EY
EY (ehemals Ernst & Young) ist ein britisch-amerikanisches multinationales Netzwerk für professionelle Dienstleistungen mit Hauptsitz in London,...
EY
EY (ehemals Ernst & Young) ist ein britisch-amerikanisches multinationales Netzwerk für professionelle Dienstleistungen mit Hauptsitz in London, Vereinigtes Königreich. Das Unternehmen gehört zusammen mit Deloitte, KPMG und PwC zu den sogenannten “Big Four” der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. Mit einem Umsatz von 53,2 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2025) und rund 400.000 Mitarbeitern in über 150 Ländern ist EY eines der größten Beratungsunternehmen der Welt.
Überblick
- Name: EY (Ernst & Young)
- Typ: Professionelles Dienstleistungsnetzwerk (Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting, Strategie)
- Gründung: 1989 (Fusion von Ernst & Whinney und Arthur Young & Co.; Vorgängerunternehmen seit 1849)
- Hauptsitz: London, Vereinigtes Königreich
- Weitere Zentrale: New York City, USA
- CEO: Janet Truncale (seit Juli 2024, Global Chair und CEO)
- Mitarbeiter: ca. 400.000 weltweit
- Umsatz: 53,2 Mrd. USD (GJ 2025)
- Rechtsform: Partnerschaftsnetzwerk (Ernst & Young Global Limited)
- Branche: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung, Technologie
- Website: ey.com
Services und Geschäftsbereiche
EY gliedert sich in vier integrierte Service Lines:
Assurance (Wirtschaftsprüfung)
- Finanzielle Abschlussprüfung
- Financial Accounting Advisory Services (FAAS)
- Climate Change and Sustainability Services (CCaSS)
- Forensic & Integrity Services
Tax (Steuerberatung)
- Transfer Pricing
- International Tax Services
- Business Tax Compliance
- Global Trade und Indirect Tax
- Tax Technology and Transformation
- Transaction Tax
Consulting (Unternehmensberatung)
- Business Consulting
- Technology Consulting
- People Advisory Services
- Cybersecurity (u.a. Partnerschaft mit Databricks)
Strategy and Transactions (EY-Parthenon)
- Strategieberatung (über die Marke EY-Parthenon)
- Mergers & Acquisitions
- Transaction Advisory
- Restrukturierung
Technologie-Plattformen
EY investiert stark in eigene Technologieprodukte:
| Plattform | Beschreibung |
|---|---|
| EY.ai | KI-Plattform, 2023 gelauncht mit 1,4 Mrd. USD Investition |
| EY.ai Agentic Platform | In Zusammenarbeit mit NVIDIA entwickelt, 150 KI-Agenten für 80.000 EY-Professionals |
| EYQ | Conversational AI Assistant für Klienten |
| EY Nexus | Cloud-basierte Plattform für Modernisierung und Kundenengagement |
| EY Trusted AI Platform | Bewertung und Monitoring von KI-Systemen |
| EY Studio+ | Portfolio mit 7.000 Design-, Marketing- und Technologie-Spezialisten in 50 Ländern |
Geschichte und Entwicklung
Ursprünge (1849–1989)
- 1849: Gründung der ältesten Vorgängerfirma Harding & Pullein in England
- 1903: Alwin C. Ernst und sein Bruder Theodore gründen Ernst & Ernst in Cleveland, Ohio
- 1906: Arthur Young und sein Bruder Stanley gründen Arthur Young & Company
- 1919: Gründung der SCHITAG Schwäbische Treuhand-AG in Stuttgart (deutscher Vorläufer)
- 1989: Fusion von Ernst & Whinney und Arthur Young & Co. zu Ernst & Young
Moderne Ära (2000er–heute)
- 2013: Offizielles Rebranding von “Ernst & Young” zu “EY”
- 2020–2023: Wirecard-Skandal in Deutschland (siehe unten)
- 2022–2023: “Project Everest” – gescheiterter Plan zur Aufspaltung in Prüfungs- und Beratungsgesellschaft
- 2023: Launch der EY.ai-Plattform mit 1,4 Mrd. USD Investition
- 2024: Janet Truncale wird erste weibliche Global Chair und CEO (Nachfolgerin von Carmine Di Sibio)
- 2025: Umsatz erreicht 53,2 Mrd. USD; Strategy and Transactions wird unter EY-Parthenon zusammengeführt
- 2026: Akquisition von couniq (Schweiz) für den öffentlichen Sektor
Project Everest (2022–2023)
Eines der einschneidendsten Ereignisse der jüngeren EY-Geschichte war der gescheiterte Versuch, das Consulting-Geschäft abzuspalten und an die Börse zu bringen. Der als “Project Everest” bekannte Plan sah vor, etwa 15 % des Beratungsgeschäfts für über 10 Milliarden USD zu verkaufen. Das Vorhaben scheiterte im April 2023 am Widerstand der US-Partner, die sich nicht über die Aufteilung des Steuerberatungsgeschäfts einigen konnten. Die Folge: Tausende Entlassungen weltweit und 700 Millionen USD Schulden durch die Projektkosten.
