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Produkt Aktualisiert: 18.1.2026

Microsoft DOS

Microsoft DOS (MS-DOS, kurz für Microsoft Disk Operating System) ist ein Kommandozeilen-basiertes Betriebssystem für x86-kompatible Personal Computer, das...

Microsoft DOS

Microsoft DOS (MS-DOS, kurz für Microsoft Disk Operating System) ist ein Kommandozeilen-basiertes Betriebssystem für x86-kompatible Personal Computer, das 1981 von Microsoft veröffentlicht wurde. Es war das dominierende Betriebssystem für IBM-PC-kompatible Computer während der 1980er Jahre und bildete die Grundlage für die frühen Versionen von Microsoft Windows. MS-DOS prägte die Entwicklung der PC-Industrie maßgeblich und etablierte Microsoft als führendes Softwareunternehmen.

Überblick

  • Typ: Betriebssystem (Disk Operating System)
  • Hersteller: Microsoft
  • Erstveröffentlichung: August 1981
  • Letzte eigenständige Version: MS-DOS 6.22 (April 1994)
  • Entwicklung eingestellt: 2000
  • Lizenz: Proprietär (Quellcode von MS-DOS 1.25 und 2.0 auf GitHub veröffentlicht)
  • Plattform: x86-Prozessoren (Intel 8086/8088 und Nachfolger)
  • Website: microsoft.com

Produkte und Funktionen

Kernfunktionen

MS-DOS war ein Single-Tasking-Betriebssystem mit textbasierter Benutzeroberfläche. Die wesentlichen Merkmale umfassten:

  • FAT-Dateisystem: Einführung des File Allocation Table (FAT) Dateisystems, zunächst FAT12, später FAT16 und FAT32
  • Kommandozeileninterpreter: COMMAND.COM als zentrale Schnittstelle für Benutzerbefehle
  • Gerätetreiber: Unterstützung für Festplatten, Disketten und Peripheriegeräte
  • Speicherverwaltung: Ursprünglich auf 640 KB konventionellen Speicher begrenzt

Versionsübersicht

VersionJahrWichtige Neuerungen
MS-DOS 1.01981Erste Version für IBM PC
MS-DOS 2.01983Festplattenunterstützung, Unterverzeichnisse
MS-DOS 3.019841,2 MB Disketten, größere Festplatten
MS-DOS 3.11985Erste Version mit Netzwerkunterstützung
MS-DOS 4.01988DOS Shell, Partitionen bis 2 GB
MS-DOS 5.01991EDIT-Editor, QBasic, erweiterter Speicher
MS-DOS 6.01993Festplattenkomprimierung, Antivirensoftware
MS-DOS 6.221994Letzte eigenständige Version

Mitgelieferte Programme

Ab Version 5.0 enthielt MS-DOS zahlreiche integrierte Werkzeuge:

  • EDIT: Vollbild-Texteditor
  • QBasic: BASIC-Programmierumgebung
  • HIMEM.SYS: Erweiterte Speicherverwaltung
  • ScanDisk: Festplattenprüfung und -reparatur
  • MSAV: Microsoft Antivirus (ab Version 6.0)

Geschichte und Entwicklung

Ursprünge bei Seattle Computer Products (1980)

Die Geschichte von MS-DOS begann 1980 bei Seattle Computer Products (SCP). Der damals 24-jährige Programmierer Tim Paterson entwickelte ein Betriebssystem für den Intel 8086-Prozessor, da das angekündigte CP/M-86 von Digital Research nicht verfügbar war. Paterson schrieb das System in etwa sechs Wochen und nannte es zunächst QDOS (Quick and Dirty Operating System), später 86-DOS.

