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Produkt Aktualisiert: 26.1.2026

MS-DOS

MS-DOS (Microsoft Disk Operating System) ist ein kommandozeilenbasiertes Betriebssystem für IBM PC-kompatible Computer, das von Microsoft zwischen 1981...

MS-DOS

MS-DOS (Microsoft Disk Operating System) ist ein kommandozeilenbasiertes Betriebssystem für IBM PC-kompatible Computer, das von Microsoft zwischen 1981 und 2000 entwickelt wurde. Als das dominierende Betriebssystem der 1980er Jahre legte MS-DOS den Grundstein für Microsofts Aufstieg zum weltweit führenden Softwareunternehmen und war der direkte Vorläufer von Windows.

Überblick

EigenschaftDetails
TypBetriebssystem (Disk Operating System)
EntwicklerMicrosoft
ErstveröffentlichungAugust 1981
Letzte eigenständige VersionMS-DOS 6.22 (April 1994)
Entwicklung eingestellt2000
LizenzUrsprünglich proprietär, seit 2018 MIT-Lizenz (Quellcode)
Quellcodegithub.com/microsoft/MS-DOS
Architekturx86 (Intel 8086/8088 und Nachfolger)

Geschichte und Entwicklung

Ursprung: QDOS und 86-DOS (1980)

Die Geschichte von MS-DOS beginnt bei Seattle Computer Products (SCP). Im April 1980 beauftragte SCP den 24-jährigen Programmierer Tim Paterson mit der Entwicklung eines Betriebssystems für den Intel 8086-Prozessor. Der Grund: Digital Research verzögerte die Veröffentlichung von CP/M-86, und SCP benötigte dringend ein Betriebssystem für seine 8086-Computerkits.

Paterson entwickelte in nur sechs Wochen ein System, das er zunächst QDOS (Quick and Dirty Operating System) nannte – später umbenannt in 86-DOS. Das System war im Wesentlichen ein Klon von CP/M, portiert auf die 8086-Architektur, mit zwei wesentlichen Verbesserungen:

  • Optimierte Disk-Pufferlogik
  • Einführung des FAT12-Dateisystems anstelle des CP/M-Dateisystems

Der IBM-Deal (1980-1981)

IBM wandte sich im Juli 1980 an Microsoft, um Software für den in Entwicklung befindlichen IBM Personal Computer zu beschaffen. IBM hatte zuvor Digital Research kontaktiert, konnte sich jedoch nicht auf Lizenzbedingungen einigen.

Microsoft, zu diesem Zeitpunkt ohne eigenes Betriebssystem, handelte schnell:

  • Dezember 1980: Microsoft erwirbt eine nicht-exklusive Lizenz für 86-DOS für 25.000 US-Dollar
  • Mai 1981: Tim Paterson wird von Microsoft eingestellt, um das System auf den IBM PC zu portieren
  • Juli 1981: Microsoft kauft alle Rechte an 86-DOS für 50.000 US-Dollar und benennt es in MS-DOS um
  • August 1981: IBM veröffentlicht den IBM PC mit PC DOS 1.0 (Microsofts MS-DOS unter IBM-Bezeichnung)

Strategische Weichenstellung

Der entscheidende Faktor für Microsofts späteren Erfolg war eine Vertragsklausel: Microsoft behielt das Recht, das Betriebssystem unter dem Namen MS-DOS auch an andere Hersteller zu lizenzieren. Innerhalb eines Jahres lizenzierte Microsoft MS-DOS an über 70 Unternehmen.

Versionsgeschichte

VersionVeröffentlichungWichtige Neuerungen
MS-DOS 1.0August 1981Erste Version für IBM PC
MS-DOS 1.25August 1982Erste Version unter dem Namen “MS-DOS”
MS-DOS 2.0März 1983Unterstützung für Festplatten und Unterverzeichnisse
MS-DOS 3.31987Support für 1,44 MB Disketten, mehrere Partitionen
MS-DOS 4.01November 1988Volume-Seriennummern
MS-DOS 5.0Juni 1991himem.sys, Vollbild-Editor, 2,88 MB Disketten
MS-DOS 6.0August 1993Disk-Komprimierung (DoubleSpace), Antivirensoftware
MS-DOS 6.22April 1994Letzte eigenständige Version, DriveSpace statt DoubleSpace
MS-DOS 7.0August 1995Integriert in Windows 95
MS-DOS 8.02000Letzte Version, Teil von Windows ME

Integration in Windows und Ende

Mit Windows 95 (August 1995) wurde MS-DOS 7.0 als Unterbau integriert, blieb aber im Hintergrund aktiv. Die Entwicklung endete im Jahr 2000 mit Version 8.0, die als Boot-System für Windows Millennium Edition diente.

