B2B Software Deals KW 05/2026: SAP-Konsolidierung und Benelux Buy-and-Build
Von Jochen Maurer
B2B Software Deals in DACH und Benelux: 24. - 30. Januar 2026
SAP-Ökosystem im Fokus. Die börsennotierte All for One Group sichert sich mit apsolut einen der führenden SAP-Procurement-Spezialisten weltweit. Mit ~500 Mitarbeitern und 20 Standorten ist dies die größte Akquisition in All for Ones Geschichte und stärkt die Position im SAP-Beratungsmarkt erheblich.
Parallel baut Septeo unter Hg Capital-Eigentum die pan-europäische Legal-Tech-Plattform weiter aus. Die €560 Mio. Übernahme von STP One (Bregal Unternehmerkapital-backed) schafft einen führenden Anbieter für AI-gestützte Kanzleisoftware im deutschsprachigen Raum.
Im Benelux-Raum formt Dgtgroup (Smile Invest Portfolio) eine €50 Mio. Digital-Signage-Gruppe, während The Platform Group mit AEP in den Pharma-B2B-Großhandel expandiert.
Deal 1: All for One Group übernimmt SAP-Procurement-Spezialist apsolut
| Element | Details |
|---|---|
| Ankündigung | 19. Januar 2026 (Signing) |
| Deal-Typ | Strategic Acquisition |
| Käufer | All for One Group SE (börsennotiert, Filderstadt) |
| Ziel | apsolut group — SAP Gold Partner für Procurement |
| Standort | Global (20 Standorte, ~500 Mitarbeiter) |
| Verkäufer | Gründer Thomas Herbst (verbleibt als CEO) |
| Deal-Wert | Nicht bekannt |
| Closing | Q1 2026 erwartet |
apsolut wurde von Thomas Herbst gegründet und ist SAP Gold Partner mit Fokus auf SAP Ariba, SAP S/4HANA Sourcing & Procurement und SAP Business Network. Mit 20 Standorten weltweit und ~500 Mitarbeitern gehört apsolut zu den führenden SAP-Procurement-Beratungen global.
Strategische Einschätzung
Produkt-Strategie: All for One Group ist einer der größten SAP-Partner im deutschsprachigen Raum. Mit apsolut erwirbt das Unternehmen einen Spezialisten für ein schnell wachsendes SAP-Segment: Procurement und Supplier Management. Die Buy-Thesis: SAP’s Transformation zu S/4HANA treibt Nachfrage nach spezialisierten Implementierungspartnern. apsolut bringt genau diese Expertise - plus globale Delivery-Kapazitäten.
Tech-Stack & Integration: Die apsolut-Capabilities erweitern All for Ones Portfolio erheblich:
- SAP Ariba Expertise: Komplette Procurement-Lifecycle-Abdeckung von Sourcing bis Invoicing
- S/4HANA Migration: Spezialwissen für die Integration von Procurement in S/4HANA-Transformationen
- SAP Business Network: Integration von Supplier-Ökosystemen in Enterprise-Prozesse
- Global Delivery: 20 Standorte ermöglichen Follow-the-Sun-Support für multinationale Kunden
AI-Implikation: SAP-Procurement ist ein AI-Hot-Spot im Enterprise-Segment:
- Intelligent Sourcing: AI-basierte Lieferantenempfehlungen und Spend-Analysen
- Contract Intelligence: Automatische Extraktion und Analyse von Vertragsbedingungen
- Risk Detection: Echtzeit-Monitoring von Supplier-Risiken (ESG, Lieferkette, Finanzen)
- Predictive Procurement: Bedarfsprognosen und automatische Bestellvorschläge
Meine Perspektive 🎯
Home Turf - SAP-Ökosystem und ERP-nahe Software sind mein Kerngebiet. Der Deal ist strategisch sinnvoll:
- Procurement ist SAP’s Wachstumsmotor: SAP Ariba ist mit >$4 Mrd. ARR eines der profitabelsten SAP-Produkte. apsolut ist genau da positioniert, wo die Musik spielt
- Global Footprint: All for One war bisher primär DACH-fokussiert. Mit 20 apsolut-Standorten kommt internationale Delivery-Kapazität
- Gründer bleibt: Thomas Herbst verbleibt als CEO - ein gutes Zeichen für Kontinuität und Know-how-Transfer
Die kritischen Fragen:
- Integration Complexity: Wie werden zwei Beratungskulturen (DACH vs. Global) zusammengeführt?
