Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) ist das nationale Forschungs- und Technologiezentrum...
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) ist das nationale Forschungs- und Technologiezentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Als eingetragener Verein und Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft betreibt das DLR Grundlagen- und angewandte Forschung in den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr, Sicherheit und Digitalisierung. Beim DLR ist zudem die Deutsche Raumfahrtagentur angesiedelt, die im Auftrag der Bundesregierung die deutschen Raumfahrtaktivitäten koordiniert und die deutschen Interessen bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA vertritt.
Überblick
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Rechtsform | Eingetragener Verein (e. V.) |
| Gründung | 1969 (als DFVLR) |
| Hauptsitz | Köln, Deutschland |
| Standorte | 30 Standorte in Deutschland |
| Institute | 55 Institute und Einrichtungen |
| Mitarbeiter | ca. 11.180 (Stand 2023) |
| Budget | ca. 641 Mio. € institutionelle Förderung (2024) |
| Vorstandsvorsitzende | Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla |
| Website | www.dlr.de |
Forschungsbereiche und Services
Das DLR forscht und entwickelt in sechs zentralen Programmbereichen:
Luftfahrt
Entwicklung von Technologien für eine klimafreundlichere und leisere Luftfahrt, Forschung an Flugzeugkonfigurationen, Antriebssystemen und unbemannten Luftfahrtsystemen.
Raumfahrt
Beteiligung an nationalen und internationalen Weltraummissionen, Entwicklung von Satellitentechnologien, Erdbeobachtung, Navigation und Raumfahrtrobotik. Über 180 Großforschungsanlagen stehen für Tests und Entwicklungen zur Verfügung.
Energie
Forschung an nachhaltigen Energiesystemen, Wasserstofftechnologien, Brennstoffzellen und Solarkraftwerken zur Unterstützung der Energiewende.
Verkehr
Entwicklung von Lösungen für die Mobilität von morgen, einschließlich autonomes Fahren, Verkehrsmanagement und nachhaltige Transportkonzepte.
Sicherheit und Verteidigung
Forschung zu sicherheitsrelevanten Technologien, maritime Sicherheit, Krisenmanagement und Verteidigungstechnologien.
Digitalisierung
Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und digitale Transformation in allen Forschungsbereichen.
DLR Projektträger
Mit rund 1.600 Mitarbeitern betreut der DLR Projektträger Förderprogramme und war 2024 für ein Fördervolumen von rund 1,9 Milliarden Euro verantwortlich, von dem mehr als 13.500 Projekte profitierten.
Geschichte und Entwicklung
Ursprünge (1907-1969)
Die Wurzeln der deutschen Luftfahrtforschung reichen bis 1907 zurück, als Ludwig Prandtl in Göttingen die Modellversuchsanstalt für Aerodynamik gründete. In den folgenden Jahrzehnten entstanden verschiedene Forschungseinrichtungen.
Gründung der DFVLR (1969)
1969 wurde die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) durch den Zusammenschluss mehrerer Institutionen gegründet:
- Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA)
- Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL)
- Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL)
- Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW, ab 1972)
Umbenennung und Fusion (1989-1997)
- 1989: Umbenennung in Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR)
- 1997: Fusion mit der Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) zum heutigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Expansion (2017-heute)
Ab 2017 erfolgte eine Gründungswelle mit insgesamt 15 neuen Instituten, die sich Zukunftsthemen wie grüner Energie, neuen Mobilitätsformen, Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing widmen.
Bedeutende Missionen und Projekte
Rosetta und Philae (2004-2016)
Die ESA-Mission Rosetta mit dem DLR-entwickelten Lander Philae erreichte 2014 den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Am 12. November 2014 landete Philae als erstes menschengemachtes Objekt auf einem Kometen – ein historischer Meilenstein der Raumfahrt.
