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Unternehmen Aktualisiert: 18.1.2026

Alno AG

Alno AG: Die Alno AG war ein traditionsreicher deutscher Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Pfullendorf, Baden-Württemberg.

Alno AG

Die Alno AG war ein traditionsreicher deutscher Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Pfullendorf, Baden-Württemberg. Das 1927 gegründete Unternehmen zählte zu den führenden Küchenherstellern Deutschlands und Europas und war zeitweise der größte deutsche Produzent von Einbauküchen. Nach mehreren Insolvenzen und Eigentümerwechseln existiert die Marke Alno heute als Handelsmarke der Höffner-Gruppe, wobei die Produktion bei Häcker Küchen erfolgt.

Überblick

MerkmalDetails
TypKüchenmöbelhersteller
Gründung1927
GründerAlbert Nothdurft
Ehemaliger HauptsitzPfullendorf, Baden-Württemberg
RechtsformAktiengesellschaft (AG)
Börsengang1995
StatusInsolvent (2017), Marke heute bei Höffner-Gruppe
Höchstumsatz522 Mio. Euro (2015)
Höchste Mitarbeiterzahlca. 2.100 (2015)
Websitealno-ag.de (Investor Relations)

Produkte und Marken

Die Alno AG produzierte und vertrieb Einbauküchen in verschiedenen Preissegmenten über mehrere Marken:

Markenportfolio

MarkePreissegmentStatus
ALNOPremium/HochpreisMarke heute bei Höffner, Produktion bei Häcker Küchen
WellmannMittelklasse2017 insolvent, Produktion eingestellt
ImpulsEinstieg bis Mittelklasse2015 an Steinhoff verkauft, heute bei Brimax
PinoEinstieg/Niedrigpreis2017 an Nobilia verkauft

Die Produktpalette umfasste:

  • Einbauküchen für Privathaushalte
  • Küchenkomponenten und Schranksysteme
  • Vertrieb von Elektrogeräten (u.a. Bauknecht) und Küchenzubehör

Geschichte und Entwicklung

Gründung und Aufstieg (1927–1995)

  • 1927: Der 21-jährige Schreiner Albert Nothdurft gründet eine Schreinerei in Wangen bei Göppingen. Der Firmenname ALNO setzt sich aus seinem Namen zusammen (Al-bert No-thdurft).
  • 1958: Verlegung der Produktion nach Pfullendorf und Umwandlung zum Industrieunternehmen
  • Ab 1960: Fokussierung auf Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Küchenmöbeln
  • 1969–1984: Internationale Expansion mit Tochtergesellschaften in Frankreich (1969), Belgien (1970), Italien (1972), Schweiz (1974), Großbritannien (1980) und Niederlande (1984)
  • 1995: Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Börsengang

Krise und Wandel (1995–2017)

  • 1997: Tod des Firmengründers Albert Nothdurft
  • 2006: Finanzinvestor German Capital übernimmt Commerzbank-Anteile
  • 2010: Kurzfristige Verlegung des Stammsitzes nach Düsseldorf
  • 2011: Max Müller wird CEO und verlegt den Sitz zurück nach Pfullendorf
  • 2015: Verkauf der Marke Impuls an Steinhoff International; Umsatz von 522 Mio. Euro mit 2.100 Mitarbeitern
  • 2017: Tahoe Investors GmbH (Prevent-Gruppe, Familie Hastor) hält 43% der Stimmrechte

Erste Insolvenz (2017)

  • 12. Juli 2017: Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hechingen in Eigenverwaltung
  • Ende August 2017: Aufhebung der Eigenverwaltung, Martin Hörmann wird Insolvenzverwalter
  • 1. Oktober 2017: Eröffnung des Insolvenzverfahrens über Alno AG und Tochtergesellschaften (Wellmann, Pino, ALNO Logistik&Service)
  • Oktober 2017: Einstellung des Geschäftsbetriebs; Verkauf von Pino an Nobilia
  • Dezember 2017: RiverRock European Capital Partners übernimmt für ca. 20 Mio. Euro wesentliche Vermögenswerte

Neustart und zweite Insolvenz (2018–2021)

  • März 2018: Neue Alno GmbH nimmt mit ca. 230 Mitarbeitern die Produktion wieder auf
  • Juli 2021: Erneuter Insolvenzantrag der Neuen Alno GmbH
  • September 2021: Verkauf an die Vierhaus-Gruppe
  • Dezember 2021: Weiterverkauf der Marke an die Höffner-Gruppe (Familie Krieger)

Aktuelle Situation (seit 2022)

  • Die Marke Alno gehört der Höffner-Gruppe
  • Küchen werden bei Häcker Küchen produziert (Produktlinie “concept130”)
  • Am ehemaligen Standort Pfullendorf betreibt Vierhaus einen “Alno-Park” für Caravaning-Aktivitäten

Führung und Management

Historische Vorstände

NamePositionZeitraum
Max MüllerVorstandsvorsitzender (CEO)2011–2017
Elmar DuffnerCOO2011–2013
Ipek DemirtasCFOBis 2017
Ralph BestgenVorstandsmitgliedBis 2017
Manfred ScholzVorstandsmitgliedBis 2017

Elmar Duffner wechselte 2011 von Poggenpohl zu Alno und war für internationalen Vertrieb, Produktion, Beschaffung und Marketing verantwortlich. Er verließ das Unternehmen 2013.

Strafverfahren

Nach der Insolvenz wurden Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung, Kreditbetrug und Untreue gegen ehemalige Vorstandsmitglieder eingeleitet:

  • Laut Gutachten war Alno bereits seit 2013 zahlungsunfähig
  • Im Januar 2025 begann der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart
  • 20. Oktober 2025: Verfahren gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt (40.000 € bzw. 17.500 €)
  • Die Angeklagten gelten als nicht vorbestraft

Investoren und Eigentümer

Historische Aktionärsstruktur

ZeitraumAktionärAnteil
Bis 1997Familie Nothdurft12,5%
Bis 2006Familie Hellwig21,5%
Bis 2006Commerzbank20,6%
2010Küchen Holding GmbH62,9%
2010IRE Beteiligungs GmbH18,6%
2015–2017Whirlpool/Bauknecht24,9%
2017Tahoe Investors (Prevent-Gruppe)43%

Nach der Insolvenz

  • RiverRock European Capital Partners (UK): Übernahme 2017 für ca. 20 Mio. Euro
  • Vierhaus-Gruppe: Übernahme September 2021
  • Höffner-Gruppe (Familie Krieger): Übernahme der Marke Dezember 2021

Gläubigerforderungen

  • 1.268 Gläubiger meldeten Forderungen in Höhe von 1,68 Mrd. Euro an
  • Ca. 200 Mio. Euro wurden als berechtigt anerkannt
  • 2024: Erste Vorabausschüttung von 10% an die Gläubiger

Konkurrenz

Die Alno AG konkurrierte mit folgenden deutschen und europäischen Küchenherstellern:

UnternehmenStandortSegment
NobiliaVerlEuropas größter Küchenhersteller, Preis-Leistung
Nolte KüchenLöhneMittel- bis Premiumsegment
Häcker KüchenRödinghausenBreites Sortiment, heute Alno-Produzent
SchüllerHerriedenMittelklasse bis Premium
PoggenpohlHerfordPremiumsegment
SieMaticLöhnePremiumsegment
Leicht KüchenWaldstettenPremium

Nach der Alno-Insolvenz rückte Schüller auf Platz 2 im deutschen Küchenhersteller-Ranking vor.

Quellen

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