- Margin Profile: Passt apsolut’s Profitabilität zur All for One-Gruppe?
- SAP-Abhängigkeit: Beide Unternehmen sind stark SAP-abhängig - Diversifikation ist das nicht
Weiterführende Links:
Deal 2: The Platform Group übernimmt Pharma-B2B-Plattform AEP
| Element | Details |
|---|---|
| Ankündigung | 26. Januar 2026 |
| Deal-Typ | Strategic Acquisition |
| Käufer | The Platform Group SE & Co. KGaA (börsennotiert) |
| Ziel | AEP GmbH — B2B-Großhandelsplattform für Apotheken |
| Standort | Alzenau, Deutschland |
| Verkäufer | Nicht bekannt |
| Deal-Wert | Nicht bekannt (AEP Umsatz: ~€1 Mrd.) |
| Closing | Q2 2026 erwartet (nach Kartellfreigabe) |
AEP (Alzenauer Arzneimittel-Plattform) wurde als B2B-Großhandelsplattform für den Pharmamarkt gegründet und beliefert über 6.000 Apotheken in Deutschland. Mit einem Umsatz von rund €1 Milliarde ist AEP einer der führenden Pharma-Großhändler außerhalb der etablierten Drei (Phoenix, Noweda, Sanacorp).
Strategische Einschätzung
Produkt-Strategie: The Platform Group (TPG) baut über das Plattform-Modell verschiedene B2B-Marktplätze auf. Mit AEP kommt der erste Einstieg in den Pharma-Großhandel - ein Markt mit hohen Eintrittsbarrieren, aber auch stabilen Margen. Die Buy-Thesis: Der Pharma-Großhandelsmarkt ist reif für Digitalisierung. Wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert den Kundenzugang.
Tech-Stack & Integration: AEP’s Plattform adressiert die Digitalisierungslücke im Apothekenmarkt:
- B2B-Marktplatz: Direkte Anbindung von Herstellern an Apotheken
- Logistics Platform: Eigene Logistikinfrastruktur für Same-Day-Delivery
- Pricing Engine: Dynamische Preisgestaltung und Rabattmanagement
- Apotheken-Integration: Anbindung an Warenwirtschaftssysteme der Apotheken
AI-Implikation: Pharma-Großhandel bietet interessante AI-Use-Cases:
- Demand Forecasting: Vorhersage von Apothekenbestellungen basierend auf Saison, Epidemien, etc.
- Inventory Optimization: AI-gestützte Lagerhaltung für ~100.000 Artikel
- Route Optimization: Effiziente Belieferungsrouten für 6.000+ Apotheken
- Fraud Detection: Erkennung ungewöhnlicher Bestellmuster (Compliance)
Meine Perspektive 🎯
Neues Terrain - Pharma-Großhandel ist außerhalb meiner B2B-Software-Expertise, aber das Plattform-Modell ist interessant:
- Milliarden-Umsatz: €1 Mrd. Umsatz bei einer Akquisition durch eine Mid-Cap-Firma ist signifikant. Das verändert TPG’s Profil komplett
- Regulierter Markt: Pharma-Distribution ist stark reguliert - das schafft Eintrittsbarrieren, aber auch Compliance-Komplexität
- Platform Play: TPG versucht, das Plattform-Modell auf den Pharma-Markt zu übertragen. Die Frage ist: Funktioniert das in einem so regulierten Umfeld?
Die kritischen Fragen:
- Kartellfreigabe: Der deutsche Pharma-Großhandel ist ein Oligopol. Wird das Bundeskartellamt zustimmen?
- Integration: Wie integriert eine Software-Plattform-Firma einen physischen Großhändler?
- Margin Compression: Pharma-Großhandelsmargen sind unter Druck - wie ist die Unit-Economics-These?
