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Unternehmen Aktualisiert: 8.2.2026

Ericsson

Ericsson (vollständiger Firmenname: Telefonaktiebolaget LM Ericsson) ist ein schwedischer Konzern und einer der weltweit führenden Anbieter von...

Ericsson

Ericsson (vollständiger Firmenname: Telefonaktiebolaget LM Ericsson) ist ein schwedischer Konzern und einer der weltweit führenden Anbieter von Telekommunikationsinfrastruktur, Netzwerkausrüstung und damit verbundenen Softwarelösungen. Das 1876 gegründete Unternehmen entwickelt und liefert Technologien für Mobilfunknetze (2G bis 5G), Cloud-Software, Enterprise-Wireless-Lösungen und Kommunikationsplattformen. Mit rund 89.000 Mitarbeitern in über 180 Ländern zählt Ericsson zu den drei größten Anbietern von Telekommunikations-Netzwerkinfrastruktur weltweit.

Überblick

  • Firmenname: Telefonaktiebolaget LM Ericsson (publ)
  • Typ: Börsennotierte Aktiengesellschaft
  • Gründung: 1876 in Stockholm, Schweden
  • Gründer: Lars Magnus Ericsson
  • Hauptsitz: Stockholm, Schweden
  • CEO: Börje Ekholm (seit 2017)
  • Mitarbeiter: ca. 88.826 (Stand 2024)
  • Umsatz: 247,9 Mrd. SEK (ca. 21,5 Mrd. EUR, Geschäftsjahr 2024)
  • Börsennotierung: Nasdaq Stockholm (ERIC A / ERIC B) und Nasdaq New York (ERIC)
  • ISIN: SE0000108656 (B-Aktie)
  • Marktkapitalisierung: ca. 333 Mrd. SEK
  • Website: ericsson.com

Produkte und Services

Ericssons Portfolio gliedert sich in mehrere Geschäftsbereiche:

Networks (Netzwerke)

Der Kernbereich umfasst die gesamte Mobilfunk-Netzwerkinfrastruktur:

  • Radio Access Network (RAN): Basisstationen und Antennensysteme für 2G, 3G, 4G/LTE und 5G
  • Core-Netzwerke: Paketvermittlung, IP-Transport und Netzwerk-Management
  • Transport-Lösungen: Backhaul- und Fronthaul-Infrastruktur

Cloud Software and Services

  • BSS/OSS: Business- und Operations-Support-Systeme für Netzbetreiber
  • Core Commerce: Plattform für digitale Geschäftsmodelle und Monetarisierung
  • Managed Services: Betrieb und Wartung von Telekommunikationsnetzen im Auftrag von Kunden
  • Consulting & Digital Transformation: Beratungsdienstleistungen für Netzbetreiber

Enterprise Wireless Solutions (ehemals Cradlepoint)

  • Private 5G-Netze: Dedizierte Mobilfunknetze für Unternehmen und Industrie
  • Wireless WAN: Edge-Router und Cloud-basierte Netzwerkverwaltung über LTE und 5G
  • NetCloud-Plattform: Software-as-a-Service für Enterprise-Konnektivität

Global Communications Platform (Vonage)

  • CPaaS (Communications Platform as a Service): APIs für Sprach-, Video-, Messaging- und Authentifizierungsdienste
  • UCaaS (Unified Communications as a Service): Cloud-basierte Kommunikationslösungen für Unternehmen
  • CCaaS (Contact Center as a Service): Cloud-Contact-Center-Lösungen

Weitere Bereiche

  • Patentlizenzierung (IPR): Über 60.000 erteilte Patente und mehr als 100 unterzeichnete Lizenzvereinbarungen
  • Ericsson Mobility Report: Regelmäßige Branchenanalyse zur globalen Mobilfunkentwicklung

Geschichte und Entwicklung

Gründung und Anfänge (1876–1900)

Lars Magnus Ericsson gründete 1876 zusammen mit Carl Johan Andersson eine mechanische Werkstatt in Stockholm. Zunächst reparierten sie Telegrafengeräte, begannen jedoch bald, eigene Telefone zu entwickeln, inspiriert von den Geräten von Bell und Siemens. 1880 führte Ericsson das erste wandmontierte Telefon ein. 1881 erhielt das Unternehmen den Zuschlag für die Belieferung von Telegrafverket, dem schwedischen Telefonsystem. Bis 1896 war das Unternehmen auf 500 Mitarbeiter gewachsen und hatte über 100.000 Telefone produziert.

