Charité
Charité: Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist Europas größtes Universitätsklinikum und eine der renommiertesten medizinischen Einrichtungen...
Charité
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist Europas größtes Universitätsklinikum und eine der renommiertesten medizinischen Einrichtungen weltweit. Die 1710 gegründete Institution ist gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin verbunden und vereint Krankenversorgung, Forschung und Lehre auf höchstem Niveau. Mehr als die Hälfte aller deutschen Nobelpreisträger für Medizin oder Physiologie haben an der Charité gearbeitet.
Überblick
- Typ: Universitätsklinikum, Körperschaft des öffentlichen Rechts
- Gründung: 1710 (Namensgebung 1727)
- Hauptsitz: Berlin, Deutschland
- Standorte: 4 Campus (Charité Mitte, Virchow-Klinikum, Benjamin Franklin, Berlin Buch)
- Träger: Land Berlin
- Mitarbeiter: ca. 24.332 (Konzern), ca. 20.578 (Charité-weit)
- Betten: 3.293
- Studierende: 10.182
- Jahresumsatz: ca. 2,9 Mrd. Euro (2024)
- Website: charite.de
Leistungen und Versorgung
Als Maximalversorger bietet die Charité das gesamte Spektrum der modernen Medizin und behandelt jährlich rund 144.000 stationäre und 823.000 ambulante Patienten. Die Institution besteht aus etwa 100 Abteilungen und Instituten, deren Expertise in 17 CharitéCentren gebündelt ist.
Spezialisierungen nach Campus
| Campus | Schwerpunkte |
|---|---|
| Campus Charité Mitte (CCM) | Neurowissenschaften, HNO-Medizin, Immunologie, Infektionskrankheiten |
| Campus Virchow-Klinikum (CVK) | Gynäkologie, Kindermedizin, Tumormedizin, kardiovaskuläre Medizin |
| Campus Benjamin Franklin (CBF) | Degenerative Erkrankungen, Altersmedizin, Demenz |
| Campus Berlin Buch (CBB) | Translationale Forschung |
Seit Januar 2023 vereint das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) die kardiologischen Einrichtungen der Charité und des Deutschen Herzzentrums Berlin – mit acht Kliniken, 2.500 Mitarbeitern und 470 Betten eines der größten Herzzentren Deutschlands.
Forschung
Die Charité betreibt über 1.000 Forschungsprojekte und Arbeitsgruppen. Im Jahr 2024 wurden 277,3 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Die Forschungsstärke zeigt sich in der Beteiligung an:
- 30 DFG-Sonderforschungsbereichen
- 48 EU-Projekten
- Enger Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Berlin Institute of Health (BIH) bildet seit 2021 als Translationsforschungsbereich die dritte Säule der Charité neben Klinikum und Medizinischer Fakultät. Es wird zu 90% vom Bund und zu 10% vom Land Berlin finanziert.
Geschichte und Entwicklung
Gründung (1710)
Auf Anordnung von König Friedrich I. von Preußen wurde 1710 nördlich der Berliner Stadtmauern ein Krankenhaus errichtet – ursprünglich in Erwartung eines Pestausbruchs. Nachdem die Pest ausblieb, diente es als Wohltätigkeitskrankenhaus für Arme.
Namensgebung (1727)
König Friedrich Wilhelm I. gab dem Haus am 9. Januar 1727 den französischen Namen “Charité” (Barmherzigkeit) und ordnete den Ausbau zu einem Militärkrankenhaus mit Ausbildungszentrum an.
Wissenschaftliche Blütezeit (19. Jahrhundert)
Die moderne Medizin wurde maßgeblich durch Wissenschaftler der Charité geprägt:
- Rudolf Virchow begründete ab 1856 die Zellularpathologie (“omnis cellula e cellula”)
- Robert Koch entdeckte die Erreger von Milzbrand, Tuberkulose und Cholera
- Emil von Behring und Paul Ehrlich entwickelten bahnbrechende Immuntherapien
Teilung und Wiedervereinigung (1945–2003)
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Charité im sowjetischen Sektor und gehörte zur DDR. Mit der Wiedervereinigung 1990 begann die Reintegration:
- 1997/98: Fusion der medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität mit dem Virchow-Klinikum
- 2003: Fusion mit dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin zur heutigen “Charité – Universitätsmedizin Berlin”
Jüngste Entwicklungen
- 2013: Gründung des Berlin Institute of Health (BIH)
- 2021: Integration des BIH in die Charité
- 2023: Zusammenführung zum Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC)
Führung
Vorstand (Stand 2025)
| Position | Name | Seit |
|---|---|---|
| Vorstandsvorsitzender | Prof. Dr. Heyo K. Kroemer | 2019 |
| Vorstand Krankenversorgung | Prof. Martin E. Kreis | 2021 |
| Vorstand Personal und Pflege | Carla Eysel | 2020 |
| Vorstand Finanzen und Infrastruktur | Astrid Lurati | 2019 |
Aufsichtsrat
Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Ina Czyborra, Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege.
Eigentümer und Förderer
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin befindet sich vollständig im Besitz des Landes Berlin und ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Stiftung Charité
Die Stiftung Charité wurde 2005 von der Unternehmerin Johanna Quandt (1926–2015) als unabhängige private gemeinnützige Stiftung gegründet. Sie fördert die Charité und andere Life-Science-Organisationen in Berlin in den Bereichen Innovation, Forschung und Open Life Science – ist jedoch kein Eigentümer, sondern ein privater Förderer.
Konkurrenz und Marktposition
Internationale Rankings
Die Charité zählt kontinuierlich zu den besten Kliniken weltweit:
- Newsweek-Ranking 2025: Platz 7 weltweit, beste europäische Klinik
- Newsweek-Ranking 2024: Platz 6 weltweit
- Seit 2019 durchgehend in den Top 10 der weltbesten Kliniken
Führende deutsche Universitätskliniken
| Rang | Klinik | Score |
|---|---|---|
| 1 | Charité – Universitätsmedizin Berlin | 93,27% |
| 2 | Universitätsklinikum Heidelberg | 91,63% |
| 3 | LMU Klinikum München | 89,45% |
Weitere bedeutende Wettbewerber sind die Universitätskliniken Bonn, Erlangen, Dresden und Tübingen.
Kooperationen
Neben dem Wettbewerb pflegt die Charité strategische Partnerschaften:
- Vivantes: Gemeinsame digitale Infrastruktur für Patientendatenaustausch in der Region Berlin
- European University Hospital Alliance (EUHA): Von der Charité mitgegründete Allianz europäischer Universitätskliniken
Wirtschaftliche Kennzahlen (2024)
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gesamteinnahmen | ca. 2,9 Mrd. Euro |
| Umsatzerlöse | über 2,0 Mrd. Euro |
| davon stationär | 1,5 Mrd. Euro |
| davon ambulant | 190 Mio. Euro |
| Personalkosten | 1,6 Mrd. Euro |
| Drittmittel | 277,3 Mio. Euro |
| Jahresfehlbetrag | 87,4 Mio. Euro |
| Bettenauslastung | 82,4% |
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