Alno AG
Alno AG: Die Alno AG war ein traditionsreicher deutscher Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Pfullendorf, Baden-Württemberg.
Alno AG
Die Alno AG war ein traditionsreicher deutscher Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Pfullendorf, Baden-Württemberg. Das 1927 gegründete Unternehmen zählte zu den führenden Küchenherstellern Deutschlands und Europas und war zeitweise der größte deutsche Produzent von Einbauküchen. Nach mehreren Insolvenzen und Eigentümerwechseln existiert die Marke Alno heute als Handelsmarke der Höffner-Gruppe, wobei die Produktion bei Häcker Küchen erfolgt.
Überblick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Typ | Küchenmöbelhersteller |
| Gründung | 1927 |
| Gründer | Albert Nothdurft |
| Ehemaliger Hauptsitz | Pfullendorf, Baden-Württemberg |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft (AG) |
| Börsengang | 1995 |
| Status | Insolvent (2017), Marke heute bei Höffner-Gruppe |
| Höchstumsatz | 522 Mio. Euro (2015) |
| Höchste Mitarbeiterzahl | ca. 2.100 (2015) |
| Website | alno-ag.de (Investor Relations) |
Produkte und Marken
Die Alno AG produzierte und vertrieb Einbauküchen in verschiedenen Preissegmenten über mehrere Marken:
Markenportfolio
| Marke | Preissegment | Status |
|---|---|---|
| ALNO | Premium/Hochpreis | Marke heute bei Höffner, Produktion bei Häcker Küchen |
| Wellmann | Mittelklasse | 2017 insolvent, Produktion eingestellt |
| Impuls | Einstieg bis Mittelklasse | 2015 an Steinhoff verkauft, heute bei Brimax |
| Pino | Einstieg/Niedrigpreis | 2017 an Nobilia verkauft |
Die Produktpalette umfasste:
- Einbauküchen für Privathaushalte
- Küchenkomponenten und Schranksysteme
- Vertrieb von Elektrogeräten (u.a. Bauknecht) und Küchenzubehör
Geschichte und Entwicklung
Gründung und Aufstieg (1927–1995)
- 1927: Der 21-jährige Schreiner Albert Nothdurft gründet eine Schreinerei in Wangen bei Göppingen. Der Firmenname ALNO setzt sich aus seinem Namen zusammen (Al-bert No-thdurft).
- 1958: Verlegung der Produktion nach Pfullendorf und Umwandlung zum Industrieunternehmen
- Ab 1960: Fokussierung auf Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Küchenmöbeln
- 1969–1984: Internationale Expansion mit Tochtergesellschaften in Frankreich (1969), Belgien (1970), Italien (1972), Schweiz (1974), Großbritannien (1980) und Niederlande (1984)
- 1995: Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Börsengang
Krise und Wandel (1995–2017)
- 1997: Tod des Firmengründers Albert Nothdurft
- 2006: Finanzinvestor German Capital übernimmt Commerzbank-Anteile
- 2010: Kurzfristige Verlegung des Stammsitzes nach Düsseldorf
- 2011: Max Müller wird CEO und verlegt den Sitz zurück nach Pfullendorf
- 2015: Verkauf der Marke Impuls an Steinhoff International; Umsatz von 522 Mio. Euro mit 2.100 Mitarbeitern
- 2017: Tahoe Investors GmbH (Prevent-Gruppe, Familie Hastor) hält 43% der Stimmrechte
Erste Insolvenz (2017)
- 12. Juli 2017: Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hechingen in Eigenverwaltung
- Ende August 2017: Aufhebung der Eigenverwaltung, Martin Hörmann wird Insolvenzverwalter
- 1. Oktober 2017: Eröffnung des Insolvenzverfahrens über Alno AG und Tochtergesellschaften (Wellmann, Pino, ALNO Logistik&Service)
- Oktober 2017: Einstellung des Geschäftsbetriebs; Verkauf von Pino an Nobilia
- Dezember 2017: RiverRock European Capital Partners übernimmt für ca. 20 Mio. Euro wesentliche Vermögenswerte
Neustart und zweite Insolvenz (2018–2021)
- März 2018: Neue Alno GmbH nimmt mit ca. 230 Mitarbeitern die Produktion wieder auf
- Juli 2021: Erneuter Insolvenzantrag der Neuen Alno GmbH
- September 2021: Verkauf an die Vierhaus-Gruppe
- Dezember 2021: Weiterverkauf der Marke an die Höffner-Gruppe (Familie Krieger)
Aktuelle Situation (seit 2022)
- Die Marke Alno gehört der Höffner-Gruppe
- Küchen werden bei Häcker Küchen produziert (Produktlinie “concept130”)
- Am ehemaligen Standort Pfullendorf betreibt Vierhaus einen “Alno-Park” für Caravaning-Aktivitäten
Führung und Management
Historische Vorstände
| Name | Position | Zeitraum |
|---|---|---|
| Max Müller | Vorstandsvorsitzender (CEO) | 2011–2017 |
| Elmar Duffner | COO | 2011–2013 |
| Ipek Demirtas | CFO | Bis 2017 |
| Ralph Bestgen | Vorstandsmitglied | Bis 2017 |
| Manfred Scholz | Vorstandsmitglied | Bis 2017 |
Elmar Duffner wechselte 2011 von Poggenpohl zu Alno und war für internationalen Vertrieb, Produktion, Beschaffung und Marketing verantwortlich. Er verließ das Unternehmen 2013.