Internationale Expansion (1900–1950)

Das Unternehmen errichtete Fabriken in London, New York und St. Petersburg sowie Niederlassungen in Shanghai und Mexiko-Stadt. Lars Magnus Ericsson trat 1901 aus dem Unternehmen zurück. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Ericsson zu einem der global führenden Telekommunikationsausrüster.

Mobilfunk-Ära (1980er–2000er)

Ericsson spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der GSM-Technologie (2G) in den 1980er Jahren und wurde zum Marktführer bei Mobilfunk-Basisstationen. Mit der Einführung von 3G (UMTS/WCDMA) und später 4G/LTE festigte das Unternehmen seine Position als führender Netzwerkausrüster.

Strategische Neuausrichtung (2010er–heute)

JahrEreignis
2017Börje Ekholm wird CEO und leitet eine strategische Neuausrichtung ein
2020Übernahme von Cradlepoint für ca. 1 Mrd. USD (Enterprise Wireless)
2022Übernahme von Vonage für 6,2 Mrd. USD (Cloud Communications)
2024Lars Sandström wird neuer CFO
2025Umstrukturierung des Executive Teams und der Market Areas

Unter CEO Börje Ekholm fokussierte sich Ericsson auf Investitionen in 5G-Technologieführerschaft und die Expansion in den Enterprise-Markt. Die Akquisitionen von Cradlepoint (2020) und Vonage (2022) sollten das Portfolio über die traditionelle Netzbetreiber-Kundschaft hinaus erweitern und wiederkehrende SaaS-Umsätze stärken.

Führungsteam

PositionName
President & CEOBörje Ekholm
CFOLars Sandström
CTO (Group CTO)Erik Ekudden
Head of Business Area NetworksPer Narvinger
Head of Cloud Software and ServicesJenny Lindqvist
Chief People OfficerCharlotte Levert
SVP & Group Chief Legal OfficerScott Dresser
Head of Market Area AmericasYossi Cohen
Head of Market Area EMEAPatrick Johansson

Verwaltungsratsvorsitzender: Jan Carlson (seit 2025 wiedergewählt) Weitere Verwaltungsratsmitglieder umfassen Jacob Wallenberg als Vertreter der Wallenberg-Familie.

Eigentümerschaft und Investoren

Ericsson ist ein börsennotiertes Unternehmen mit einer Zwei-Klassen-Aktienstruktur (A-Aktien mit 1 Stimme, B-Aktien mit 1/10 Stimme). Die Eigentümerstruktur wird maßgeblich von zwei schwedischen Investmentgesellschaften geprägt:

AktionärKapitalanteilStimmrechtsanteil
Investor AB (Wallenberg-Familie)9,30 %24,52 %
AB Industrivärden (Handelsbanken)2,60 %15,10 %
Streubesitz (institutionelle & private Anleger)ca. 88 %ca. 60 %

Die Wallenberg-Familie kontrolliert Ericsson über ihre Beteiligungsgesellschaft Investor AB und die Wallenberg-Stiftungen. Die Knut-und-Alice-Wallenberg-Stiftung ist der größte Einzeleigner von Investor AB (20,07 % Kapital, 42,96 % Stimmen). Jacob Wallenberg vertritt die Familieninteressen im Verwaltungsrat.

Da Ericsson ein börsennotiertes Unternehmen mit diversifizierter Aktionärsstruktur ist, gibt es keine PE/VC-Investoren und somit keine Exit-Prognose.

Konkurrenz

Ericsson konkurriert in einem Oligopol der globalen Telekommunikations-Netzwerkinfrastruktur:

UnternehmenMarktanteil (H1 2025)Hauptsitz
Huaweica. 31 %Shenzhen, China
Nokiaca. 13 %Espoo, Finnland
Ericssonca. 12 %Stockholm, Schweden
ZTEca. 10 %Shenzhen, China
Samsung< 5 %Seoul, Südkorea

Die Wettbewerbsdynamik wird stark durch geopolitische Faktoren beeinflusst: Westliche Märkte (Europa, Nordamerika) haben chinesische Anbieter wie Huawei und ZTE aus Sicherheitsgründen zunehmend ausgeschlossen, was Ericsson und Nokia in diesen Regionen begünstigt. In China, Asien, Afrika und Teilen des Nahen Ostens hingegen dominieren Huawei und ZTE.

Der Markt befindet sich im Wandel: Nach Jahren intensiver 5G-Investitionen verlagert sich der Fokus der Branche auf Software-definierte Netzwerke, KI-gestützte Automatisierung und programmierbare Netzwerke.

Quellen

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