MASCOT (2018)
Der Mobile Asteroid Surface Scout (MASCOT) wurde am DLR entwickelt und flog an Bord der japanischen Hayabusa-2-Sonde zum Asteroiden Ryugu. MASCOT wurde erfolgreich abgesetzt und lieferte wertvolle wissenschaftliche Daten.
MMX-Rover (geplant)
Gemeinsam mit der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelt das DLR einen Rover für die japanische MMX-Mission (Martian Moons eXploration), die die Marsmonde Phobos und Deimos erforschen wird.
ISS-Beteiligung
Deutschland ist der wichtigste europäische Partner der Internationalen Raumstation ISS und finanziert 37 Prozent der europäischen Infrastruktur.
Führung und Organisation
Vorstand
| Name | Position |
|---|---|
| Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla | Vorstandsvorsitzende (seit Oktober 2020) |
| Klaus Hamacher | Stellvertretender Vorsitzender |
| Prof. Dr.-Ing. Karsten Lemmer | Vorstand Innovation, Transfer und wissenschaftliche Infrastrukturen |
| Dr.-Ing. Walther Pelzer | Vorstand Deutsche Raumfahrtagentur |
Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla
Die Vorstandsvorsitzende (geb. 1966) ist Werkstoffwissenschaftlerin und Ingenieurin. Nach Stationen an der TU Wien, dem Max-Planck-Institut für Eisenforschung, dem Helmholtz-Zentrum Berlin und als Präsidentin der TU Braunschweig übernahm sie 2020 die Leitung des DLR. Sie folgte auf Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund.
Gremien
Die Gremien des DLR umfassen die Mitgliederversammlung, den Senat, den Aufsichtsrat, den Ausschuss für Raumfahrt, den Vorstand und den Wissenschaftlich-Technischen Rat.
Finanzierung und Eigentümerstruktur
Das DLR ist ein eingetragener Verein und wird institutionell durch den Bund gefördert:
- Hauptgeldgeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
- Institutionelle Grundförderung 2024: ca. 641 Millionen Euro
- Geplante Förderung 2025: ca. 736,5 Millionen Euro
- ESA-Beiträge: 1,04 Milliarden Euro (2024)
- Nationales Weltraumprogramm: ca. 313,8 Millionen Euro (2024)
Als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, ist das DLR Teil eines Netzwerks von 18 Helmholtz-Zentren.
Internationale Kooperationen und Partner
Das DLR arbeitet eng mit internationalen Partnern zusammen, wobei Kooperation statt Konkurrenz im Vordergrund steht:
Europäische Partner
- ESA: Deutschland ist Gründungsmitglied und einer der größten Beitragszahler der Europäischen Weltraumorganisation
- EUMETSAT: Beteiligung an der Europäischen Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten
- CNES: Enge Zusammenarbeit mit der französischen Raumfahrtagentur
Weltweite Partner
- NASA (USA): Gemeinsame Forschungsprojekte und Missionen
- JAXA (Japan): Kooperationen bei Asteroidenmissionen (Hayabusa-2, MMX)
- Weitere: Zusammenarbeit mit Raumfahrtagenturen weltweit
Vergleichbare Organisationen
| Organisation | Land | Fokus |
|---|---|---|
| NASA | USA | Raumfahrtagentur |
| ESA | Europa | Europäische Weltraumorganisation |
| CNES | Frankreich | Nationale Raumfahrtagentur |
| JAXA | Japan | Raumfahrtagentur |
| ONERA | Frankreich | Luft- und Raumfahrtforschung |
Standorte
Das DLR ist an 30 Standorten in Deutschland vertreten, darunter:
- Köln (Hauptsitz)
- Oberpfaffenhofen (ca. 2.000 Mitarbeiter, 13 Einrichtungen)
- Braunschweig
- Göttingen
- Berlin
- Bonn (Sitz der Deutschen Raumfahrtagentur)
- Stuttgart, Lampoldshausen, Ulm (Baden-Württemberg)
Darüber hinaus unterhält das DLR vier Geschäftsstellen im Ausland.
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