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Unternehmen Aktualisiert: 5.1.2026

Berliner Wasserbetriebe

Berliner Wasserbetriebe: Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) sind der größte kommunale Wasserversorger und Abwasserentsorger Deutschlands.

Berliner Wasserbetriebe

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) sind der größte kommunale Wasserversorger und Abwasserentsorger Deutschlands. Als Anstalt des öffentlichen Rechts im Eigentum des Landes Berlin versorgen sie seit über 160 Jahren die deutsche Hauptstadt mit Trinkwasser und entsorgen deren Abwasser. Mit rund 4.800 Mitarbeitern, einem Umsatz von über 1,3 Milliarden Euro und einem Netz von fast 19.000 Kilometern an Rohrleitungen und Kanälen sichern die BWB die Wasserversorgung für 3,8 Millionen Berlinerinnen und Berliner.

Überblick

MerkmalDetails
UnternehmenstypAnstalt des öffentlichen Rechts (AöR)
Gründung1856 (erstes Wasserwerk), 1992 (heutige Form nach Wiedervereinigung)
HauptsitzBerlin, Deutschland
EigentümerLand Berlin (100%)
Mitarbeiter4.836 (2024)
Umsatz1,31 Mrd. Euro (2024)
Websitewww.bwb.de

Dienstleistungen und Services

Die Berliner Wasserbetriebe bieten ein umfassendes Leistungsspektrum im Bereich der kommunalen Wasserwirtschaft:

Trinkwasserversorgung

  • Förderung und Aufbereitung von Grundwasser zu Trinkwasser
  • Betrieb von neun Wasserwerken in Wasserschutzgebieten nahe Spree und Havel
  • Verteilung über ein 7.900 km langes Rohrnetz
  • Tägliche Lieferung von durchschnittlich 550.000 m³ Trinkwasser
  • Jährlicher Wasserverkauf: 214,3 Mio. m³ (2024)

Abwasserentsorgung

  • Sammlung und Ableitung von Abwasser über das Kanalnetz
  • Betrieb von sechs Klärwerken
  • Reinigung von rund 264,7 Mio. m³ Abwasser jährlich
  • Moderne biologische und chemische Reinigungstechnologien

Regenwassermanagement

  • Bewirtschaftung des Regenwassers von öffentlichen Straßen und Plätzen
  • Dezentrale Versickerungsanlagen
  • Regenwasserrückhaltebecken

Weitere Services

  • Haus- und Grundstücksanschlüsse
  • Laboruntersuchungen der Wasserqualität
  • Standpipe-Vermietung für Baustellen und Veranstaltungen
  • Leerung von Klärgruben über lizenzierte Transportpartner

Geschichte und Entwicklung

Gründung und frühe Jahre (1852–1920)

Die Geschichte der Berliner Wasserversorgung begann 1852, als der Aufbau einer zentralen Wasserversorgung beschlossen wurde. Obwohl Berlin zu diesem Zeitpunkt bereits über 5.600 Brunnen verfügte, war das Brunnenwasser oft durch Krankheitserreger wie Cholera verunreinigt. Die Preußische Staatsregierung schloss einen Vertrag mit den englischen Unternehmern Fox und Crampton, und 1856 nahm das erste Wasserwerk der Berlin Waterworks Company vor dem Stralauer Tor den Betrieb auf.

Großberlin und Konsolidierung (1920–1945)

Mit der Gründung von „Groß-Berlin” am 1. Oktober 1920 wurde die Stadt zur flächenmäßig zweitgrößten der Welt nach Los Angeles. Die 21 bestehenden Wasserwerke mussten vereinheitlicht werden. Am 1. Januar 1924 nahm die Berliner Städtische Wasserwerke AG ihre Arbeit auf und pachtete alle Wasserwerke für 50 Jahre von der Stadt – das Aktienkapital blieb zu 100% im Besitz Berlins. 1945 erfolgte der Zusammenschluss mit den Charlottenburger Wasser- und Industriewerken AG.

Teilung und Wiedervereinigung (1949–1992)

Nach der Teilung Berlins 1949 wurden auch Wasserversorgung und Stadtentwässerung gespalten. 1988 fusionierten die West-Berliner Wasserwerke und Entwässerungswerke zu den Berliner Wasser-Betrieben. Nach dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung wurden 1992 alle Betriebe unter dem heutigen Namen Berliner Wasserbetriebe zusammengeführt.

