Microsoft Hyper-V
Microsoft Hyper-V ist eine Enterprise-Virtualisierungsplattform und ein Typ-1-Hypervisor von Microsoft, der direkt auf der Hardware ausgeführt wird und...
Microsoft Hyper-V
Microsoft Hyper-V ist eine Enterprise-Virtualisierungsplattform und ein Typ-1-Hypervisor von Microsoft, der direkt auf der Hardware ausgeführt wird und die Erstellung, Verwaltung und den Betrieb virtueller Maschinen (VMs) ermöglicht. Hyper-V ist als Serverrolle in Windows Server sowie als Feature in Windows 10/11 Pro, Enterprise und Education integriert und bildet die Grundlage für Microsofts On-Premises- und Hybrid-Cloud-Virtualisierungsstrategie. Als Nachfolger von Microsoft Virtual Server wurde Hyper-V erstmals 2008 veröffentlicht und hat sich seitdem zu einer der führenden Virtualisierungslösungen für Windows-zentrierte Infrastrukturen entwickelt.
Überblick
- Typ: Typ-1-Hypervisor / Virtualisierungsplattform
- Hersteller: Microsoft Corporation
- Erstveröffentlichung: 26. Juni 2008 (mit Windows Server 2008)
- Aktuelle Version: Hyper-V in Windows Server 2025 (GA: November 2024)
- Lizenzmodell: In Windows Server Standard und Datacenter enthalten; kein separater Kauf nötig
- Plattform: Windows Server, Windows 10/11 (Pro/Enterprise/Education)
- Hauptsitz des Herstellers: Redmond, Washington, USA
- Website: learn.microsoft.com/windows-server/virtualization/hyper-v
Produkte und Editionen
Hyper-V als Windows-Server-Rolle
Hyper-V ist als Serverrolle in allen Editionen von Windows Server verfügbar – sowohl in der Desktop-Experience-Variante als auch in Server Core (für reduzierte Angriffsfläche und geringeren Ressourcenverbrauch).
| Edition | Virtualisierungsrechte | Preis (16-Core-Basis) |
|---|---|---|
| Windows Server 2025 Standard | 2 VMs pro Lizenz | ca. $1.176 |
| Windows Server 2025 Datacenter | Unbegrenzte VMs | ca. $6.771 |
Hyper-V Server (eingestellt)
Von 2008 bis 2021 bot Microsoft eine kostenlose, eigenständige Version namens Hyper-V Server an – eine abgespeckte Windows Server Core-Installation, die ausschließlich die Hyper-V-Rolle unterstützte. Die letzte Version war Hyper-V Server 2019. Mit Windows Server 2025 wurde diese kostenlose Variante offiziell eingestellt.
Hyper-V in Windows Client
Seit Windows 8 ist Hyper-V auch in den Client-Editionen Pro, Enterprise und Education verfügbar und wird häufig für Entwicklungs- und Testumgebungen genutzt.
Azure Local (ehemals Azure Stack HCI)
Azure Local ist Microsofts hyperkonvergente Infrastrukturlösung, die auf Hyper-V, Storage Spaces Direct und Azure-Management-Diensten basiert. Sie ermöglicht den Betrieb von Azure-Diensten vor Ort mit einheitlicher Verwaltung über das Azure-Portal.
Kernfunktionen
- Live Migration: Verschieben laufender VMs zwischen Hosts ohne Ausfallzeit
- Hyper-V Replica: Asynchrone Replikation von VMs für Disaster Recovery
- Generation-2-VMs: UEFI-basierte VMs mit Secure Boot und bis zu 2.048 vCPUs und 240 TB RAM (ab Windows Server 2025)
- GPU-Partitionierung (GPU-P): Aufteilung physischer GPUs auf mehrere VMs (neu in Windows Server 2025)
- Nested Virtualization: Hyper-V innerhalb einer VM ausführen
- Shielded VMs: Verschlüsselte und geschützte VMs für erhöhte Sicherheit
- Azure Arc Integration: Einheitliche Verwaltung von On-Premises- und Cloud-Ressourcen
- Hotpatching: Sicherheitsupdates ohne Neustart über Azure Arc (Windows Server 2025)
- Workgroup Clusters: Zertifikatsbasierte Cluster ohne Active-Directory-Abhängigkeit (Windows Server 2025)
- Unterstützung für Windows, Linux und FreeBSD als Gastbetriebssysteme
Geschichte und Entwicklung
Vorgeschichte: Microsoft Virtual Server
Hyper-V geht auf Microsoft Virtual Server zurück, das seinerseits auf der von Connectix erworbenen Virtual-PC-Technologie basierte. Virtual Server bot grundlegende Servervirtualisierung, war jedoch auf 32-Bit-Gäste beschränkt und konnte nicht mit VMwares ESX konkurrieren.