Open-Source-Veröffentlichung

  • März 2014: Microsoft veröffentlicht den Quellcode von MS-DOS 1.25 und 2.0 über das Computer History Museum unter einer restriktiven “Read-Only”-Lizenz
  • September 2018: Neuveröffentlichung auf GitHub unter der MIT-Lizenz
  • April 2024: Veröffentlichung des MS-DOS 4.0-Quellcodes in Zusammenarbeit mit IBM, ebenfalls unter MIT-Lizenz

Funktionen und Architektur

Kernfunktionen

  • Kommandozeileninterface: Textbasierte Eingabe von Befehlen
  • FAT-Dateisystem: FAT12 (MS-DOS 1.x), später FAT16 und FAT32
  • Batch-Dateien: Automatisierung durch .BAT-Skripte
  • Gerätetreiber: Modulare Treiberarchitektur (.SYS-Dateien)
  • Speicherverwaltung: Konventioneller Speicher (640 KB), ab MS-DOS 5.0 Extended Memory Support

Wichtige Systemdateien

  • IO.SYS / MSDOS.SYS: Kernelkomponenten
  • COMMAND.COM: Kommandointerpreter
  • CONFIG.SYS: Systemkonfiguration
  • AUTOEXEC.BAT: Automatisch ausgeführte Startbefehle

Technische Limitierungen

  • 640 KB konventioneller Speicher (berühmte “640K-Grenze”)
  • Keine native Multitasking-Unterstützung
  • Keine Multiuser-Fähigkeit
  • Dateinamen auf 8.3-Format beschränkt (8 Zeichen + 3 Zeichen Erweiterung)

Team und Führung

Schlüsselpersonen

PersonRolle
Tim PatersonErfinder von QDOS/86-DOS, später Microsoft-Mitarbeiter (1981-1982, 1986-1988, 1990-1998)
Bill GatesMicrosoft-Gründer und CEO, verhandelte den IBM-Deal
Paul AllenMicrosoft-Mitgründer, verantwortlich für die Akquisition von 86-DOS
Steve BallmerAb Juni 1980 bei Microsoft für Business Development zuständig

Entwicklungsteam

Zum Zeitpunkt des IBM-Deals arbeiteten 35 der damals 100 Microsoft-Mitarbeiter über ein Jahr lang am IBM-Projekt.

Eigentümerschaft

MS-DOS war und ist vollständig im Besitz von Microsoft. Bei der Gründung von Microsoft als Kapitalgesellschaft im Juni 1981 war das Eigentum wie folgt verteilt:

  • Bill Gates: 45%
  • Paul Allen: 25%
  • Steve Ballmer: 8%
  • Weitere Mitarbeiter: 22%

Microsoft ging am 13. März 1986 an die Börse.

Marktposition und Bedeutung

Marktdominanz

MS-DOS entwickelte sich zum dominierenden Betriebssystem der 1980er Jahre:

  • 1982: Lizenzierung an über 70 Hersteller
  • 1984: IBM PC und Kompatible werden zur dominierenden Plattform
  • 1990: MS-DOS hält 65% des US-Computerspielmarktes

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Erfolg von MS-DOS war der Grundstein für Microsofts Aufstieg:

  • Schaffung des “IBM-kompatiblen PC”-Standards
  • Etablierung von Microsoft als führendem Softwareanbieter
  • Basis für die spätere Windows-Dominanz
  • Ermöglichung des PC-Klon-Marktes

Konkurrenz

Historische Wettbewerber

ProduktHerstellerAnmerkungen
CP/M-86Digital ResearchDirekter Vorgänger/Konkurrent, 6x teurer als PC DOS
DR-DOSDigital ResearchMS-DOS-kompatibler Klon, ab 1988
Novell DOS 7.0NovellNach Übernahme von Digital Research, 1994
PC DOSIBMIBMs eigene Version, divergierte ab 1993
FreeDOSOpen SourceFreie MS-DOS-Alternative, seit 1994 in Entwicklung

Plattform-Wettbewerber

  • Apple Macintosh (ab 1984): Grafische Oberfläche, höherer Preis
  • Commodore Amiga (ab 1985): Überlegene Multimedia-Fähigkeiten
  • OS/2 (ab 1987): Von IBM und Microsoft, später nur IBM

Niedergang der Konkurrenz

CP/M-86 scheiterte primär am Preis: Während PC DOS für 40 US-Dollar angeboten wurde, kostete CP/M-86 240 US-Dollar. DR-DOS war technisch teils überlegen (frühere Features wie Speicheroptimierung), konnte sich aber gegen Microsofts Marktmacht nicht durchsetzen.

Vermächtnis

MS-DOS hinterließ bleibende Spuren in der Computergeschichte:

  • Das FAT-Dateisystem wird bis heute auf USB-Sticks und SD-Karten verwendet
  • Viele DOS-Befehle existieren in Windows-Kommandozeilen weiter
  • Die Open-Source-Veröffentlichung ermöglicht Forschung und Bildung
  • FreeDOS führt die DOS-Tradition als freie Software fort

Quellen

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