschichte:
- Das FAT-Dateisystem wird bis heute auf USB-Sticks und SD-Karten verwendet
- Viele DOS-Befehle existieren in Windows-Kommandozeilen weiter
- Die Open-Source-Veröffentlichung ermöglicht Forschung und Bildung
- FreeDOS führt die DOS-Tradition als freie Software fort
Quellen
- MS-DOS - Wikipedia
- MS-DOS | Britannica
- Microsoft MS-DOS early source code - Computer History Museum
- Tim Paterson - Wikipedia
- 86-DOS - Wikipedia
- DR-DOS - Wikipedia
- Timeline of DOS operating systems - Wikipedia
- Microsoft DOS History - ComputerHope
- History of Microsoft - Wikipedia
- GitHub - microsoft/MS-DOS
- Open sourcing MS-DOS 4.0 - Microsoft Open Source Blog
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