Übernahme durch Microsoft (1981)

Microsoft erkannte das Potenzial des Betriebssystems für den in Entwicklung befindlichen IBM Personal Computer:

  • Dezember 1980: Microsoft erwarb eine nicht-exklusive Lizenz für 86-DOS für 25.000 US-Dollar
  • Mai 1981: Tim Paterson wurde von Microsoft eingestellt, um das System auf den IBM PC zu portieren
  • Juli 1981: Microsoft kaufte die vollständigen Rechte für weitere 50.000 US-Dollar
  • August 1981: Veröffentlichung als PC-DOS 1.0 zusammen mit dem IBM PC

Microsoft behielt die Rechte, das Betriebssystem unter dem Namen MS-DOS an andere Computerhersteller zu lizenzieren. Innerhalb eines Jahres lizenzierte Microsoft MS-DOS an über 70 Unternehmen.

Aufstieg zum Marktführer (1982-1990)

MS-DOS setzte sich schnell gegen die Konkurrenz durch:

  • Preisvorteil: PC-DOS kostete nur 40 US-Dollar, während CP/M-86 für 240 US-Dollar angeboten wurde
  • Weite Verbreitung: Durch die Lizenzierung an zahlreiche PC-Hersteller wurde MS-DOS zum De-facto-Standard
  • Kontinuierliche Weiterentwicklung: Neue Versionen brachten Unterstützung für größere Festplatten, neue Diskettenformate und verbesserte Speicherverwaltung

Integration in Windows (1990-2000)

Ab 1985 diente MS-DOS als Grundlage für Microsoft Windows:

  • Windows 1.0-3.x: Liefen als grafische Oberfläche auf MS-DOS
  • Windows 95/98/ME: Integrierten MS-DOS (Version 7.x) als Unterbau
  • Windows NT/2000/XP: Basierten nicht mehr auf MS-DOS und beendeten dessen Ära

Team und Führung

Schlüsselpersonen

Tim Paterson – Ursprünglicher Entwickler von 86-DOS/QDOS bei Seattle Computer Products. Arbeitete später mehrfach bei Microsoft (1981, 1986-1988, 1990-1998), unter anderem an Visual Basic.

Bill Gates – Mitgründer von Microsoft, erkannte das strategische Potenzial des Betriebssystems und verhandelte den Deal mit IBM.

Paul Allen – Mitgründer von Microsoft, war maßgeblich an der Akquisition von 86-DOS beteiligt.

Eigentümer und Unternehmensstruktur

MS-DOS war und ist vollständig im Besitz von Microsoft. Das Unternehmen erwarb 1981 die vollständigen Rechte von Seattle Computer Products. Microsoft veröffentlichte 2014 und 2018 den Quellcode von MS-DOS 1.25 und 2.0 auf GitHub zu Referenzzwecken.

Konkurrenz

Historische Konkurrenten

ProduktHerstellerZeitraumBesonderheit
CP/M-86Digital Research1982-1988Vorgänger und ursprünglicher Marktführer
DR-DOSDigital Research1988-1999Erster MS-DOS-kompatibler Konkurrent
PC-DOSIBM1981-2003OEM-Version für IBM-Computer
Novell DOSNovell1991-1994Nach Übernahme von Digital Research
PTS-DOSPhysTechSoft1993-heuteRussische Alternative

Moderne Alternativen und Nachfolger

  • FreeDOS: Open-Source-Betriebssystem mit vollständiger MS-DOS-Kompatibilität, aktiv seit 1994
  • DOSBox: Emulator für MS-DOS-Programme, besonders für Spiele populär
  • DOSBox-X: Erweiterte Version mit Windows 3.x und 9x-Unterstützung

Vermächtnis

MS-DOS legte den Grundstein für Microsofts Dominanz im PC-Markt. Das FAT-Dateisystem wird bis heute auf USB-Sticks und SD-Karten verwendet. Viele DOS-Programme laufen dank FreeDOS und DOSBox auch auf modernen Systemen. Der Quellcode früher Versionen ist mittlerweile öffentlich auf GitHub einsehbar.

Quellen

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