Wirecard-Skandal
EY war über ein Jahrzehnt lang Wirtschaftsprüfer des deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard, der 2020 in einem der größten Betrugsskandale der europäischen Wirtschaftsgeschichte zusammenbrach. Eine 1,9 Milliarden Euro große Bilanzlücke wurde aufgedeckt. EY Deutschland wurde vorgeworfen, bei der Prüfung grob fahrlässig gehandelt zu haben – unter anderem durch die Akzeptanz von Screenshots als Belege für Kontoauszüge. Die Aufsichtsbehörde APAS verhängte ein zweijähriges Verbot für die Prüfung von Unternehmen öffentlichen Interesses in Deutschland sowie eine Geldbuße von 500.000 Euro. Klagen in Höhe von über 2 Milliarden Euro sind anhängig.
Führung
Globale Führung
| Position | Name |
|---|---|
| Global Chair & CEO | Janet Truncale (seit Juli 2024) |
| Global Vice Chair, Talent | Trent Henry |
| Global Vice Chair, Tax | Marna Ricker |
| Vorgänger (CEO) | Carmine Di Sibio (bis Juni 2024) |
Deutschland
| Position | Name |
|---|---|
| Country Managing Partner | Henrik Ahlers |
| Country Managing Partner | Jean-Yves Jégourel |
EY Deutschland hat seinen Sitz in Stuttgart und ist an 20 Standorten vertreten. Der Umsatz in Deutschland lag zuletzt bei rund 2,1 Milliarden Euro, wobei die Steuerberatung mit 822 Millionen Euro den größten Anteil ausmacht.
Eigentümerschaft
EY ist kein börsennotiertes Unternehmen und wird nicht von externen Investoren oder Private-Equity-Fonds gehalten. Die Firma ist als Partnerschaftsnetzwerk organisiert: Jede Landesgesellschaft gehört ihren jeweiligen Senior-Partnern. Die Dachorganisation Ernst & Young Global Limited (EYG) koordiniert das Netzwerk, ist aber keine Muttergesellschaft im klassischen Sinne. Die Mitgliedsfirmen sind rechtlich unabhängig und an lokale Gesetze angepasst.
Eine Exit-Prognose entfällt, da kein PE-Investor beteiligt ist.
Konkurrenz
EY konkurriert primär mit den anderen drei Unternehmen der “Big Four”:
| Unternehmen | Umsatz (ca.) | Mitarbeiter (ca.) | Stärke |
|---|---|---|---|
| Deloitte | 67 Mrd. USD | 457.000 | Größte Big-Four-Firma, stark in Technology Consulting |
| PwC | 55 Mrd. USD | 370.000 | Führend in Audit, starke Marke |
| EY | 53 Mrd. USD | 400.000 | KI-Investitionen, EY-Parthenon Strategie |
| KPMG | 38 Mrd. USD | 275.000 | Kleinste Big Four, gute Arbeitskultur |
Darüber hinaus konkurriert EY in einzelnen Segmenten mit:
- Strategieberatungen: McKinsey, BCG, Bain & Company
- IT-Beratung: Accenture, Capgemini, IBM Consulting
- Rechtsberatung: Große internationale Anwaltskanzleien
Quellen
- EY – About Us (Global)
- EY Global Revenue FY2025
- Ernst & Young – Wikipedia
- EY Deutschland – Geschäftsjahr 2023/2024
- EY Deutschland – Geschäftsführung
- Janet Truncale – EY Global Chair and CEO
- EY.ai Platform Launch (CFO Dive)
- EY.ai Agentic Platform mit NVIDIA (PR Newswire)
- EY Split Timeline – Project Everest (Accountancy Age)
- Wirecard-Skandal – EY Audit Ban (CNN)
- Big Four Comparison (Yahoo Finance)
- EY Switzerland – couniq Akquisition
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