Weiterführende Links:
Deal 3: Dgtgroup formt €50 Mio. Digital-Signage-Gruppe mit Ocular
| Element | Details |
|---|---|
| Ankündigung | Januar 2026 |
| Deal-Typ | PE-backed Add-on (Buy-and-Build) |
| Käufer | Dgtgroup (Smile Invest Portfolio) |
| Ziel | Ocular — Digital Experience Solutions |
| Standort | Brügge, Belgien |
| Verkäufer | Gründer/Management |
| Deal-Wert | Nicht bekannt (Gruppe erreicht €50 Mio. Umsatz) |
Dgtgroup ist ein Smile Invest-Portfoliounternehmen, das über Buy-and-Build eine führende Digital-Signage- und Digital-Experience-Plattform im Benelux-Raum aufbaut. Mit der Übernahme von Ocular aus Belgien erreicht die Gruppe einen Umsatz von rund €50 Millionen.
Strategische Einschätzung
Produkt-Strategie: Smile Invest konsolidiert den fragmentierten Digital-Signage-Markt in Benelux. Dgtgroup kombiniert Hardware-Installation, Content-Management-Software und Managed Services. Die Buy-Thesis: Digital Signage ist ein wachsender Markt (Retail, Corporate, Public Spaces), aber fragmentiert mit vielen kleinen Anbietern. Konsolidierung schafft Skaleneffekte.
Tech-Stack & Integration: Ocular bringt zusätzliche Capabilities in die Gruppe:
- Proprietary CMS: Eigene Content-Management-Software für Digital Signage
- Smart Office Solutions: Integration von Meeting-Room-Displays und Workplace-Management
- Hardware Agnostic: Unterstützung verschiedener Display-Hersteller
- Managed Services: Full-Service von Installation bis Content-Pflege
AI-Implikation: Digital Signage wird zunehmend AI-getrieben:
- Dynamic Content: AI-basierte Inhaltsauswahl basierend auf Kontext (Zeit, Wetter, Publikum)
- Audience Analytics: Kamerabasierte Analyse von Betrachtern (Alter, Geschlecht, Aufmerksamkeit)
- Content Generation: Automatische Erstellung von Signage-Inhalten
- Predictive Maintenance: Früherkennung von Hardware-Ausfällen
Meine Perspektive 🎯
Neues Terrain - Digital Signage ist außerhalb meines Kernfokus, aber die Buy-and-Build-Strategie ist klassisch PE:
- Smile Invest’s Playbook: Benelux-fokussierter PE mit typischer Mittelstands-Strategie. €50 Mio. Gruppenumsatz ist ein respektabler Meilenstein
- Fragmentierter Markt: Digital Signage ist tatsächlich fragmentiert - Konsolidierung macht Sinn
- Software vs. Services: Die Frage ist, ob Dgtgroup wirklich ein Software-Unternehmen ist oder ein Service-Provider mit Software-Komponente
Die kritischen Fragen:
- Software Margin: Wie hoch ist der Anteil des wiederkehrenden Software-Umsatzes?
- Competitive Moat: Ist das proprietäre CMS wirklich differenzierend oder Commodity?
- Exit-Strategie: Wer kauft eine €50 Mio. Digital-Signage-Gruppe? Strategische Käufer oder Secondary PE?
Weiterführende Links:
Deal 4: Septeo (Hg) übernimmt STP One (Bregal) für €560 Mio.
| Element | Details |
|---|---|
| Ankündigung | November 2025 (Closing erwartet Q1 2026) |
| Deal-Typ | Secondary Buyout / Strategic Add-on |
| Käufer | Septeo (Montpellier, Hg Capital Portfolio) |
| Ziel | STP One — Legal Tech SaaS für Kanzleien |
| Standort | Karlsruhe, Deutschland (~400 Mitarbeiter, 8.000 Kunden) |
| Verkäufer | Bregal Unternehmerkapital |
| Deal-Wert | ~€560 Mio. |
STP One (ehemals STP Informationstechnologie) wurde 1991 gegründet und entwickelt Kanzleisoftware für Rechtsanwälte und Notare in Deutschland. Mit ~400 Mitarbeitern und über 8.000 Kunden ist STP One einer der führenden Legal-Tech-Anbieter im DACH-Raum. Das Unternehmen fokussiert auf AI-gestützte Automatisierung von Kanzleiprozessen.
Strategische Einschätzung
Produkt-Strategie: Hg Capital baut über Septeo eine pan-europäische Legal-Tech-Plattform. Nach Frankreich, UK und Spanien ist Deutschland der nächste große Markt. STP One ist der klare DACH-Leader mit starker Kundenbasis bei mittelgroßen Kanzleien. Die Buy-Thesis: Legal-Tech ist ein sticky Markt mit hohen Wechselkosten. Wer die Plattform kontrolliert, hat langfristige Kundenbeziehungen.
