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Unternehmen Aktualisiert: 18.1.2026

Peppercon

Peppercon: Die Peppercon AG war ein deutsches Technologieunternehmen mit Sitz in Zwickau (Sachsen), das sich auf die Entwicklung und Vermarktung von...

Peppercon AG

Die Peppercon AG war ein deutsches Technologieunternehmen mit Sitz in Zwickau (Sachsen), das sich auf die Entwicklung und Vermarktung von eingebetteten Remote-Management-Systemen spezialisierte. Das Unternehmen stellte Hardware und Fernwartungsprodukte auf Basis der KVM-over-IP-Technologie her und galt als Pionier auf diesem Gebiet. Im April 2004 wurde Peppercon vom amerikanischen IT-Hersteller Raritan Computer übernommen.

Überblick

  • Typ: Aktiengesellschaft (AG)
  • Gründung: Juni 2000
  • Gründer: Dr. Christian Pätz und ein Mitgründer (beide Absolventen der TU Chemnitz)
  • Hauptsitz: Scheringerstraße 1, 08056 Zwickau, Deutschland
  • Branche: IT-Hardware, Remote-Management, KVM-over-IP
  • Umsatz: ca. 3 Mio. EUR (2003)
  • Status: 2004 von Raritan Computer übernommen
  • Website: www.peppercon.de (historisch)

Produkte und Technologie

Peppercon entwickelte innovative Lösungen für die Fernverwaltung von IT-Infrastrukturen. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die eigenständige KVM-Switches verkauften, konzentrierte sich Peppercon auf eingebettete Komponenten zum Einbau in Geräte anderer Unternehmen (OEM-Geschäft).

Hauptprodukte

ProduktBeschreibung
LARA”LARA Advanced Remote Administration” – kompakter IP-KVM-Extender mit Remote-Management-Funktionen wie Power-Management und IPMI-Unterstützung. Gilt als eines der kleinsten Geräte seiner Art (bis zu 4 Einheiten in 1U).
eRIC”Express Remote Management” – PCI-Erweiterungskarte für Remote-Management-Funktionalität in Servern
KIRA 100Branchenweit erster Single-Chip für vollständige Remote-Plattformsteuerung. Kombinierte KVM-over-IP mit allen wichtigen Plattform-Management-Standards. ARM920T-CPU mit 200 MHz, AES/3DES-Verschlüsselung, Unterstützung für Auflösungen bis 1600x1200@75Hz
1601IP16-Port-KVM-Switch mit integrierter IP-Fernübertragungseinheit

Technische Merkmale

Die Peppercon-Produkte ermöglichten:

  • Betriebssystemunabhängige Fernsteuerung von Servern
  • Zugriff auf BIOS und Boot-Screens
  • Remote-Installation von Betriebssystemen
  • Sichere Verbindungen durch integrierte Verschlüsselung
  • Reduzierung der Total Cost of Ownership (TCO)

Geschichte und Entwicklung

Gründung und frühe Jahre (2000–2003)

Dr. Christian Pätz gründete die Peppercon AG im Juni 2000 zusammen mit einem Mitgründer. Beide waren Absolventen der Technischen Universität Chemnitz. Pätz hatte 1998 promoviert und sein Studium der Elektrotechnik an den TUs Dresden und Chemnitz absolviert.

Das Unternehmen wurde durch Risikokapital finanziert und entwickelte sich schnell zu einem innovativen Akteur im KVM-over-IP-Markt. Bereits im Jahr 2000 wurde Peppercon mit dem Sächsischen Gründerpreis ausgezeichnet – als erstes Unternehmen überhaupt, das diese Ehrung erhielt.

Markteintritt und Wachstum (2002–2003)

2002 brachte Peppercon das LARA-Produkt auf den Markt. Zur CeBIT 2003 präsentierte das Unternehmen den 1601IP, einen integrierten 16-Port-KVM-Switch mit IP-Funktionalität. Im Geschäftsjahr 2003 erzielte Peppercon einen Umsatz von rund 3 Millionen Euro.

Übernahme durch Raritan (2004)

Im April 2004 wurde die Peppercon AG von Raritan Computer, Inc. aus Somerset, New Jersey (USA), übernommen. Raritan-Präsident Ching-I Hsu begründete die Akquisition damit, dass “Peppercons Talent mit innovativen, fortschrittlichen Technologien und Produkten unser Unternehmen stärken” werde.

Nach der Übernahme operierte Peppercon als eigenständige Tochtergesellschaft mit Sitz in Zwickau. Raritan investierte stark in das Entwicklerteam, das zum zentralen Entwicklungsstandort innerhalb des Konzerns wurde. Mehrere Mitarbeiter, einschließlich des Mitgründers, übernahmen später Führungspositionen im Mutterkonzern.

Spätere Entwicklung (2015)

2015 wurde Raritan selbst von Legrand, einem französischen Elektrotechnikkonzern, übernommen. Die Transaktion wurde im September 2015 abgeschlossen. Das Entwicklerteam in Zwickau wurde als Teil dieser Übernahme in die Legrand-Struktur integriert.

Team und Führung

Gründer und Vorstand

Prof. Dr. Christian Pätz war Gründer und Vorstandsvorsitzender (CEO) der Peppercon AG. Er studierte Elektrotechnik an den Technischen Universitäten Dresden und Chemnitz und promovierte 1998. Nach dem Erfolg mit Peppercon engagierte sich Pätz später als Business Angel und Unternehmer in weiteren Projekten.

Pätz betonte, dass der Erfolg von Peppercon nicht auf einer einzelnen revolutionären Idee basierte, sondern auf “einer Vielzahl kleiner Verbesserungen in Technologie, Marketing, Vertrieb und Unternehmensorganisation.”

Investoren und Eigentümer

Die Peppercon AG wurde durch Risikokapital (Venture Capital) finanziert. Der genaue Name des Venture-Capital-Fonds ist nicht öffentlich dokumentiert. 2004 verkauften sowohl der Risikokapitalgeber als auch die Gründer ihre Anteile an Raritan Computer.

Eigentümer-Chronologie:

  1. 2000–2004: Gründer und Venture-Capital-Fonds
  2. 2004–2015: Raritan Computer, Inc.
  3. Ab 2015: Legrand S.A.

Wettbewerbsumfeld

Der KVM-over-IP-Markt war Anfang der 2000er Jahre ein wachsendes Segment. Peppercon positionierte sich als Spezialist für eingebettete Lösungen (OEM) und differenzierte sich damit von Herstellern kompletter KVM-Systeme.

Wichtige Wettbewerber

UnternehmenSpezialisierung
Avocent (heute Vertiv)KVM-Switches, Konsolenlösungen
Aten InternationalKVM-Switches, Audio/Video-Lösungen
BelkinKVM-Switches für KMU
Guntermann & DrunckHigh-End-KVM-Systeme
Rose ElectronicsKVM-Switches und Extender

Bedeutung und Vermächtnis

Die Peppercon AG gilt als Beispiel für erfolgreiche Technologie-Start-ups aus Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Das Unternehmen demonstrierte, dass innovative Hardware-Entwicklung auch außerhalb etablierter Tech-Zentren möglich war. Die Auszeichnung mit dem ersten Sächsischen Gründerpreis 2000 unterstreicht diese Pionierrolle.

Die von Peppercon entwickelten Technologien und Produkte werden – unter dem Raritan/Legrand-Markennamen – weiterhin weltweit in Rechenzentren eingesetzt.

Quellen

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