Wichtige Meilensteine
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 2003 | Microsoft erwirbt Connectix (Virtual PC/Virtual Server) |
| 2008 | Hyper-V 1.0 erscheint mit Windows Server 2008 (26. Juni 2008) |
| 2009 | Windows Server 2008 R2 bringt Live Migration |
| 2012 | Windows Server 2012 mit massiv erweitertem Hyper-V (Hyper-V Replica, Shared VHDX) |
| 2012 | Hyper-V wird auch in Windows 8 Client integriert |
| 2013 | Windows Server 2012 R2 führt Generation-2-VMs ein |
| 2016 | Windows Server 2016 bringt Shielded VMs und Nested Virtualization |
| 2018 | Hyper-V Server 2019 – letzte kostenlose Standalone-Version |
| 2021 | Azure Stack HCI als hybride Alternative zu klassischem Hyper-V |
| 2024 | Windows Server 2025 mit GPU-P, Hotpatching, Workgroup Clusters |
Strategischer Wandel
Unter CEO Satya Nadella hat Microsoft die Virtualisierungsstrategie zunehmend in Richtung Hybrid Cloud verlagert. Hyper-V bleibt die On-Premises-Grundlage, wird aber enger mit Azure-Diensten verzahnt. Azure Local (ehemals Azure Stack HCI) repräsentiert diese Konvergenz: Hyper-V-basierte Virtualisierung mit Azure-Management, Azure Arc und Cloud-Diensten.
Führung und Entwicklung
Hyper-V wird als Teil von Windows Server innerhalb der Cloud + AI Group bei Microsoft entwickelt. Die relevante Führungsstruktur:
- Satya Nadella – Chairman & CEO, Microsoft
- Scott Guthrie – Executive Vice President, Cloud + AI Group
- Erin Chapple – Corporate Vice President, Azure Core (zuständig für Windows Server und Azure-Infrastruktur)
Eigentümerschaft
Microsoft Hyper-V ist ein Produkt der Microsoft Corporation (NASDAQ: MSFT), einem börsennotierten Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über $3 Billionen. Es gibt keinen PE- oder VC-Investor – Microsoft ist vollständig im Streubesitz öffentlicher Aktionäre.
Einsatzbereiche
- Server-Konsolidierung: Zusammenführung physischer Server auf weniger Hardware
- Private Cloud: Aufbau sicherer, privater Cloud-Umgebungen (Gesundheitswesen, Finanzwesen, Behörden)
- Entwicklung und Test: Schnelle Bereitstellung von Test- und Entwicklungsumgebungen
- Disaster Recovery: VM-Replikation und Failover für Geschäftskontinuität
- VDI (Virtual Desktop Infrastructure): Bereitstellung virtueller Desktops
- Hybrid Cloud: Integration mit Azure über Azure Arc und Azure Local
- Datenbank-Workloads: Optimierte Virtualisierung von SQL Server
Konkurrenz
| Anbieter | Produkt | Typ | Lizenz |
|---|---|---|---|
| Broadcom | VMware vSphere | Typ-1-Hypervisor | Kommerziell (Subscription) |
| Red Hat | KVM / RHEV | Typ-1-Hypervisor (Linux-Kernel) | Open Source / Kommerziell |
| Proxmox | Proxmox VE | Typ-1-Hypervisor (KVM + LXC) | Open Source (AGPLv3) |
| Nutanix | AHV | Typ-1-Hypervisor (KVM-basiert) | Kommerziell (HCI-integriert) |
| Citrix | XenServer | Typ-1-Hypervisor (Xen-basiert) | Open Source / Kommerziell |
| XCP-ng | XCP-ng | Typ-1-Hypervisor (Xen-basiert) | Open Source |
| Oracle | Oracle VM | Typ-1-Hypervisor (Xen-basiert) | Kommerziell |
Marktdynamik nach der Broadcom-VMware-Übernahme
Die Übernahme von VMware durch Broadcom (2023) hat den Virtualisierungsmarkt erheblich verändert. Laut Gartner wird VMwares Marktanteil voraussichtlich von 70 % (2024) auf 40 % (2029) sinken. Die Abschaffung von Perpetual Licenses zugunsten von Subscription-Modellen hat eine Abwanderungswelle ausgelöst – 98 % der befragten VMware-Kunden erwägen laut einer Rimini-Street-Umfrage (2024) Alternativen. Hyper-V profitiert als etablierte Alternative besonders bei Unternehmen, die bereits im Microsoft-Ökosystem arbeiten.
Quellen
- Microsoft Learn – Hyper-V Übersicht
- Wikipedia – Hyper-V
- Microsoft Blog – The Future of Windows Server Hyper-V is Bright
- Microsoft Blog – Windows Server 2025 Generally Available
- Microsoft – Windows Server 2025 Pricing
- StarWind – Windows Server 2025 and Free Hyper-V
- Cherry Servers – KVM vs VMware vs Hyper-V
- Cloud Data Insights – Virtualization in 2024: The Broadcom Effect
- StorMagic – Hypervisor Market Share Trends
- Microsoft Learn – Azure Local Overview
- BackupChain – The History of Hyper-V
- Veeam – Hyper-V VM Generations & Versioning
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