Tech-Stack & Integration: STP One’s Produktportfolio deckt den Kanzlei-Workflow ab:
- Kanzleisoftware: Aktenverwaltung, Mandantenmanagement, Fristen
- Dokumentenautomation: Schriftsatz-Generierung, Vorlagen-Management
- Buchhaltung: DATEV-Integration, Rechnungsstellung, Honorarmanagement
- Notariats-Software: Speziallösungen für Notare
AI-Implikation: STP One positioniert sich als AI-First Legal Tech:
- Document Intelligence: AI-basierte Analyse von Verträgen und Schriftsätzen
- Legal Research: Automatische Recherche in Rechtsprechungs-Datenbanken
- Workflow Automation: AI-gestützte Prozessautomatisierung
- Predictive Analytics: Prognosen zu Verfahrensdauer und Erfolgsaussichten
Meine Perspektive 🎯
Home Turf - Multi-Tenant SaaS mit PE-backed Buy-and-Build ist genau mein Gebiet. Der Deal ist exemplarisch:
- Hg’s Legal-Tech-Plattform: Dies ist eine der größten Legal-Tech-Transaktionen in Europa. Hg zeigt, dass sie einen kontinentalen Champion bauen
- €560 Mio. für DACH-Leader: Die Bewertung ist sportlich - vermutlich 15-20x ARR. Das zeigt: Premium-Multiples für Marktführer in vertikalen SaaS-Segmenten
- Bregal-Exit: Bregal Unternehmerkapital hat STP One erfolgreich skaliert. Der Exit zu Hg/Septeo ist ein klassischer Secondary-Buyout an einen strategischen Käufer
Die kritischen Fragen:
- Integration-Komplexität: Wie integriert Septeo ein deutsches Unternehmen in eine französisch geprägte Gruppe?
- Produkt-Konvergenz: Werden Septeo und STP One’s Produkte zusammengeführt oder bleiben sie separate Marken?
- AI-Differenzierung: Kann STP One’s AI-Fokus wirklich ein Moat sein, oder wird das schnell Table Stakes?
Weiterführende Links:
Marktkontext: SAP-Ökosystem und Legal-Tech als Konsolidierungs-Hot-Spots
KW05/2026 zeigt zwei klare Konsolidierungscluster:
1. SAP-Ökosystem konsolidiert: All for One’s Übernahme von apsolut ist Teil einer größeren Welle. SAP-Partner mit Spezialexpertise (Procurement, HR, Finance) werden aufgekauft. Der Treiber: SAP’s S/4HANA-Transformation erfordert spezialisiertes Know-how. Generalisten verlieren gegen fokussierte Spezialisten.
2. Legal-Tech wird europäisch: Mit dem Septeo/STP One-Deal entsteht eine pan-europäische Legal-Tech-Plattform mit Präsenz in Frankreich, UK, Spanien und jetzt Deutschland. Der Markt ist reif für Konsolidierung - nationale Champions werden zu europäischen Plattformen zusammengeführt.
3. Platform-Economy expandiert: The Platform Group’s AEP-Übernahme zeigt: Das Plattform-Modell wird auf traditionelle Branchen (Pharma) übertragen. Die Frage ist, ob die Unit Economics funktionieren.
Fazit
KW05/2026 demonstriert: Vertikale Expertise schlägt horizontale Breite. Sowohl apsolut (SAP Procurement) als auch STP One (Legal Tech DACH) wurden für ihre spezialisierte Marktposition gekauft - nicht für generische Capabilities.
Für strategische Käufer (All for One) wie für PE-Plattformen (Septeo/Hg) gilt: Best-of-Breed in vertikalen Märkten ist die Akquisitionsstrategie der Stunde. Der Trend zur Konsolidierung in fragmentierten Software-Märkten setzt sich fort - von SAP-Beratung über Legal-Tech bis Digital Signage.
Die AI-Implikation bleibt zentral: STP One positioniert sich explizit als “AI-First”, apsolut kann auf SAP’s AI-Investments aufbauen. Vertikale Daten + AI-Expertise wird zum Differenzierungsmerkmal bei M&A-Bewertungen.
Autor: Jochen Maurer | Stand: 30. Januar 2026