Ka-Jo Neukirchen
Ka-Jo Neukirchen: Karl-Josef „Ka-Jo" Neukirchen (* 17. März 1942 in Bonn; † 26. Dezember 2020) war ein deutscher Industriemanager und Investor, der als...
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Ka-Jo Neukirchen
Karl-Josef „Ka-Jo” Neukirchen (* 17. März 1942 in Bonn; † 26. Dezember 2020) war ein deutscher Industriemanager und Investor, der als einer der bekanntesten Unternehmenssanierer Deutschlands galt. Er wurde vor allem durch die Restrukturierung der Klöckner-Humboldt-Deutz AG, der Hoesch AG und der Metallgesellschaft bekannt. 2009 gründete er die Kajo Neukirchen Gruppe, eine Beteiligungsholding mit Fokus auf mittelständische Industrie- und IT-Unternehmen, darunter VIVAVIS und Systema Datentechnik.
Überblick
- Name: Dr. Karl-Josef „Kajo” Neukirchen
- Geboren: 17. März 1942 in Bonn
- Gestorben: 26. Dezember 2020 (COVID-19)
- Ausbildung: Studium der Physik und Volkswirtschaftslehre, Universität Bonn; Promotion zum Dr. rer. pol. (1973)
- Letzte Position: Gesellschafter und Gründer der Kajo Neukirchen GmbH, Eschborn
- Bekannt als: „Deutschlands strengster Unternehmenssanierer”
Ausbildung
Neukirchen besuchte die Volks- und Handelsschule und absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre. Über den zweiten Bildungsweg erlangte er das Abitur und begann 1964 ein Studium der Physik und Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. 1973 promovierte er zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit über „Operations Research und Entscheidungstheorie”.
Karriere
Frühe Karriere bei Philips und SKF (1970er–1987)
Nach seiner Promotion begann Neukirchen seine Laufbahn bei der Philips-Gruppe im Bereich Marketing und Vertrieb. 1977 wurde er Geschäftsführer der Felten & Guilleaume Kabelwerke, einer Philips-Tochtergesellschaft. 1981 wechselte er in die Geschäftsleitung der SKF GmbH in Schweinfurt, wo er später den Vorsitz übernahm. 1985 wurde er Vorstandsmitglied bei SKF.
Klöckner-Humboldt-Deutz AG (1987–1991)
1987 wurde Neukirchen zum Vorstandsvorsitzenden der verlustträchtigen Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD, heute Deutz AG) in Köln berufen. Durch eine tiefgreifende Restrukturierung rettete er das Unternehmen vor der drohenden Insolvenz und etablierte sich damit als führender Sanierungsexperte.
Hoesch AG (1991–1992)
Im August 1991 übernahm Neukirchen den Vorstandsvorsitz der Hoesch AG in Dortmund als Nachfolger von Detlef Carsten Rohwedder. Er entwickelte die Restrukturierungsstrategie „Hoesch 2000” mit Konzentration auf das Kerngeschäft. Bereits zwei Monate nach seinem Amtsantritt erwarb Krupp die Mehrheitskontrolle, wodurch seine Tätigkeit nach nur zwölf Monaten endete.
Metallgesellschaft (1993–2002)
1993 wurde Neukirchen im Auftrag der Deutschen Bank mit der Sanierung der schwer angeschlagenen Metallgesellschaft (später mg technologies AG, heute GEA Group AG) betraut. Als Vorstandsvorsitzender leitete er eine umfassende Restrukturierung ein und entließ rund 50 Vorstände, Geschäftsführer und Abteilungsleiter. 2002 wurde sein Vertrag auf Betreiben des Großaktionärs Dr. Otto Happel nicht verlängert.
Weitere Aufsichtsratsmandate
Neben seinen operativen Tätigkeiten übernahm Neukirchen zahlreiche Aufsichtsratsmandate, darunter:
- Aufsichtsratsvorsitzender der Klöckner-Werke
- Aufsichtsratsvorsitzender bei FAG in Schweinfurt
- Aufsichtsratsmitglied bei Clariant (Schweiz)
- Aufsichtsratsvorsitzender bei Sixt
Gründung der Kajo Neukirchen Gruppe (2009)
2009 gründete Neukirchen die Kajo Neukirchen GmbH mit Sitz in Eschborn. Die Holdinggesellschaft verfolgt eine langfristige Value-Investing-Strategie und konzentriert sich auf drei Segmente:
- Unternehmensbeteiligungen: Mittelständische Industrie- und IT-Unternehmen mit Sitz in der DACH-Region, mindestens 50 Mio. Euro Jahresumsatz
- Immobilien: Gewerbeimmobilien und Mehrfamilienhäuser in deutschen Großstädten (Projekte 5–20 Mio. Euro)
- Forstwirtschaft: Nachhaltige Waldinvestments, vorwiegend in Finnland
Relevanz für die Software- und Tech-Branche
Die Kajo Neukirchen GmbH ist 100-prozentiger Eigentümer der VIVAVIS AG mit Sitz in Ettlingen. VIVAVIS ist ein europaweiter Anbieter von Informationstechnologie und IT-Dienstleistungen für die Überwachung und Steuerung von Infrastrukturnetzen. Das Unternehmen entstand aus der Fusion von EPS GmbH, GÖRLITZ AG und IDS GmbH und bedient über 1.300 Kunden im Energiesektor. VIVAVIS spielt eine zentrale Rolle in den Bereichen Smart Grid und Smart Metering.
Zum VIVAVIS-Netzwerk gehört auch Systema Datentechnik, ein Digitalisierungspartner für Betreiber kritischer IT-Infrastrukturen (KRITIS). Systema bietet Lösungen in den Bereichen E-Mobilität, IoT, Quartierslösungen und Smart Grid Metering.
Portfolio-Unternehmen (100%-Beteiligungen)
| Unternehmen | Branche |
|---|---|
| VIVAVIS AG | Energie-IT, Smart Grid, Smart Metering |
| Systema Datentechnik | KRITIS IT-Lösungen, Digitalisierung |
| SURFACTOR Gruppe | Oberflächenveredelung |
| Lahnpaper GmbH | Papierfertigung |
| Seeger-Orbis | Industriezulieferer |
Kennzahlen der Neukirchen Gruppe (2023)
- Mitarbeiter: ca. 1.643
- Umsatz: 345,5 Mio. Euro
Ehrenamtliche Tätigkeiten
- Vorstandsmitglied der Ingrid-zu-Solms-Stiftung (Förderung weiblicher intellektueller Talente)
- Vorstandsmitglied der Deutschen Lungenstiftung
Tod
Karl-Josef Neukirchen starb am 26. Dezember 2020 im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer COVID-19-Infektion. Die Neukirchen Gruppe wird seitdem von der zweiten Familiengeneration weitergeführt.
Quellen
- Karl-Josef Neukirchen – DeWiki
- Kajo Neukirchen: Der ewige Sanierer – Handelsblatt
- Nordstadtblogger – Der letzte Chef der Hoesch AG
- Königsinvestor – Die Kajo Neukirchen Gruppe
- VIVAVIS – Wikipedia
- Neukirchen Gruppe – Offizielle Website
- CB Insights – Kajo Neukirchen Group
- Münchner Management Kolloquium – Dr. Karl Josef Neukirchen
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