The Playbook
Unternehmen Aktualisiert: 4.1.2026

INRIA

INRIA: Das Institut national de recherche en informatique et en automatique (Inria) ist Frankreichs nationales Forschungsinstitut für digitale...

INRIA

Das Institut national de recherche en informatique et en automatique (Inria) ist Frankreichs nationales Forschungsinstitut für digitale Wissenschaften und Technologie. Als öffentliche wissenschaftlich-technische Einrichtung (EPST) unter der Doppelaufsicht des französischen Bildungsministeriums sowie des Wirtschafts- und Finanzministeriums ist Inria seit 1967 ein Schlüsselakteur der europäischen Informatik- und Automatisierungsforschung. Das Institut hat wegweisende Beiträge zur Entwicklung des Internets, der Programmiersprachen und der künstlichen Intelligenz geleistet.

Überblick

MerkmalDetails
TypÖffentliches Forschungsinstitut (EPST)
Gründung3. Januar 1967
HauptsitzRocquencourt bei Paris, Frankreich
Mitarbeiterca. 3.800 (1.300 Forscher, 1.000 Doktoranden, 500 Postdocs)
Forschungsteams220 Projektteams
Forschungszentren9 in Frankreich + 1 in Chile
Jahresbudgetca. 231 Millionen Euro
Vorsitzender/CEOBruno Sportisse (seit 2018)
Websitewww.inria.fr

Produkte und Services

Open-Source-Software

Inria hat zahlreiche einflussreiche Open-Source-Projekte entwickelt und unterstützt:

SoftwareBeschreibung
OCamlFunktionale Programmiersprache, entwickelt seit den 1980er Jahren, verwendet bei Meta, Airbus und für den Coq-Beweisassistenten
Rocq (ehemals Coq)Interaktiver Theorembeweiser seit 1989, eingesetzt in hochsicheren Anwendungen wie der Luftfahrt
ScilabNumerische Berechnungssoftware, entwickelt ab 2003 mit der École des Ponts
Scikit-LearnMaschinelles Lernen Bibliothek für Python

Technologietransfer und Startups

  • Inria Startup Studio (seit 2019): Unterstützung für die Gründung von Deeptech-Startups
  • IT-Translation: Technologietransfertochter (seit 2011)
  • Über 230 Startups in 35 Jahren gegründet
  • Akquisitionen durch Microsoft, Dassault Systèmes, IBM und Apple

InriaSoft und Inria Academy

  • InriaSoft (2017): Konsortien-Modell für Open-Source-Software-Deployment
  • Inria Academy (2020): Weiterbildungsprogramm für Unternehmen

Geschichte und Entwicklung

Gründung und frühe Jahre (1967-1979)

Das Institut wurde am 3. Januar 1967 als IRIA (Institut de Recherche en Informatique et en Automatique) im Rahmen des “Plan Calcul” der französischen Regierung gegründet. Der erste Standort befand sich auf dem historischen Gelände des SHAPE (NATO-Hauptquartier) in Rocquencourt.

Das CYCLADES-Projekt (1972-1977)

Unter der Leitung von Louis Pouzin entwickelte IRIA das CYCLADES-Netzwerk, das wegweisende Konzepte für das Internet einführte:

  • Erfindung des Datagramm-Konzepts
  • Ende-zu-Ende-Prinzip für Netzwerkprotokolle
  • Beiträge zur Entwicklung von TCP/IP durch Gérard Le Lann, der mit Vint Cerf und Bob Kahn zusammenarbeitete

Nationale Expansion (1979-2008)

  • 1979: Umbenennung in INRIA zur Betonung des nationalen Charakters
  • 1984: Gründung von Simulog, dem ersten Tech-Startup
  • 1988: Erste internationale Verbindung zum NSFNet über Sophia-Antipolis
  • 1997: Entwicklung des Coq-Beweisassistenten
  • 2008: Eröffnung der Zentren Bordeaux, Lille und Saclay

Neuzeit (2011-heute)

  • 2011: Umbenennung in “Inria” (Kleinschreibung)
  • 2018: Bruno Sportisse wird CEO
  • 2024: Übernahme der Leitung der Agence de programmes dans le numérique (Digitale Programmagentur)

Forschungszentren

StandortRegion
Rocquencourt (Hauptsitz)Île-de-France
ParisÎle-de-France
SaclayÎle-de-France
RennesBretagne
BordeauxNouvelle-Aquitaine
GrenobleAuvergne-Rhône-Alpes
LyonAuvergne-Rhône-Alpes
NancyGrand Est
LilleHauts-de-France
Sophia AntipolisProvence-Alpes-Côte d’Azur
Santiago de ChileChile

Team und Führung

Aktuelles Führungsteam

PositionPerson
Vorsitzender und CEOBruno Sportisse (seit 2018, erneuert 2023)
Direktorin der ProgrammagenturSophie Proust (seit Januar 2024)
Stellv. CEO für TerritorialstrategieJean-Yves Berthou (seit Oktober 2024)

Bruno Sportisse

Bruno Sportisse ist Absolvent der École Polytechnique und promovierter Mathematiker. Vor seiner Ernennung zum CEO war er von 2008-2012 Direktor für Technologietransfer bei Inria und gründete 2016 das KI-Startup Skopai.

Eigentümerstruktur und Finanzierung

Als öffentliche Einrichtung (EPST) untersteht Inria:

  • Ministerium für Bildung, Hochschulwesen und Forschung
  • Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Industrie

Finanzierung

  • Jahresbudget: ca. 231 Millionen Euro
  • 25% aus eigenen Einnahmen
  • Beteiligung an nationalen Programmen (PEPR) für Cybersicherheit (65 Mio. €), KI (73 Mio. €) und Quantencomputing

Internationale Kooperationen

  • ERCIM: Gründungsmitglied des europäischen Forschungskonsortiums (1989)
  • LIAMA: Französisch-chinesisches Labor mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking (seit 1997)
  • Max-Planck-Institut für Informatik: Partnerschaft in Saarbrücken
  • Inria Chile: Internationales Forschungszentrum in Santiago

Vergleichbare Institutionen

InstitutionLandSchwerpunkt
CNRSFrankreichMultidisziplinäre Forschung (kooperiert eng mit Inria)
CEAFrankreichEnergie- und Technologieforschung
Max-Planck-GesellschaftDeutschlandGrundlagenforschung
Fraunhofer-GesellschaftDeutschlandAngewandte Forschung

Inria arbeitet eng mit CNRS und CEA zusammen, insbesondere bei nationalen Programmen wie dem PEPR für Künstliche Intelligenz und Robotik.

Ausgewählte Spin-offs

StartupGründungBereich
Simulog1984Erstes Inria-Startup
LTU Technologies1999Bilderkennung
Golaem2008Crowd-Simulation (Game of Thrones, Walking Dead)
SysFera2010Software-Publishing
Mediego2015Personalisierung und Empfehlungssysteme

Quellen

Kommentare

Kommentare werden geladen...

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie der Veröffentlichung Ihres Namens und Kommentars zu.