Privatisierung und Rekommunalisierung (1994–2013)

1994 wurden die BWB in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt. 1999 erfolgte eine Teilprivatisierung: Vivendi (heute Veolia) und RWE erwarben gemeinsam 49,9% der Anteile über eine stille Gesellschaft. Diese umstrittene Teilprivatisierung führte zu Bürgerprotesten und einem erfolgreichen Volksentscheid für die Offenlegung der Verträge.

Ende Oktober 2012 kaufte das Land Berlin die RWE-Anteile für 618 Millionen Euro zurück, im November 2013 folgten die Veolia-Anteile. Seitdem befinden sich die Berliner Wasserbetriebe wieder zu 100% in öffentlicher Hand.

Team und Führung

Vorstand (Stand 2025)

NamePositionSeit
Frank BruckmannFinanzvorstand
Kerstin OsterVorständin Personal und Soziales
Dr. Gesche GrützmacherTechnische VorständinNovember 2025

Der bisherige Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Christoph Donner schied zum 30. November 2024 aus. Die Technischen Ressorts wurden zunächst interimistisch von Finanzvorstand Frank Bruckmann geleitet, bis Dr. Gesche Grützmacher – zuvor Leiterin der Wasserversorgung – im November 2025 die Position der Technischen Vorständin übernahm.

Aufsichtsrat

  • Vorsitzende: Franziska Giffey (Wirtschaftssenatorin Berlin)
  • Stellvertretender Vorsitzender: Lutz Neetzel (Vorsitzender des Gesamtpersonalrats)
  • Weitere Mitglieder: Olaf Blümel, Roland Jäschke, Ellen Naumann, Tim Pommeränig, Birgit Richlitzki, Sabine Thonke

Eigentümer und Beteiligungen

Eigentümerstruktur

Die Berliner Wasserbetriebe sind zu 100% im Besitz des Landes Berlin. Die Rechtsform als Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) sichert die öffentliche Kontrolle und demokratische Steuerung des Unternehmens.

Tochtergesellschaften

  • Berliner Stadtwerke GmbH (100%): 2014 gegründete Tochter für erneuerbare Energien und Stromversorgung öffentlicher Einrichtungen
  • Pigadi GmbH: Spezialisiert auf Wartung und Sanierung von Trinkwasserbrunnen
  • Berliner Ingenieurgesellschaft p2m: Ingenieurdienstleistungen in Wasserwirtschaft und Bau

Beteiligungen

  • Wasser Nord GmbH & Co. KG (49%): Wasserversorgung für Hohen Neuendorf, Glienicke/Nordbahn und den Zweckverband Fließtal

Wettbewerbsumfeld

Als kommunaler Wasserversorger besitzen die Berliner Wasserbetriebe ein natürliches Monopol für ihr Versorgungsgebiet. Ein Wechsel des Wasserversorgers ist für Verbraucher in Berlin nicht möglich. Die Wasserpreise unterliegen jedoch der Kontrolle durch das Bundeskartellamt.

Kartellrechtliche Entwicklung

Das Bundeskartellamt verfügte 2012 eine Absenkung der Berliner Wasserpreise um rund 18% für die Jahre 2012–2015. Die BWB verpflichteten sich anschließend, die Preissenkung bis 2018 zu verlängern.

Vergleichbare Unternehmen in Deutschland

In Deutschland gibt es über 5.700 Wasserversorgungsunternehmen. Zu den größten kommunalen Versorgern zählen:

  • Hamburger Wasserwerke
  • Stadtwerke München (Bereich Wasser)
  • RheinEnergie Köln (Bereich Wasser)
  • Stadtwerke Düsseldorf
  • Frankfurter Wasser- und Abwasserbetriebe

Die Berliner Wasserbetriebe sind mit ihrem Umsatz von über 1,3 Milliarden Euro der größte kommunale Wasserversorger Deutschlands.

Kennzahlen 2024

KennzahlWert
Umsatz1.306,6 Mio. €
Jahresüberschuss165,6 Mio. €
Bilanzgewinn127,0 Mio. €
Investitionen539,1 Mio. €
Mitarbeiter4.836
Auszubildende263
Rohrnetzlängeca. 19.000 km
Wasserverkauf214,3 Mio. m³
Gereinigte Abwassermenge264,7 Mio. m³

Quellen

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