Strafverfahren
Nach der Insolvenz wurden Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung, Kreditbetrug und Untreue gegen ehemalige Vorstandsmitglieder eingeleitet:
- Laut Gutachten war Alno bereits seit 2013 zahlungsunfähig
- Im Januar 2025 begann der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart
- 20. Oktober 2025: Verfahren gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt (40.000 € bzw. 17.500 €)
- Die Angeklagten gelten als nicht vorbestraft
Investoren und Eigentümer
Historische Aktionärsstruktur
| Zeitraum | Aktionär | Anteil |
|---|---|---|
| Bis 1997 | Familie Nothdurft | 12,5% |
| Bis 2006 | Familie Hellwig | 21,5% |
| Bis 2006 | Commerzbank | 20,6% |
| 2010 | Küchen Holding GmbH | 62,9% |
| 2010 | IRE Beteiligungs GmbH | 18,6% |
| 2015–2017 | Whirlpool/Bauknecht | 24,9% |
| 2017 | Tahoe Investors (Prevent-Gruppe) | 43% |
Nach der Insolvenz
- RiverRock European Capital Partners (UK): Übernahme 2017 für ca. 20 Mio. Euro
- Vierhaus-Gruppe: Übernahme September 2021
- Höffner-Gruppe (Familie Krieger): Übernahme der Marke Dezember 2021
Gläubigerforderungen
- 1.268 Gläubiger meldeten Forderungen in Höhe von 1,68 Mrd. Euro an
- Ca. 200 Mio. Euro wurden als berechtigt anerkannt
- 2024: Erste Vorabausschüttung von 10% an die Gläubiger
Konkurrenz
Die Alno AG konkurrierte mit folgenden deutschen und europäischen Küchenherstellern:
| Unternehmen | Standort | Segment |
|---|---|---|
| Nobilia | Verl | Europas größter Küchenhersteller, Preis-Leistung |
| Nolte Küchen | Löhne | Mittel- bis Premiumsegment |
| Häcker Küchen | Rödinghausen | Breites Sortiment, heute Alno-Produzent |
| Schüller | Herrieden | Mittelklasse bis Premium |
| Poggenpohl | Herford | Premiumsegment |
| SieMatic | Löhne | Premiumsegment |
| Leicht Küchen | Waldstetten | Premium |
Nach der Alno-Insolvenz rückte Schüller auf Platz 2 im deutschen Küchenhersteller-Ranking vor.
Quellen
- Wikipedia – Alno
- Markt und Mittelstand – Das spektakuläre Ende von Alno
- Handelsblatt – Alno News
- Möbelkultur – Verfahren gegen Ex-Vorstände eingestellt
- Stuttgarter Zeitung – Vierhaus-Group kauft Marke und Areal
- Möbelfertigung – Forderungsprüfung abgeschlossen
- Wirtschaftswoche – Alno meldet erneut Insolvenz an
- Legal Tribune Online – Ex-Alno-Vorstände vor Gericht
- Küchenfinder – Nolte, Nobilia und Alno im Vergleich
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