Microsoft DOS
Microsoft DOS (MS-DOS, kurz für Microsoft Disk Operating System) ist ein Kommandozeilen-basiertes Betriebssystem für x86-kompatible Personal Computer, das...
Microsoft DOS
Microsoft DOS (MS-DOS, kurz für Microsoft Disk Operating System) ist ein Kommandozeilen-basiertes Betriebssystem für x86-kompatible Personal Computer, das 1981 von Microsoft veröffentlicht wurde. Es war das dominierende Betriebssystem für IBM-PC-kompatible Computer während der 1980er Jahre und bildete die Grundlage für die frühen Versionen von Microsoft Windows. MS-DOS prägte die Entwicklung der PC-Industrie maßgeblich und etablierte Microsoft als führendes Softwareunternehmen.
Überblick
- Typ: Betriebssystem (Disk Operating System)
- Hersteller: Microsoft
- Erstveröffentlichung: August 1981
- Letzte eigenständige Version: MS-DOS 6.22 (April 1994)
- Entwicklung eingestellt: 2000
- Lizenz: Proprietär (Quellcode von MS-DOS 1.25 und 2.0 auf GitHub veröffentlicht)
- Plattform: x86-Prozessoren (Intel 8086/8088 und Nachfolger)
- Website: microsoft.com
Produkte und Funktionen
Kernfunktionen
MS-DOS war ein Single-Tasking-Betriebssystem mit textbasierter Benutzeroberfläche. Die wesentlichen Merkmale umfassten:
- FAT-Dateisystem: Einführung des File Allocation Table (FAT) Dateisystems, zunächst FAT12, später FAT16 und FAT32
- Kommandozeileninterpreter: COMMAND.COM als zentrale Schnittstelle für Benutzerbefehle
- Gerätetreiber: Unterstützung für Festplatten, Disketten und Peripheriegeräte
- Speicherverwaltung: Ursprünglich auf 640 KB konventionellen Speicher begrenzt
Versionsübersicht
| Version | Jahr | Wichtige Neuerungen |
|---|---|---|
| MS-DOS 1.0 | 1981 | Erste Version für IBM PC |
| MS-DOS 2.0 | 1983 | Festplattenunterstützung, Unterverzeichnisse |
| MS-DOS 3.0 | 1984 | 1,2 MB Disketten, größere Festplatten |
| MS-DOS 3.1 | 1985 | Erste Version mit Netzwerkunterstützung |
| MS-DOS 4.0 | 1988 | DOS Shell, Partitionen bis 2 GB |
| MS-DOS 5.0 | 1991 | EDIT-Editor, QBasic, erweiterter Speicher |
| MS-DOS 6.0 | 1993 | Festplattenkomprimierung, Antivirensoftware |
| MS-DOS 6.22 | 1994 | Letzte eigenständige Version |
Mitgelieferte Programme
Ab Version 5.0 enthielt MS-DOS zahlreiche integrierte Werkzeuge:
- EDIT: Vollbild-Texteditor
- QBasic: BASIC-Programmierumgebung
- HIMEM.SYS: Erweiterte Speicherverwaltung
- ScanDisk: Festplattenprüfung und -reparatur
- MSAV: Microsoft Antivirus (ab Version 6.0)
Geschichte und Entwicklung
Ursprünge bei Seattle Computer Products (1980)
Die Geschichte von MS-DOS begann 1980 bei Seattle Computer Products (SCP). Der damals 24-jährige Programmierer Tim Paterson entwickelte ein Betriebssystem für den Intel 8086-Prozessor, da das angekündigte CP/M-86 von Digital Research nicht verfügbar war. Paterson schrieb das System in etwa sechs Wochen und nannte es zunächst QDOS (Quick and Dirty Operating System), später 86-DOS.
Übernahme durch Microsoft (1981)
Microsoft erkannte das Potenzial des Betriebssystems für den in Entwicklung befindlichen IBM Personal Computer:
- Dezember 1980: Microsoft erwarb eine nicht-exklusive Lizenz für 86-DOS für 25.000 US-Dollar
- Mai 1981: Tim Paterson wurde von Microsoft eingestellt, um das System auf den IBM PC zu portieren
- Juli 1981: Microsoft kaufte die vollständigen Rechte für weitere 50.000 US-Dollar
- August 1981: Veröffentlichung als PC-DOS 1.0 zusammen mit dem IBM PC
Microsoft behielt die Rechte, das Betriebssystem unter dem Namen MS-DOS an andere Computerhersteller zu lizenzieren. Innerhalb eines Jahres lizenzierte Microsoft MS-DOS an über 70 Unternehmen.
Aufstieg zum Marktführer (1982-1990)
MS-DOS setzte sich schnell gegen die Konkurrenz durch:
- Preisvorteil: PC-DOS kostete nur 40 US-Dollar, während CP/M-86 für 240 US-Dollar angeboten wurde
- Weite Verbreitung: Durch die Lizenzierung an zahlreiche PC-Hersteller wurde MS-DOS zum De-facto-Standard
- Kontinuierliche Weiterentwicklung: Neue Versionen brachten Unterstützung für größere Festplatten, neue Diskettenformate und verbesserte Speicherverwaltung
Integration in Windows (1990-2000)
Ab 1985 diente MS-DOS als Grundlage für Microsoft Windows:
- Windows 1.0-3.x: Liefen als grafische Oberfläche auf MS-DOS
- Windows 95/98/ME: Integrierten MS-DOS (Version 7.x) als Unterbau
- Windows NT/2000/XP: Basierten nicht mehr auf MS-DOS und beendeten dessen Ära
Team und Führung
Schlüsselpersonen
Tim Paterson – Ursprünglicher Entwickler von 86-DOS/QDOS bei Seattle Computer Products. Arbeitete später mehrfach bei Microsoft (1981, 1986-1988, 1990-1998), unter anderem an Visual Basic.
Bill Gates – Mitgründer von Microsoft, erkannte das strategische Potenzial des Betriebssystems und verhandelte den Deal mit IBM.
Paul Allen – Mitgründer von Microsoft, war maßgeblich an der Akquisition von 86-DOS beteiligt.
Eigentümer und Unternehmensstruktur
MS-DOS war und ist vollständig im Besitz von Microsoft. Das Unternehmen erwarb 1981 die vollständigen Rechte von Seattle Computer Products. Microsoft veröffentlichte 2014 und 2018 den Quellcode von MS-DOS 1.25 und 2.0 auf GitHub zu Referenzzwecken.
Konkurrenz
Historische Konkurrenten
| Produkt | Hersteller | Zeitraum | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| CP/M-86 | Digital Research | 1982-1988 | Vorgänger und ursprünglicher Marktführer |
| DR-DOS | Digital Research | 1988-1999 | Erster MS-DOS-kompatibler Konkurrent |
| PC-DOS | IBM | 1981-2003 | OEM-Version für IBM-Computer |
| Novell DOS | Novell | 1991-1994 | Nach Übernahme von Digital Research |
| PTS-DOS | PhysTechSoft | 1993-heute | Russische Alternative |
Moderne Alternativen und Nachfolger
- FreeDOS: Open-Source-Betriebssystem mit vollständiger MS-DOS-Kompatibilität, aktiv seit 1994
- DOSBox: Emulator für MS-DOS-Programme, besonders für Spiele populär
- DOSBox-X: Erweiterte Version mit Windows 3.x und 9x-Unterstützung
Vermächtnis
MS-DOS legte den Grundstein für Microsofts Dominanz im PC-Markt. Das FAT-Dateisystem wird bis heute auf USB-Sticks und SD-Karten verwendet. Viele DOS-Programme laufen dank FreeDOS und DOSBox auch auf modernen Systemen. Der Quellcode früher Versionen ist mittlerweile öffentlich auf GitHub einsehbar.
Quellen
- MS-DOS - Wikipedia (EN)
- MS-DOS - DeWiki
- Die Geschichte von MS/PC-DOS – Vintage Computing Lab
- [Microsoft MS-DOS - WinHistory](https://www.winhistory.de/more/msdos.htm)
- MS-DOS Version History - DOS Wiki
- Tim Paterson - Wikipedia
- 86-DOS - Wikipedia
- DR-DOS - Wikipedia
- FreeDOS Project
- DOSBox
- MS-DOS | Britannica
- Microsoft DOS History - Computer Hope
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